Monthly Archives: April 2014

Rückenschmerzen adé – Tipps der AOK

Ein Meisterstück der Natur: der Rücken. Er trägt viel über die Jahre. Schmerz ist ein erstes Warnsignal. Aber soweit sollte es nicht kommen. Rückenschmerzen sind keineswegs eine Frage des Alters. Immer mehr Menschen macht heute der Rücken zu schaffen – insbesondere bei langen Zeiten im Büro.

Dabei ließen sich durch geeigneten Sport bis zu 80 Prozent aller Rückenschmerzen kurieren – so schätzen Sportmediziner. Denn wie sagt man so schön? Ein kräftiger Rücken kennt kaum Schmerz!

Der Mensch braucht Bewegung – dafür ist er bestimmt. Verständlich, dass Probleme entstehen, wenn man sich zu wenig bewegt. Es geht bei diesen Tipps um die alltägliche Büro-Gesundheit und nicht ausschließlich um Rückenschmerzen. Wenn Schmerzen auftreten ist dies bereits ein Zeichen, dass sich der Körper außerhalb des „grünen Bereichs“ befindet. Schmerzen signalisieren, dass die Gesundheit gefährdet ist. Die AOK gibt Tipps rund um die Vorbeugung im Job.

Vermeiden Sie Sitzen

Überlegen Sie: Muss ich sitzen oder welche Tätigkeiten kann ich auch im Stehen durchführen? Wo kann ich mehr Bewegung in meinen Arbeitstag einbauen? Ideen zum dynamischen Büroarbeitsplatz:

  • Vor und nach dem Mittagessen „eine Runde um den Block gehen“.
  • Papierkorb etwas weiter weg vom Schreibtisch aufstellen.
  • Kollegen besuchen statt telefonieren.
  • Treppen steigen statt Aufzug fahren.
  • Telefonate im Stehen führen.
  • Post, Akten im Stehen lesen.

Ideal: Wechsel zwischen sitzen, stehen und bewegen, so kommt Dynamik in die Büroarbeit.
Der Wechsel zwischen sitzen und stehen

  • trainiert Rücken- und Beinmuskulatur,
  • verbessert die Atmung,
  • stimuliert das Herz-Kreislauf-System,
  • regt die Verdauung an
  • fördert die Nährstoffversorgung der Bandscheiben
  • fördert die Hirntätigkeit

Ideal dafür ist ein Büroarbeitsplatz mit integriertem Stehplatz oder einem höhenverstellbaren Arbeitsplatz, der den notwendigen Belastungswechsel ermöglicht. Arbeitsmediziner empfehlen als Formel für ideale Büroarbeit:50 Prozent Sitzen, 25 Prozent Stehen, 25 Prozent Bewegen. Hier klicken für alle AOK-Tipps.

Hinter Genua links ab! 5.555 Kilometer rund ums Tyrrhenische Meer

Thomas Dirk Meyer auf seiner Yamaha.

Thomas Dirk Meyer auf seiner Yamaha.

Thomas Dirk Meyer und seine Frau Hanne sind Abenteurer im Alter von Mitte 50: Im Mai Im Mai und Juni 2013 fuhren sie auf einer Yamaha FJR 1300 von Schermbeck nach Genua und von dort den italienischen Stiefel hinab nach Sizilien. Von dort ging es nach Sardinien und weiter nach Korsika, bevor die Eheleute auf dem Festland den Rückweg antraten.

Für die 5.555 Kilometer benötigten sie vier Wochen. Ihre Erlebnisse beschreibt Thomas Dirk Meyer in seinem Buch „Hinter Genua links ab!“ auf 104 Seiten mit 190 Bildern. Nachfolgend zwei Kapitel-Auszüge:

Die Schweiz – anders als erwartet

Unser Zimmer für die nächste Nacht befindet sich in Reckingen-Gluringen, einem Ort im schweizerischen Wallis. Um dort hinzugelangen, müssten wir nach ursprünglicher Planung entweder den Grimselpass oder via Andermatt den Furkapass nehmen. Alle Wetterberichte aber, die ich per Internet abrufen kann, sprechen von Schneefällen in der Gegend. Die notwendige Motorradausrüstung, die bei winterlichen Bedingungen auf den Pässen erforderlich ist, führen wir nicht mit. Also rufen wir bei unserer heutigen Hauswirtin in Reckingen-Gluringen an und erkundigen uns nach der dortigen Wetterlage. Der Frau ist sofort klar, dass ihr Haus mit einem Motorrad nicht zu erreichen ist. Freundlicherweise verzichtet sie auf die Buchung (Hotel Waliser Sonne) und wünscht uns eine gute Fahrt.

Nachdem uns nun auch unsere aktuelle Hauswirtin im Hotel in Weil am Rhein erzählt, dass ihr Mann am Sankt Gotthard festhängt, weil es dort 30 Zentimeter Neuschnee gegeben hat, entschließen wir uns endgültig dazu, die Tour zu ändern. Die Alpen sind weitestgehend zu umfahren oder wir müssen eine Route wählen, die nicht über verschneite Pässe, sondern durch befahrbare Täler führt. Eine Variante wäre, nach München bzw. Innsbruck über den Brenner zu fahren. Die andere ist der Weg, der am Genfer See entlang und dann durch den Montblanc-Tunnel ins italienische Aosta-Tal führt. Sollte das Wetter noch winterlicher werden, würde es uns möglicherweise den Weg über den Brenner versperren. Auf der Genfer-See-Route könnten wir im Notfall weiter südlich versuchen, die Alpen an der Mittelmeerküste zu umgehen. Ein Riesenumweg, aber möglich. Also entscheiden wir uns für den Genfer See.

