Monthly Archives: August 2014

Arbeitgeber unter der Lupe: Regionalität als Wettbewerbsvorteil

OWL. „Nehme jede passende Stelle – egal, wo!“ Vor einigen Jahren war dieses Motto weit verbreitet unter Arbeitsuchenden. Heute zeigen Studien einen anderen Trend: Bei vielen Jobs findet die Suche um den Schornstein herum statt. Auch Arbeitgeber strecken ihre Fühler nur manchmal bundesweit oder international aus.

Viele Stelleninteressenten würden einen Arbeitsplatz in ihrer Wohnregion vorziehen. Anfang August 2014 veröffentlichte die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld die Ergebnisse einer Online-Befragung von Hochschulstudierenden Diese mussten Auskunft darüber geben, worauf sie bei der Stellensuche und ihrem zukünftigen Arbeitgeber Wert legten. Rund 40 Prozent der aus OWL stammenden Probanden gab an, in der Region bleiben zu wollen. Dies kann auch mit der geplanten oder aktuellen Lebenssituation zusammenhängen. Über die Hälfte der Probanden gab an, Wert auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu legen.

Passend dazu, besagt die Pendlerstudie der wissenschaftlichen Institution „Information und Technik Nordrhein-Westfalen, IT.NRW:, dass Personen mit Familie sich bei der Stellensuche überwiegend regional orientieren. Die Forscher ermittelten einen konkreten Wert für Frauen: „Mütter mit Kindern pendeln seltener. Auch sind die Pendelwege kürzer, je mehr Kinder im Haushalt leben.“ Dies wird erklärt mit dem Zeitaufwand für die Betreuung des Nachwuchses, der in Konflikt mit langen Dienstfahrten stehe: „Während 69,0 Prozent der Frauen mit drei und mehr Kindern Nahpendlerinnen mit einem Arbeitsweg von bis zu 10 Kilometern sind, sind es bei Frauen ohne Kinder 56,9 Prozent“ (Statistik kompakt 03/14, S. 2).

BertelsmannWie sieht es auf der Seite der Arbeitgeber aus? Der W. Bertelsmann Verlag beispielsweise sucht nach Auskunft von Geschäftsführer W. Arndt Bertelsmann (Foto) „immer regional und überregional.“ Die meisten Medien und Stellenbörsen böten Stellen überregional an, was gerade bei der Suche nach speziell qualifizierten Fachkräften wichtig sei. Es wäre sehr wünschenswert, so der Verlagsleiter, dass die Mitarbeitenden entweder im näheren Umfeld des Unternehmens wohnten oder dorthin zögen. „Denn ein Pendeln über längere Strecken oder einen längeren Zeitraum ist für beide Seiten belastend.“

FleischerJe anspruchsvoller oder spezieller die ausgeschriebene Stelle, desto größer ist bei den meisten Firmen der Such-Radius. Dies bestätigt auch Baxter-Personalleiter Jürgen Fleischer (Foto). „Als ein Unternehmen der Hochtechnologie sind wir bei der Gewinnung von Hochschulabsolventen grundsätzlich überregional unterwegs. Die Einrichtungen vor Ort bieten nur eingeschränkt die Abschlüsse, die wir benötigen.“ Außerdem nennt er einen Aspekt, der auch durch statistische Daten gestützt wird: „Mitarbeiter, die über den überregionalen Arbeitsmarkt gewonnen wurden, sind mobiler.“

Gleiches besagt auch die Pendlerstudie: Je höher dotiert eine Stelle, desto mehr ist ihr Inhaber bereit, längere Wege in Kauf zu nehmen. „Der Zeit- und Ressourcenaufwand, der mit den langen Arbeitswegen verbunden ist, lohnt sich nicht für alle Erwerbstätigen gleichermaßen, weil ein tägliches Pendeln über weite Strecken mit hohen Kosten verbunden ist.“ (Statistik kompakt 03/14, S. 1).