Eigentlich ist der Weg über Solothurn, Lyss und Murten wundervoll. Aber es ist bitterkalt und immer wieder regnet es heftig. In der Nähe des Genfer Sees, wo wir einen Blick auf die Alpen werfen können, sehen wir verschneite Berge. Es sieht irgendwie aus, wie im Winter.

Ja, ein Besuch der Schweiz war geplant. Über Euro oder Franken hatten wir jedoch nicht nachgedacht. Nass und kalt suchen wir in Büren an der Aare nach einer Lokalität für einen warmen Kaffee. Nett wie ich bin, schicke ich meine Frau vor, um zu erfragen, ob denn auch Euro als Zahlungsmittel genehm wären. Im Stedtli-Café wird Hanne zunächst abgewiesen. Dann rennt ihr eine Servicekraft hinterher, um ihr zu erklären, dass es bei einem Eins- zu-Eins-Tausch durchaus einen Kaffee gäbe. Abzocker!!! Wir verzichten dann gerne, essen unsere letzte Banane, überlegen kurz, ob wir ihre Schale nicht an der Fensterscheibe des Cafés entsorgen können und fahren dann – reichlich wütend über die Schweizer und ihr Wetter – ohne Fensterbeschmutzung weiter. Ein Ort weiter erleben wir dann die echte schweizerische Gastfreundschaft. In Lyss werden Euro angenommen und der Kaffee schmeckt.

Bei der Weiterfahrt werden wir wieder ordentlich nass und es ist kalt, gerade mal 4 Grad Celsius. Am Genfer See in Richtung Montreux hängen die Berge voller Wolken. In Richtung Lausanne lockert die Sicht mehr und mehr auf. Das macht die Entscheidung einfach. Wir halten auf Lausanne zu. Am See wird das Wetter immer besser. Wir durchqueren die sehenswerte Stadt Lausanne, fahren jedoch ein gutes Stück den See entlang bis in den Ort „Rolle“. Mit Hilfe des Touristikbüros finden wir eine Unterkunft: eine Villa direkt am See und Zimmer mit Blick auf das Gewässer, aber mit Bad auf dem Gang und ohne Fernsehen, dafür mit Frühstück und das Ganze für 145 Euro. Nach rund 240 Kilometern sind wir froh über das Angebot. An der Rezeption des „Le Courtil“ werden wir durch einen netten jungen Mann empfangen, der erfreulicherweise Deutsch spricht und uns bei unserem Gepäck zur Hand geht.

Neapel und seine legendären Verkehrsverhältnisse

Wir stehen brav an der Ampel auf der rechten Spur, um geradeaus zu fahren. Vor uns befindet sich ein italienisches Auto, welches ebenfalls vorhat, geradeaus zu fahren. Die Ampel wird grün und von der linken Spur rasen im Affentempo zwei Fahrzeuge an uns vorbei, um vor uns einzuscheren und rechts abzubiegen. Etwas später interessiert es einen entgegenkommenden Linksabbieger überhaupt nicht, dass wir geradeaus fahren möchten. Nur eine harte Bremsung mitten auf der Kreuzung verhindert die Bekanntschaft mit neapolitanischem Straßenbelag. Wieder etwas weiter, führt unser Weg auf einen großen Kreisverkehr zu. Noch vier oder fünf weitere Straßen münden ebenfalls in die Rundung. Was soll’s, wir und natürlich all die vielen Autos um uns herum sehen eine grüne Ampel. Auf drei, vier oder fünf Spuren (es ist unklar) schieben sich alle Fahrzeuge auf die Einfahrt zu. Offensichtlich haben die anderen Zuführungsstraßen aber auch alle Grün. Denn aus allen Zufahrten quillt der Verkehr in den Kreis und es wird richtig eng. Die einzige Lösung, die mir einfällt, besteht darin, den Finger dauerhaft auf die Hupe zu halten. Der Ton ist nicht schlecht bei der Yamaha und zeigt Wirkung. Dann heißt es, die Spannung im Gasgriff zu erhöhen und ab durch die Mitte zu fahren. Da guckt selbst der ein oder andere Italiener dumm. Danach beruhigt sich der Verkehr erst einmal und ich bin froh. Wenn ganz Italien so chaotisch wäre, müssten wir uns nicht über Berlusconi wundern. Aber jetzt brauchen wir erst einmal etwas zu Trinken.

Aber wir haben es noch nicht überstanden. Schlimmer noch als der Verkehr ist teilweise der Zustand der Straßen in der Stadt. Unmittelbar nach der Wende habe ich in Ostdeutschland zu tun gehabt. Und so manche Straße war da echt übel – zum Teil mit Kopfsteinpflaster. Aber die mieseste ostdeutsche Straße direkt nach der Wende, kommt nicht ansatzweise an das heran, was wir hier vorfinden. Dem Kopfsteinpflaster ähnliche Platten, in Din-A-4-Blatt-Größe sind in unterschiedlichen Höhen verlegt, so dass sich zahlreiche kleine Stufen bilden. Einige Platten fehlen komplett – dann ist da eben ein Loch. Links ist die Spur höher als rechts, dann umgekehrt und die mittlere ragt plötzlich am höchsten heraus. Das ist lebensgefährlich für Motorradfahrer und denkbar schlecht für die Maschine. Vier oder fünf Mal setzen wir mit dem Hauptständer auf und noch viel öfter schlägt die Federung komplett durch. Selbst Autos schleichen bestenfalls mit 20 Km/h über die Strecke, drängeln dabei aber so, wie im Kreisverkehr.