PfoertnerNeben Kostenaspekten spielt bei einigen Berufen die regionale Verwurzelung der Stelleninhaber eine Rolle. Albrecht Pförtner (links) von der Pro Wirtschaft GT GmbH: „Ein Arbeitnehmer aus der Region weiß besser als ein Fremder, wie die Menschen ticken. Er kann sich schnell in informelle Netzwerke einfinden und kennt die Strukturen.“ Als Beispiel nennt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft eine typische Mentalität der Ostwestfalen, mit der ein redseliger Rheinländer wohl zunächst Schwierigkeiten hätte: „Hier werden oft keine große Worte gemacht, sondern es wird zugepackt – ran an die Buletten!“

Ähnlich drückt sich Regine Felsmann-Kraak, Geschäftsführerin der Bielefelder Gebäudereinigung Felsmann aus. Sie suche ausschließlich Personen aus der Region, und zwar über Anzeigen in der „Neuen Westfälischen“ und durch Mund-zu-Mund-Propaganda. „Wenn wir Bedarf an neuen Mitarbeitern haben, frage ich zunächst vorhandene Belegschaftsmitglieder, ob sie jemand kennen.“ Denn, so die Firmenchefin, Gebäudereinigung und -management sei eine Tätigkeit, die auf Vertrauen basiere. „Kommen die Leute hier aus der Nähe, kann ich sie sofort persönlich kennen lernen und mir ein Bild machen. Der persönliche Eindruck zählt mehr, als eine Hochglanz-Bewerbung.“ Die regionale Ausrichtung beim Finden geeigneter Mitarbeiter habe auch noch einen weiteren, ganz einfachen Grund: „Viele unserer Leute sind beim Erreichen ihres Arbeitsplatzes auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Deshalb sind Bielefeld und seine nähere Umgebung unser Einzugsgebiet.“ (Birgit Lutzer)

Golf im Büro oder Azubi-Firmenwagen? Gefragt als attraktiver Arbeitgeber

(Steinhagen/Westf.) „Viele Firmen möchten ein gefragter Arbeitgeber sein, wissen aber nicht, wie sie das erreichen.“ so Managementtrainer Dirk Schramm. Auch als betrieblicher Gesundheitsberater kennt er wichtige Bewerber-Abschreckungsfaktoren und Wege zum glaubwürdigen Employer-Branding.

„Im IT-Bereich ist das Finden neuer Mitarbeiter so aufwändig und schwierig wie die Neukundenakquisition.“ erläutert Schramm und fügt hinzu, was auch für andere Branchen gilt: „Zunächst müssen die Verantwortlichen gedanklich in die Köpfe potenzieller Mitarbeiter schlüpfen. Es geht darum, herausfinden, was mögliche Hinderungsgründe für Bewerbungen sein könnten.“ Auch die Zahl der Ausbildungsabbrüche sei alarmierend. „In OWL bricht jeder fünfte Azubi seine Lehre ab. Die Frage ist die gleiche: Warum?“ Schramm betont, Konflikte mit Vorgesetzten oder das allgemeine Arbeits- und Kommunikationsklima seien nur zwei Gründe von vielen.

Ein Unternehmen, das seinen Sitz aus Kostengründen in ein ländliches Gebiet verlege, müsse sich Gedanken über seine Erreichbarkeit für die Mitarbeiter machen. „Nicht jeder mag das beschauliche Landleben. Ein Großstadtliebhaber wird sich niemals dort bewerben, egal, wie verlockend die sonstigen Bedingungen sein mögen.“ Weitere Abschreckungsfaktoren seien Schichtdienst, starr geregelte Arbeitszeiten und unattraktive Löhne. Manche Firmen sind auch aufgrund unsauberer Arbeitsplätze unattraktiv und müssen schon eine Menge bieten, damit sie die Mitarbeiter an das Unternehmen binden.

Zeitungsinserate allein, so der Personal-Experte, brächten bei der Nachwuchs- und Fachkräftesuche oft nicht mehr den gewünschten Erfolg. Employer Branding bedeute, dass sich Unternehmen als glaubwürdige und attraktive Arbeitgebermarke präsentiere: „Bevor sich jemand bewirbt, recherchiert er. Er versucht, Kontakt zu bereits Beschäftigten aufzunehmen. Was die sagen, zählt mehr als der Inhalt einer Hochglanz-Imagebroschüre.“

Die Arbeitgeber-Studie 2014 des Focus-Magazins in Kooperation mit dem Online-Businessnetzwerk XING und der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu.de zeigt, dass die oberen Beliebtheits-Plätze von Autoherstellern wie BMW, Audi und Volkswagen besetzt sind. Dies entspricht den Ergebnissen anderer Erhebungen. Doch warum sind diese Konzerne nach Ansicht der befragten Arbeitnehmer so attraktiv? Schramm: „Natürlich können Großunternehmen mit entsprechenden Budgets mehr in Bewegung setzen, als ein kleiner Handwerksbetrieb. Doch es „muss nicht immer die teuerste Lösung sein, die motivierte und engagierte Mitarbeiter ins Haus bringt.“