Und immer wieder dieser Dreck. Waren wir es bisher in Italien gewöhnt, den Duft von blühenden Blumen und Gewürzen in der Nase zu haben, beleidigt nun der ätzende Gestank von vergammelndem Hausmüll unseren Geruchssinn. Die schlechtesten Ecken der USA, die ärmsten Gegenden Chinas und selbst die arabischen Gebiete in Israel sind bei weitem nicht so müllbeladen und dreckig wie Neapel und seine Umgebung. Nachdem wir dann den Vesuv umkurvt haben, der zum Glück keinen Mucks von sich gibt, ist es wieder Zeit für eine kurze Rast.

Bibliografische Angaben und Bezug

Meyer, Thomas Dirk: Hinter Genua links ab! 5.555 Kilometer und ums Tyrrhenische Meer.

40/50plus – Die Stärken älterer Bewerber

Sie haben in Ihrem Leben schon viel geleistet, berufliche Hochs und Tiefs kennen gelernt und verfügen über eine breite Erfahrung. Warum sollten sich dann Bewerber über 50 – teilweise wird ja bereits von älteren Bewerbern gesprochen, wenn man über 40 ist – als Kandidaten zweiter Wahl fühlen? Dazu besteht kein Grund.

Die Karriereberaterin Doris Brenner gibt im Karriere-Journal von monster.de Tipps für die erfolgreiche Stellensuche. Entscheidend ist zunächst die eigene Einstellung. Sind Sie der Meinung, dass Sie für einen Arbeitgeber ein wertvoller Mitarbeiter sein können? Wer diese Frage für sich bejaht, wird auch mit Überzeugung Argumente liefern, mit denen er einen Arbeitgeber für sich gewinnen kann.

Wie, das erzählte mir eine Bewerberin mit Ende 40 vor Kurzem: „Derzeit möchte ich mich beruflich verändern und muss sagen, dass ich absolut keine Probleme mit meinem Alter habe. Auf bisher jede Bewerbung habe ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten. Es kommt einfach nur auf die eigene Darstellung an.“

Stärke durch Erfahrung

Reife Bewerber sollten daher sehr bewusst herausarbeiten, wo ihre Stärken liegen und welchen Nutzen sie einem Arbeitgeber bieten können. In der Regel verfügen sie über langjährige Berufserfahrung und haben dabei vor allem auch gelernt, Sachverhalten wesentlich besser in Zusammenhängen beurteilen zu können. Während junge Mitarbeiter oft vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen, können erfahrene Kollegen leichter einen roten Faden erkennen und damit auch das Gesamtbild verstehen. Mehr im Monster.de-Karriere-Journal.

Dumme Blondinen und potente Glatzenträger: Haben schöne Menschen es leichter?

Barbie ist in diesem Jahr 55 Jahre alt geworden. Andere werden dick – sie hat eine Top-Figur  mit langen, cellulitefreien Beinen. Ihr voluminöses Haar ist durchgestylt und auch ihr Lächeln makellos. Wäre sie ein Mensch, würde die Welt ihr zu Füßen liegen. Oder etwa nicht? Ein Sprichwort sagt: „Perfektion erzeugt Aggression.“ Und das stimmt.

Begegnen zwei Menschen einander zum ersten Mal, taxieren sie sich gegenseitig. Innerhalb eines Augenblicks bildet sich jeder eine vorläufige Meinung über den anderen. Welche Wirkung die körperliche Attraktivität dabei hat und wie sie die Sympathiebildung beeinflusst, untersuchten verschiedene Wissenschaftler. Dabei kam wenig überraschend heraus, dass junges, frisches Aussehen mit glatter Haut und vollem Haar anziehend wirkt und Sympathiepunkte bringt.

Menschen, die die Forderung nach ewiger Jugend erfüllen, gelten als Vorbilder.Hierbei spielen Haut und Haare eine besondere Rolle. Denn sie liefern Informationen über das vermutliche Alter und den Gesundheitszustand einer Person. Die Literatur- und Kulturhistorikerin Nina Bolt erläutert: „Hängt das Haar fettig und trocken herab oder strähnig wie welkes Gras“, werde dies als Zeichen dafür gedeutet, dass es jemand nicht gut gehe – „weder physisch noch psychisch“. Stumpfes, kaputtes und struppiges Haar sorgt für einen so schlechten Eindruck, dass dieser nicht durch ein sonst gepflegtes Äußeres ausgeglichen werden kann.

Wird das eigene Haar licht, lohnt zumindest bei Männern der Griff zur Rasiermaschine. Denn glatzköpfige Männer gelten als dominanter, sportlicher und führungsstärker als ihre Kollegen mit ausgedünntem, längerem Haar. Das besagt zumindest eine Studie von der Universität Pennsylvania.

Unbestritten ist, dass attraktiven Menschen zunächst positive Eigenschaften unterstellt werden. In beruflichen Kontexten gehören Intelligenz, Fachkompetenz und ein guter Charakter dazu. Hier kommt die „selbsterfüllende Prophezeiung“ zum Tragen – das Phänomen, die Erwartung an eine andere Person durch das eigene Verhalten hervorzurufen.

Einige amerikanische Forscher ließen jeweils anonym einen Mann und eine Frau ein zehnminütiges Telefongespräch führen. Den männlichen Versuchspersonen wurde vor dem Telefonat ein Foto ihrer angeblichen Gesprächspartnerin gezeigt. Je nachdem, ob die abgebildete Person attraktiv war oder nicht, variierte das Verhalten der Männer. Nahmen sie an, mit einer gut aussehenden Frau zu sprechen, waren sie besonders freundlich, locker und persönlich. Darauf reagierten ihre Gesprächspartnerinnen wiederum mit Entgegenkommen und Humor. Sympathie und daraus resultierende Freundlichkeit haben demnach eine Wechselwirkung. Durch die unterstellten positiven Eigenschaften reagiert der Gesprächspartner so, wie erwartet. Schöne Menschen gelten als interessant – und werden genau dadurch anziehend.

Doch manchmal kann Attraktivität auch hinderlich sein. Ein schöner Mensch erzeugt den Neid derer, die im Vergleich schlechter wegkommen. Vielleicht auch deshalb ist Hilfsbereitschaft gegenüber sehr gut aussehenden Personen gering ausgeprägt. Erfüllt eine Frau das Klischee der Blondine, wird sie für dumm und naiv gehalten. Auch bei Bewerbungen um Führungspositionen schlägt attraktiven Anwärterinnen oft Misstrauen entgegen, wie die Soziologin Anke von Rennkampff in ihrer Doktorarbeit betont: „Besonders weiblich und attraktiv wirkenden Frauen wurden häufiger ins Kreuzverhör genommen als ihre weniger hübschen Geschlechtsgenossinnen.“

Trotzdem investieren immer mehr Menschen – und zunehmend auch Männer – viel Geld, um ihr wahres Alter zu verbergen. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie führt regelmäßig Patienten-Befragungen zur Inanspruchnahme von Schönheitsoperationen durch. Im DGÄPC-Verbandsmagazin 2013/2014 heißte es: „Einen deutlichen Zuwachs verzeichnet die Gruppe der 51- bis 60-Jährigen. Hier bestätigt sich der Trend der letzten Jahre, wonach sich ästhetische Behandlungen bei den sogenannten Best Agern wachsender Beliebtheit erfreuen.“ Doch das langfristige Bemühen, auch als Lebenserfahrene Person den ewigen Jugendlichen darzustellen, macht genau so krank und kaputt wie eine missglückte Schönheitsoperation.
Birgit Lutzer

Zum Weiterlesen:

  • Bolt, N.: Haare. Bergisch-Gladbach 2001.
  • Ekman, P./Kuhlmann-Krieg, S./Reiss, K.: Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Heidelberg 2010.
  • Herbst, D.: Charisma ist keine Lampe – Wie Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzte auf uns wirken und warum. Wiesbaden 2008.
  • Renz, U.: Schönheit. Eine Wissenschaft für sich. Berlin 2014.
  • Storch, M./Cantieni, B./Hüther, G./Tschacher, W.: Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Bern 2010

„Ich will kein Mitleid!“ Silvia Pahlsmeier verlor ihren Sohn bei einem Disko-Unfall

Foto: Sivia Pahlsmeier

Foto: Sivia Pahlsmeier

Im Vorbeifahren sind sie kaum zu sehen: Kreuze am Straßenrand, oft mit Blumen oder Kerzen geschmückt. Sie stehen für Menschen, die auf tragische Weise zu Tode gekommen sind. Genau so, wie der der Sohn von Silvia Pahlsmeier, der vor fünf Jahren im Alter von 17 bei einem schrecklichen Autounfall starb.

„Zusammen mit Marius  sind seine Freundin Gwan und Viktor als Fahrer des Wagens umgekommen. Deshalb haben wir Hinterbliebenen drei Kreuze an der B 61 aufgestellt.“ erläutert die 53-jährige Mutter von zwei Kindern. Im Wechsel mit Hinterbliebenen der anderen Todesopfer fahre sie alle drei Tage zur Unfallstelle nach Gütersloh, um die Kerzen am Brennen zu halten. „Sein Licht soll niemals ausgehen.“ sagt sie entschlossen. Ebenso entschlossen ist sie, andere Jugendliche von riskanten Todesfahrten abzuhalten, indem Sie über das Unfassbare berichtet: „Nach der Disko saßen sie zu sechst im Auto. Alle, auch der Fahrer, waren alkoholisiert – und niemand angeschnallt. Der Wagen kam in überhöhter Geschwindigkeit von der Straße ab und prallte gegen zwei Bäume. Die anderen drei Freunde haben schwer verletzt überlebt.“

Um den Tod ihres Sohns zu verarbeiten und andere vor dem gleichen Schicksal zu bewahren, engagiert sich die Steinhagenerin bei „Cash Kurs“, einer Initiative der Polizei NRW. Zusammen mit anderen Betroffenen und Beteiligten geht sie in Schulen, um ihre Erfahrungen zu schildern. „Ich lese auf der Bühne von einem Zettel ab und vermeide Blicke ins Publikum. Viele Jugendliche fangen bei meinem Bericht an zu weinen. Ich möchte jedoch kein Mitleid, sondern ein Umdenken bewirken.“

Auch nach mehr als fünf Jahren ist noch keine Normalität in Silvia Pahlsmeiers Leben eingekehrt, denn „der Schmerz ist immer da.“ Über eine Internetseite, die sie für den Verstorbenen eingerichtet hat, kommuniziert sie mit ihm. Auch Freunde und Familienmitglieder hinterlassen in diesem Online-Gästebuch Nachrichten und Grüße an den Jungen, der viel zu früh gehen musste. Um den Unfall nachzuvollziehen, hat Silvia Pahlsmeier versucht, die Strecke selbst mit 140 Stundenkilometern im Auto abzufahren. Sie erinnert sich: „Die Versuchung war groß, aus Trauer selbst gegen einen Baum zu steuern. Aber mein älterer Sohn Maik hat mich am Leben gehalten.“ Und der hat inzwischen mit seiner Frau selbst einen kleinen Sohn, den die beiden nach seinem Bruder benannt haben. Wenn Oma Silvia den fünf Monate alten Wonneproppen im Arm hält, kann sie wieder lachen. „Der kleine Marius bringt Licht in mein Leben. Und das ist gut so.“ sagt sie lächelnd.