Als Beispiel nennt Schramm eine Autolackiererei, die Azubis mit einem Notendurchschnitt von mindestens 1,5 ein Jahr lang kostenlos einen Kleinwagen zur Verfügung stellt – mögliche Lackierarbeiten inklusive. Den Nachwuchskräften seien überdies ein positives Arbeitsklima, die Werte des Arbeitgebers, interessante erfüllende Aufgaben sowie Weiterbildungs-, Förder- und Aufstiegsmöglichkeiten wichtig. Ebenfalls eine Rolle spielten die ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit sowie die Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens – und natürlich eine wertschätzende Führung.

Andere Ideen liefert dem Gesundheits-Coach zufolge das betriebliche Gesundheitsmanagement. „Gutes, bezahlbares Essen in der Kantine, individuell gestaltete Arbeitsplätze und gemeinsame Sportangebote fördern die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Firma sowie den Zusammenhalt untereinander.“ Doch auch Unkonventionelles könne ziehen – wie etwa das regelmäßige Bürogolf-Spiel in den eigenen Räumlichkeiten. Bei diesem Indoor-Funsport muss der Ball wie beim „richtigen“ Golf mit möglichst wenigen Schlägen in die Löcher gebracht werden. Wer die Wand oder einen Schrank trifft, kassiert einen Strafpunkt. Dirk Schramm: „Die Beispiele zeigen, dass auch kleine Betriebe ihren Ruf als interessanter Arbeitgeber mit überschaubaren Aktionen verbessern können.“ Mit einem Lächeln fügt er hinzu: „Es ist Fantasie gefragt. Fehlt eine sinnvolle Strategie, durch kleine Änderungen groß herauszukommen, steht das Team des Instituts Schramm gerne mit Rat und Tat zur Seite.“ (Birgit Lutzer)
Über Dirk Schramm

Dirk-Schramm

  • psychologischer Managementtrainer (Paracelsus-Zertifikat)
  • staatl. geprüfter Betriebswirt Bereich: Wirtschaft (b.i.b.)
  • BurnOut-Syndrom und Antistress-Berater (Paracelsus-Zertifikat)
  • psychotherapeutische Ausbildung (Amara Schulen)
  • Berater für betriebliches Gesundheitsmanagement (Academy of Sports)

 

Themenschwerpunkte: psychologische Beratung (Burnout-Syndrom und Stressbewältigung),Managementtraining – Schulung von Führungskräften aller Hierarchiestufen und Branchen, Gesundheitsmanagement und -förderung in Betrieben (integrativ), Führen von Teams, Teamtraining mit erlebnisorientierten Prozessen,Seminare für Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen,Vertrieb und Neuromarketing,Events und Firmenveranstaltungen.

Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser: Viel Spielraum für Hanning & Kahl-Mitarbeiter

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Eelco Hoedemaker, Wolfgang Helas, Silke Ritter.

Oerlinghausen. „Für uns zählt die Erledigung einer Aufgabe und nicht die Stunden, die ein Mitarbeiter am Arbeitsplatz verbringt.“ so Silke Ritter, Personalleiterin bei Hanning & Kahl. Die Vertrauensarbeitszeit ist eine von vielen Maßnahmen, die die Firma als besonderen Arbeitgeber auszeichnen.

In Oerlinghausen sind rund 360 Mitarbeiter beschäftigt, davon viele Spezialkräfte. Auch international ist das Unternehmen aktiv. Die Selbstverantwortung des Einzelnen wird bei dem Hersteller von Brems-, Weichen- und Signalsystemen für Bahnen und Bremsen für Windenergieanlagen groß geschrieben. „Es wird abgesprochen, wann ein bestimmtes Projekt oder eine Arbeit abgeschlossen sein muss. Ist derjenige fertig, kann er nach Hause gehen oder später kommen. Andererseits erwarten wir auch, dass die Leute im Bedarfsfall so lange bleiben, bis sie ihr Soll erfüllt haben.“ fügt Ritter hinzu. Auf Schichtarbeiter kann dieses Modell aus steuerrechtlichen Gründen nicht angewendet werden, doch nach Auskunft der Personalchefin „ insgesamt auf sechzig Prozent der Belegschaftsmitglieder.“

Bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde das Vorschlags- und Innovationswesen bei Hanning & Kahl, das nach Auskunft von Geschäftsführer Wolfgang Helas zu „fünf Vorschlägen pro Mitarbeiter pro Jahr“ führe. Scherzhaft habe er diese Einrichtung schon als „Lizenz zum Spinnen“ bezeichnet, sagt er lächelnd. Habe jemand eine Idee, könne er diese online an einen dafür „Berechtigten“ seiner Wahl schicken. Halte dieser den Vorschlag für interessant, würden im Unternehmen Ressourcen zur Umsetzung bereitgestellt. Sei die Idee verwirklicht, müsse der „Erfinder“ seinen Vorschlag selbst bewerten in Hinsicht auf Kreativität, Anwendbarkeit und Wirtschaftlichkeit. „Er bekommt Punkte dafür – und ab einer gewissen Höhe eine Prämie.“ berichtet der stellvertretende Geschäftsführer Eelco Hoedemaker, der bis vor kurzem leitender Innovationsmanager war.

Andreas Müller hat eine gute Idee eingebracht, die in Form einer neuen Apparatur umgesetzt wurde.

Andreas Müller hat eine gute Idee eingebracht, die in Form einer neuen Apparatur umgesetzt wurde.

Andreas Müller gehört zu den findigen Köpfen, die durch einen eigenen Vorschlag für nachhaltige Verbesserungen im Unternehmen gesorgt haben. Der Qualitätssicherheitsbeauftragte erzählt: „Wir mussten von zwei Seiten Buchsen mit dem Hammer in ein Metallteil schlagen. Die Prozedur war störanfällig, barg ein Verletzungsrisiko und nahm bei gutem Verlauf vier Minuten in Anspruch.“

Mit Hilfe einer Technologie, die eigentlich beim Bremssystem für Windkraftanlagen eingesetzt wurde, habe er eine Lösung gefunden. „Ich entwarf mit Zeichnungen einen Apparat, der die Buchsen automatisch in die Öffnungen hineingepresst.“ Diese Idee wurde verwirklicht und rentierte sich sofort, wie Müller betont: „Es dauert nur noch eine Minute und 43 Sekunden, bis die Buchsen an ihrem Platz sind.“ Ihm gefällt dieser Teil des betrieblichen Vorschlagswesens. „Ich bin sehr motiviert, mir noch mehr einfallen zu lassen.“ Er fügt hinzu, abgesehen von Ruhm und Ehre seien auch die Prämien ein Ansporn für alle Belegschaftsmitglieder, ihre Ideen einzubringen.

Zu den Besonderheiten bei Hanning & Kahl gehört auch ein „Mann für fast alle Fälle“, sicher einer der beliebtesten Mitarbeiter. Rudolf Koch: „Ich erledige lästige und zeitaufwendige Tätigkeiten für jeden im Hause, der Bedarf hat.“ Dazu gehöre das Ordern von Blumensträußen und Pralinen für vergessene Hochzeitstage ebenso wie Gänge zum Amt und das Abholen von Kindern, wenn die Eltern noch länger arbeiten müssten. „Ich habe auch mal für jemand riesige Kleiderschrank-Pakete von IKEA bis zu ihm nach Hause transportiert.“ erinnert er sich an eine körperlich besonders anspruchsvolle Aufgabe.

Rudolf Koch (links) ist der Mann für (fast) alle Fälle bei Hanning & Kahl. Auch Firmenchef Wolfgang Helas lässt sich von ihm unterstützen.

Rudolf Koch (links) ist der Mann für (fast) alle Fälle bei Hanning & Kahl. Selbst Firmenchef Wolfgang Helas lässt sich von ihm unterstützen.