Was Eltern gegen jugendlichen Leichtsinn am Steuer tun können: Tipps der Kreispolizei Gütersloh

  • Seien Sie selbst ein gutes Vorbild: Kein Alkohol am Steuer.
  • Suchen Sie auch mit widerspenstigen Jugendlichen immer wieder das Gespräch über das Thema „Verkehrssicherheit“.
  • Das begleitende Fahren (Führerschein mit 17) ist eine gute Möglichkeit, die Jugendlichen zu sensibilisieren.
  • Fährt ihr Kind mit Freunden in die Disko, treffen Sie vorher klare Absprachen und überprüfen Sie deren Einhaltung. Wie kommen die Jugendlichen zurück? Wer fährt? Für den Fahrer gilt: kein Alkohol.
  • Halten Sie Ihr Kind davon ab, sich in Fahrzeuge zu setzen, die von alkoholisierten Personen gesteuert werden.
  • Holen Sie Ihr Kind im „Fall der Fälle“ selbst ab oder deponieren Sie an einer festen Stelle im Haus Taxigeld, auf das der Jugendliche zurückgreifen kann.

Birgit Lutzer, erschienen im Westfalen-Blatt am 18.01.2014

Wissen, was auf dem Teller ist: Slow Food sichert den Erhalt biologischer Vielfalt

Hektik bei der Arbeit, privater Stress und schon wieder keine Zeit für eine Mahlzeit. So leben viele Menschen, und zwar immer. „Wir möchten ein Gegengewicht schaffen und setzen beim Essen an.“ erläuterte Martina Hasewinkel  den 20 Teilnehmern ihres Vortrags über Slow Food in Werther. 

„Speisen sollen schmecken und im Sinne der Umwelt mit ihren Lebewesen hergestellt sein. Und Produzenten, die in diesem Sinne handeln, müssen fair bezahlt werden.“ Mit diesen drei Kernaussagen brachte die Wertheranerin Martina Hasewinkel die Forderungen der gemeinnützigen Organisation „Slow Food“ auf den Punkt, die im Jahr 1989 in Italien gegründet wurde. „Ein Anstoß dazu war die Eröffnung einer Mac Donalds-Filiale im historischen Zentrum von Rom. Sie führte zu Protesten von Bürgern und dort ansässigen Gastronomen gegen Fast-Food.“

Aus einer kleinen Interessengemeinschaft ist ein internationaler Zusammenschluss geworden. Slow-Food-Aktivisten setzen sich mit Bildungsangeboten für alle Altersstufen, Messen und zahlreichen Aktivitäten für den Erhalt biologischer Vielfalt und traditioneller Herstellungsverfahren ein. „Es sterben nicht nur Tiere und Pflanzen aus, sondern auch das Wissen um das, was auf den Teller kommt und wie es hergestellt wird.“ Aus diesem Grund, so die Regionalleiterin des Conviviums (Lat. „Tafelrunde“) Bielefeld/OWL, sei es besser, auf regionale gentechnikfreie und möglichst natürlich hergestellte Erzeugnisse zurückzugreifen. „Speisen und Getränke auf Basis solcher Lebensmittel schmecken viel besser und sind gesünder.“ Davon konnten sich die Teilnehmer im Anschluss an den Vortrag selbst überzeugen.

An einer lagen „Tafel des guten Geschmacks“ servierte Martina Hasewinkel mit Unterstützung von Simone Marquard aus dem Büro des Wertheraner Umweltbeauftragten Pellkartoffeln mit zwei verschiedenen Sorten Rote-Beete-Pesto. Aber es waren nicht irgendwelche Erdäpfel, sondern die länglich geformte Kartoffel des Jahres 2013 „Rosa Tannenzapfen“ vom Biolandhof Maaß in Werther. Diese wird wegen ihrer keilartigen Form von Hand geerntet. „Auch die rote Beete habe ich von Maaß“, erklärte Hasewinkel. Das einfach hergestellte Gericht mit Zutaten aus der Region weckte Begeisterung bei den Gästen. Beim Genuss der Speise entwickelte sich eine lebhafte Diskussion um Lebensmittel, Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Slow Food-Rezept für 4 Personen

  • 1 kg Rosa Tannenzapfen
  • 500g Rote Beete
  • 50g Sonnenblumenkerne
  • 50-70g Leinöl
  • Saft von einer Zitrone
  • Salz

Rote Beete je nach Knollendicke 45-60 Minuten gar kochen. Sonnenblumenkerne in der Pfanne bei mittlerer Hitze anrösten, bis ein nussiger Geruch aufsteigt. Weiche Rote Beete schälen,  in Stücke schneiden und mit den Sonnenblumenkernen, Leinöl sowie Zitronensaft vermischen. Mit dem Pürierstab oder Mixer fein pürieren und mit Salz abschmecken. Wer Quark mag, nimmt etwas weniger Öl und ergänzt mit Quark. Kartoffeln waschen und in leicht gesalzenem Wasser zum Kochen bringen. Kochzeit dieser Sorte beträgt ca. 15-20 Minuten.

Birgit Lutzer, erschienen am 20.12.2013 im

„Tritt forsch auf, mach’s Maul auf, hör bald auf!“ Redetipps von Martin Luther

„Lassen Sie mich noch ein Stück ausholen, um Ihnen die gesamte Tragweite der Fragestellung zu vermitteln. Später komme ich dann zu …“ Die ersten Leute im Publikum sind schon eingeschlafen, doch der Redner schwallt ungerührt weiter. Dabei wusste schon Martin Luther, wie es besser geht.

Als der Theologieprofessor und Reformator die Empfehlung „Tritt forsch auf, mach’s Maul auf, hör bald auf!“ aussprach, dachte er wohl an Predigten, unter denen er selbst als Zuhörer gelitten hatte. Sein Zitat lässt sich auf fast alle Arten von Reden, Vorträgen und Präsentationen anwenden.

Tritt forsch auf! Beim Überzeugungsvorgang spielt der übermittelte Inhalt eine wesentlich geringere Rolle als die Art und Weise der Darbietung. Als erstes nehmen die Anwesenden das äußere Erscheinungsbild des Redners oder Präsentierenden wahr. Weicht er oder sie darin sehr stark vom Publikum ab, besteht die Gefahr, dass auf diese Weise Sympathiepunkte verloren gehen. Beispiel: Er oder sie ist entweder weitaus legerer („Was will der Vogel mit der Gammeljeans uns hier erzählen?“) oder eleganter („Aalglatter Managertyp!“) als das Publikum gekleidet. Die Kleidung muss dem Anlass und der Position des Vortragenden angemessen sein. Von einem Ausbilder, der vor Jugendlichen spricht, erwartet niemand, dass er sich wie seine jungen Zuhörer kleidet. Im Gegenteil: Der krampfhafte und nicht zur Person passende Versuch, sich an vermeintliche Erwartungen anzupassen, wirkt oft lächerlich. Viel wichtiger ist es, Souveränität durch Auftreten und Körpersprache zu signalisieren. Dazu gehört auch, langsam nach vorne zu gehen und die Unterlagen ruhig auf das Pult zu legen. Hektische Betriebsamkeit vermittelt den Eindruck von Nervosität. Sehr gut sind eine gerade Körperhaltung und Blickkontakt zum Publikum.

Mach’s Maul auf! Wer unsicher ist, was die Wirkung seiner Stimme anbetrifft, sollte seine Rede oder Präsentation unbedingt vorher einer vertrauten Person halten und sich ein ehrliches Feedback geben lassen. Noch lehrreicher kann es sein, sich selbst aufzunehmen – entweder mit einem Diktiergerät oder besser noch mit einer Videokamera. So ist es möglich, die eigene Wirkung wie durch die Augen eines anderen wahrzunehmen. Ein paar Tipps: Der Mund sollte weit geöffnet sein, damit der Ton klar heraus kommt. Tiefe Bauchatmung sorgt für einen entspannten Puls und eine tragende Stimme. Damit das Publikum den Vortrag nachvollziehen kann, ist nach jedem Satz eine kurze und nach jedem abgeschlossenen Thema eine längere Denkpause sinnvoll. Freies Sprechen wirkt wesentlich lebendiger als ein abgelesener Vortrag, der die Zuhörer auf jeden Fall einschläfert. Wer eine Gedächtnisstütze benötigt, kann  Karteikarten als Gedächtnisstütze benutzen. Muss jemand oft vor anderen sprechen, lohnt sich für ihn die Investition in ein Redetraining.

Hör bald auf! Fast jeder Redner wünscht sich, dass die Zuhörer begierig an seinen Lippen hängen und jedem einzelnen Wort andächtig lauschen. Die Realität ist oft anders: Es tritt nach kurzer Zeit Langeweile auf und die Menschen blicken vorsichtig auf die Uhr. Es ist besser, mit wenigen Worten viel zu sagen, statt weit auszuholen. Mehr als zehn Minuten am Stück kann kein Mensch mit voller Konzentration zuhören. Nach Ablauf dieser Zeit lockert eine Frage ans Publikum, das Zeigen eines Bildes oder das Herumgeben eines zum Thema passenden Gegenstands die Darbietung auf. Je mehr das Publikum einbezogen wird, desto besser bleiben die vermittelten Inhalte haften. Mancher Sprecher täte gut daran, seinen Blick öfter einmal vom Redemanuskript zu lösen und die Zuhörer wahrzunehmen. Bei Zeichen großer Langeweile sollte der Vortrag abgekürzt werden, auch wenn die eigene Eitelkeit dadurch einen empfindlichen Dämpfer bekommt. (Birgit Lutzer)

Falsche Schlange oder ehrliche Haut? Glaubwürdigkeit im Beruf

„Das Wohl älterer Mitarbeiter liegt uns am Herzen.“ verkündet Abteilungsleiter Andreas F. auf der Betriebsversammlung. Einige Belegschaftsmitglieder runzeln die Stirn, während andere sich kopfschüttelnd mit verschränkten Armen zurücklehnen. Denn der Manager hat gerade einen langjährigen Mitarbeiter vor die Tür gesetzt.