Geschäftsführer Wolfgang Helas erläutert: „Der Mitarbeiter-Service hat sich für uns schon vielfach ausgezahlt. Bei uns kommt niemand mehr zu spät, weil er noch zum Amt oder zur Apotheke gehen musste.“ Auch rein rechnerisch lasse sich die Investition in diesen Sonder-Arbeitsplatz als lohnend nachweisen: „Ich muss einfach nur die Zeit, in denen er für andere aktiv ist, als deren Fehlstunden umrechnen.“ Auch er selbst greift schon mal auf die Dienste von Rudolf Koch zurück. „Er hat mir gerade erst neue Nummernschilder für ein Auto besorgt.“ verrät der Firmenchef. Ob er die Zeit, die er für den Besuch beim Straßenverkehrsamt gespart hat, nun für eine kleine Ausflugsfahrt nutzen wird, verrät er nicht. (Birgit Lutzer)

„Ich kriege den Job!“ Positiv ins Vorstellungsgespräch gehen

Wer unsicher und voller Selbstzweifel zu einem Vorstellungsgespräch geht, strahlt diese innere Einstellung trotz aller Verbalrhetorik aus. „Um sich selbst in eine optimistische Erwartungshaltung zu versetzen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.“ so Businesscoach Edda Möllers aus Münster. Einige davon stellt sie in diesem Fachbeitrag vor. „Ein Weg, sich selbst in eine zuversichtliche Stimmung zu versetzen, besteht in der schriftlichen Vorbereitung. Nehmen Sie Zettel und Stift zur Hand oder öffnen Sie wahlweise eine leere Datei am PC.“ Dann halten Sie folgende Inhalte fest:

1. Ihre positiven Fähigkeiten, Kompetenzen und Eigenschaften

Nehmen Sie sich für das Erstellen einer Liste mit dem, was Sie als Person positiv auszeichnet, viel Zeit. Fragen Sie ruhig auch Ihre Familie, Freunde und andere Vertraute aus Ihrem Umfeld nach deren Wahrnehmung. Fallen Ihnen neue Punkte ein, ergänzen Sie sie einfach später. Eine solche Stärken-Sammlung bietet Ihnen Sicherheit und stellt eine Schatzkiste für Sie persönlich dar. In Anschluss daran wählen Sie die Aspekte aus, die für Ihre Gesprächspartner von Interessen sein können – nämlich genau die Kompetenzen, die für die anvisierte Stelle gefragt sind.

2. Wünsche und Zukunftsvisionen

Als zweiten Schritt beschreiben Sie Ihre Zukunft, bezogen auf den neuen Arbeitsplatz. Stellen Sie sich diesen bildlich vor, und zwar möglichst genau. Wie wird der Tag beginnen? Welchen Weg nehmen Sie? In welchem Gebäude bzw. Raum werden Sie arbeiten? Haben Sie ein Büro für sich oder sitzen Sie zusammen mit netten Kollegen? Wie wird sich Ihre Arbeit gestalten? Womit möchten Sie sich inhaltlich beschäftigen? Wie wird Ihre Entwicklung in dem Unternehmen sein? Je intensiver Sie Ihre Vorstellungen und Wünsche definieren, desto konkreter werden Ihre Antworten im Vorstellungsgespräch ausfallen.

3. Warum gerade Sie für diese Stelle geeignet sind

Nun schreiben Sie auf, was Sie zuversichtlich macht, dass Sie die gewünschte Stelle bekommen. Welche Gründe sprechen für Sie? Warum sind gerade Sie für die zu besetzende Position geeignet?

Mit diesen drei Schritten haben Sie Ihre Ressourcen zusammengefasst, Ihre Zukunftsvorstellungen konkretisiert und Ihre Zuversicht erhöht, dass Sie Ihre gewünschte Stelle erhalten. Jetzt geht es an die inhaltliche Vorbereitung. Vorstellungsgespräche beginnen häufig mit der Aufforderung: „Stellen Sie sich bitte einmal vor.“ In einer Stichwortliste können im Vorfeld die wichtigsten Aspekte zusammengestellt werden. Darüber hinaus kann die flüssige Selbstpräsentation mit einer anderen Person z.B. aus der Familie geübt werden. Das gibt Ihnen Sicherheit für die Startphase des Gesprächs.

Zur inhaltlichen Planung gehört es natürlich auch, die Standard-Fragen, die üblicherweise in Vorstellungsgesprächen gestellt werden, spontan und positiv zu beantworten. Häufig wollen Personalverantwortliche Dinge wissen wie z. B. „Was interessiert Sie gerade an dieser Stelle?“ Dafür ist es wichtig, die Inhalte der Stellenausschreibung genau zu kennen und sich ggfs. mit den eigenen Stärken genau darauf zu beziehen. Zudem wirkt es kompetent, wenn Sie wichtige Details und Fakten über das Unternehmen kennen. Die Firmenwebsite ist oft eine umfangreiche Quelle.