Im Beruf gibt es immer wieder Situationen, in denen es um persönliche Glaub- und Vertrauenswürdigkeit geht. Wer seinen Kollegen oder Mitarbeitern eine „bittere Pille“ verabreichen muss, sollte, sofern er Bedauern zeigt, überzeugend wirken. Auch dann, wenn es darum geht, den Vorgesetzten für eine saftige Gehaltserhöhung zu gewinnen, ist Überzeugungskraft gefragt. Mehr Geld gibt es nur dann, wenn die Darstellung der eigenen Kompetenzen glaubwürdig für das Gegenüber ist. Doch warum wirken manche Menschen wie „falsche Schlangen“ oder windige Gesellen, während andere eine vertrauenerweckende Ausstrahlung haben?

Glaub- und Vertrauenswürdigkeit sind keine feststehenden Eigenschaften, sondern sie werden einer Person von anderen zugeschrieben. Sozialpsychologen stellten fest, dass die Überzeugungskraft einer Aussage vom Sprecher, seinen Eigenschaften und seinen Verhaltensweisen abhängt. Je nachdem, welche Hintergrundinformationen Versuchspersonen vorher über einen Kommunikator erhielten, glaubten sie seinen Worten oder nicht. Aus den Ergebnissen der Experimente lassen sich Faktoren ableiten, die die Glaubwürdigkeit von Menschen beeinflussen.

Zunächst müssen Worte und Taten übereinstimmen. Wer etwas anderes predigt als das, was er selbst lebt, wirkt heuchlerisch und unglaubwürdig. Außerdem ist es wichtig, seiner eigenen Linie mit schlüssigen, stimmigen Äußerungen treu zu bleiben. Eine Meinungsänderung in einem wichtigen Punkt sollte begründet werden. Sonst droht der Verdacht, kein Rückgrat zu haben und ein Mensch zu sein, der sein Fähnchen nach dem Winde hängt.

In ähnliche Richtung geht die Empfehlung, auf die Übereinstimmung der nonverbalen Signale mit den verbalen Äußerungen zu achten. Drücken Gestik, Mimik und Körperhaltung etwas anderes aus als das, was der Sprecher inhaltlich übermittelt, tritt bei den Zuhörern ein Störgefühl auf. Ein Negativbeispiel ist die Firmenchefin, die mit Pokerface große Anteilnahme an einer ernsthaften Erkrankung ihres Assistenten bekundet. Sie wirkt verlogen. Überdies führt Ehrlichkeit oft weiter als der Versuch, Fehler zu vertuschen. Ein offensiver Umgang mit eigenen Patzern und das Bemühen um Wiedergutmachung wirken sympathischer und Vertrauen erweckender als Herumdruckse und faule Ausreden.

Zur Glaubwürdigkeit gehört auch die Authentizität: Das, was eine Person ausmacht, sollte in ihre Auftritte, Gespräche oder Präsentationen einfließen. Der beste Rhetorikkurs nützt nichts, wenn jemand krampfhaft versucht, etwas anderes darzustellen als das, was er ist. Kleine Ecken und Kanten wecken mehr Vertrauen als eine aalglatte Selbstdarstellung, die darum bemüht ist, es allen recht zu machen. Die wichtigste Grundlage ist aber, dass der Wunsch nach Glaubwürdigkeit von einer passenden, werteorientierten inneren Einstellung getragen wird.

Verplappert – was nun???

Ist Ihnen auch schon mal bei der Arbeit im Gespräch etwas „herausgerutscht“? Da Sie Ihre Worte nicht zurücknehmen können, müssen Sie sich etwas anderes einfallen lassen. Welche Reaktion die beste ist, hängt von Ihnen selbst und von Ihrem Gegenüber ab. Einige Varianten:

 

Sie beteuern, das Gesagte nicht so gemeint zu haben.  Wenn Sie dem anderen erläutern, was Sie nicht gemeint haben, wird Ihre Aussage trotzdem genau so ankommen. Beispiel: Ein Mann hat seine Kollegin mit einem spontanen Kommentar zu ihrem neuen Outfit verletzt. „Ich wollte damit nicht sagen, dass dein Kleid hässlich ist!“ ruft er. Das „nicht“ wird von der Kollegin kaum wahrgenommen. Was bei ihr ankommt: „Er findet mein Kleid (oder mich) hässlich!“ Um Missverständnisse zu vermeiden, drücken Sie besser positiv nur das aus, was Sie sagen wollen – wie etwa „Die Farbe deines Kleides ist ungewohnt – mal was ganz anderes!“ Ob diese Umformulierung glaubwürdig ist und ob Sie sie ehrlich meinen, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Sie stehen zu Ihrer Äußerung. Das, was wir spontan sagen, entspricht meistens der Wahrheit und ist authentisch. Auch wenn ihr Kommentar vielleicht unangenehm für den anderen ist, kann er die Kraft eines reinigenden Gewitters haben. Zu einer unbedachten Äußerung ehrlich zu stehen, erfordert Souveränität und die Bereitschaft, negative Konsequenzen zu tragen.

Sie übergehen Ihren Patzer. Manchmal ist es einfacher, wieder zur Tagesordnung überzugehen statt der Äußerung durch eine Diskussion noch mehr Gewicht zu geben. Möglicherweise ist sie beim anderen auch gar nicht so angekommen, wie Sie befürchten. Eine Rest-Unsicherheit bleibt allerdings, denn der andere überspielt vielleicht seine eigene Verletztheit. In diesem Fall kann ihre Äußerung zu einer Verschlechterung ihrer Beziehung führen, auch wenn Sie beide in unausgesprochener Übereinstimmung so tun, als sei alles in Ordnung.

Sie entschuldigen sich. Wie ihr Gegenüber damit umgeht, entscheidet allerdings er. Manche Menschen freuen sich über eine Entschuldigung und nehmen sie an. Danach ist der Vorfall aus der Welt geschafft. Bei anderen laufen sie vor eine Mauer. Diese Personen werden Ihnen Ihre Äußerung niemals verzeihen, und wenn Sie sich vor ihnen auf dem Boden werfen und Händeringend um Verzeihung bitten. Sei’ s drum. Sie haben Ihrerseits alles versucht, um die Sache in Ordnung zu bringen.

Sind Sie privat unterwegs, ist besonders dann Vorsicht angesagt, wenn Sie etwa in feuchtfröhlicher Stimmung auf Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiter oder Geschäftspartner treffen. Ungeschickte Äußerungen, die von nahe stehenden Personen vielleicht noch verziehen werden, nehmen Gegner gerne auf und verwandeln sie in rhetorische Geschosse. Das tun sie auch dann, wenn Sie selbst auf der Party ein paar Bierchen mehr getrunken haben.

Vertraulichkeit am Arbeitsplatz

Die Kollegen Gaby P. und Klaus F. sitzen in der Firmenkantine. Sie arbeiten in einer Abteilung und gehen oft zusammen Essen. Plötzlich schlägt der Mann einen vertraulichen Ton an. „Mit meiner Frau läuft es nicht so gut.“ sagt er bedeutungsvoll und beugt sich näher zu seiner Begleiterin. Was nun?

Erzählt Ihnen jemand, zu Sie eine geschäftliche Verbindung hat, plötzlich in langatmiger Weise private Probleme oder Details aus seiner Lebensgeschichte, ist eine diplomatische Vorgehensweise gefragt. Gerade bei prekären oder gefühlsmäßig aufwühlenden Gesprächsthemen kommt es auf eine angemessene Reaktion an. Berichtet Ihnen jemand sichtlich bewegt von einem schweren Schicksalsschlag, können Sie ihn nicht nach zwei Sätzen abwimmeln. Dies würde der andere als harsche und verletzende Zurückweisung empfinden. Ein solcher Vorfall wirkt sich oft nicht nur auf der persönlichen Ebene negativ aus, sondern auch auf Ihre Geschäftsbeziehung.

Signalisieren Sie hingegen, dass Sie zu jeder Zeit ein offenes Ohr und Herz für seine Privatangelegenheiten haben, riskieren Sie zwei unangenehme Folgen: Er/Sie könnte Ihr Zuhören als Zuwendung privater Natur interpretieren und darauf entsprechend reagieren. Außerdem besteht die Gefahr, dass es bei weiteren Gesprächen oder Telefonaten immer schwieriger wird, eine Grenze zu ziehen. Intensive Anteilnahme an privaten Dingen kann auch als weitergehendes, persönliches Interesse ausgelegt werden.

Zeigen Sie Ihren Gesprächspartner Verständnis und Wertschätzung, ohne ihn durch weitere Fragen und zustimmende Signale (z. B. „Hmm“, Ja? Ach? …) zum Weitersprechen zu animieren – wie in diesem Beispiel:

Kunde: „… Und dann hat sie ihre Koffer gepackt und mich einfach sitzen
gelassen.“

 Sie:    „Ach, sie hat einfach ihre Koffer gepackt?“

 Kunde: „Ja, stellen Sie sich vor – ich bin ganz fassungslos. Und dann hat sie …“

Möchten Sie trotz ehrlicher (!) Anteilnahme die private Ebene wieder verlassen, ist folgender Weg geschickter:

Kundin: „… Und jetzt will unsere Tochter nichts mehr mit uns zu tun
haben. Sie am Wochenende bei uns ausgezogen und hat nicht mal
eine Adresse hinterlassen.“

 Sie:    „Sie sind sehr offen zu mir, und für dieses Vertrauen danke ich Ihnen.
Ich habe auch eine Tochter in dem Alter und kann mir deshalb
vorstellen, welchen Kummer Ihnen der Schritt Ihrer Tochter macht.
Gerade weil Sie im Augenblick diese Sorgen haben, möchte ich
wenigstens Ihre Servicewünsche besonders schnell und gut erfüllen.

Sie gehen ein bisschen auf das Thema ein, indem Sie Verständnis zeigen und eine eigene Erfahrung ergänzen. Anschließend leiten Sie behutsam zum eigentlichen Anlass der Zusammenkunft oder des Telefonats über. Es geht also um den „goldenen“ Mittelweg und vor allen Dingen um Flexibilität.

Wenn Sie selbst das Bedürfnis haben, sich am Arbeitsplatz über persönliche Angelegenheiten auszutauschen, überlegen Sie: Würden Sie Ihrem Gegenüber das pikante Detail auch dann erzählen, wenn ihr Verhältnis nicht so gut wäre?

Haben Sie jemand aus einer Stimmung heraus etwas anvertraut, was Sie später bereuen, sollten Sie das Problem aktiv angehen, statt hoffnungsvoll abzuwarten. Suchen Sie noch einmal ein Vieraugengespräch mit dem/der Betreffenden und bitten Sie um vertraulichen Umgang mit der Information. Mehr können Sie nicht tun. War es ein sehr brisanter Inhalt, können Sie auch gedankliche Szenarien entwickeln, was im schlimmsten Fall passieren könnte, wenn die Nachricht die Runde in der Firma oder Ihrer Branche macht.

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