Auf ähnliche Weise lassen sich auch die weiteren Standard-Fragen (etwa nach dem bisherigen Arbeitgeber, den Gehaltsvorstellungen, den eigenen Schwächen und vieles mehr) vorbereiten. Nachdem dies erledigt ist, gibt es noch einen weiteren wichtigen Aspekt, der Ihr Interesse an der zukünftigen Firma verdeutlicht. Sie dürfen üblicherweise am Ende eigene Fragen stellen. Somit können Sie im Vorfeld notieren, welche Informationen über die neue Stelle Ihnen wichtig sind. Sollten sich diese im Laufe des Vorstellungsgesprächs noch nicht beantwortet haben, ist dieser Zeitpunkt ideal, um Ihr eigenes Bild von der neuen Stelle zu konkretisieren.

Die Auswahl der Kleidung beeinflusst die Ausstrahlung. Je wohler Sie sich darin fühlen, desto sicherer wirken Sie. Dabei gilt es, das Outfit für die jeweilige Stelle angemessen zu wählen. Wenn Sie sich bereits im Vorfeld bzw. bei der Vorstellung die Namen Ihrer Gesprächspartner merken, können Sie diese in Laufe des Gesprächs und bei der Verabschiedung entsprechend anreden – und dadurch zusätzlich punkten.

Jetzt kann es losgehen! Sie sind ausgeschlafen und in Anbetracht der guten Vorbereitung bester Laune. Das sind ideale Voraussetzungen, um ein Gespräch in angenehmer Atmosphäre zu führen. Vor dem Termin – nicht während des Gesprächs – schauen Sie in Ihre Notizen hinein, damit Sie sich Ihrer persönlichen und fachlichen Kompetenzen bewusst sind und dies auch ausstrahlen.

Checkliste zur positiven Einstimmung auf ein Vorstellungsgespräch

  • Fähigkeiten, positive Eigenschaften und berufliche Kompetenzen notieren
  • Ihre Wünsche und Vorstellungen in der Zukunft konkretisieren.
  • Beschreiben, was Sie zuversichtlich macht, die Stelle zu bekommen.
  • Vorstellung der eigenen Person planen und üben.
  • Die Beantwortung von Standard-Fragen vorbereiten.
  • Angemessene Kleidung wählen, in der Sie sich wohl fühlen.
  • Vor dem Termin die Inhalte der Liste ansehen und kennen.
  • Zum Gespräch mit bester Laune starten, denn Sie sind gut vorbereitet!

Edda Möllers

Über die Autorin:

Edda-Moellers

Edda Möllers ist Unternehmensberaterin und coacht zu beruflichen Themen z. B. zur Entwicklung beruflicher Neuausrichtung, zur Klarheit über die eigenen Ziele und Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Sie ist u. a. für das Steinhagener Institut Schramm tätig. Auf Basis langjähriger Erfahrung im Bankenbereich sowie Kommunikationsausbildungen liegt der Schwerpunkt im lösungsfokussierten Coaching. Dies umfasst u. a.

  • das persönliche Zeitmanagement und die Arbeitsplatzorganisation
  • die Verbesserung der Kommunikation z. B. mit Chefs bzw. MitarbeiterInnen
  • die Vorbereitung schwieriger Gespräche

Employer Branding durch Pressearbeit, Teil 1: Journalisten und Werbetexte

Als die frisch gebackene „Azubine“ Lara G. die Zeitung aufschlägt, verschlägt es ihr den Atem: Mit einer fetten Schlagzeile versehen, prangt ein Bericht über ihr Unternehmen in der Zeitung. „Mutti, schau mal her – unsere Firma ist in der Zeitung!“ ruft sie stolz in die Küche.

Pressearbeit ist ein Instrument, um das vorhandene Personal ans Unternehmen zu binden und auch, um neue Fachkräfte auf sich aufmerksam zu machen. Doch warum wird über manche Organisationen ausführlich berichtet, während andere allenfalls ein Nischendasein in der Redaktionskonferenz führen? Es gibt eine Reihe möglicher Gründe dafür. In dieser Beitragsfolge geht es um die inhaltliche und sprachliche Aufbereitung von Presseinformationen.

Um einen Journalisten für einen Bericht zu gewinnen, ist zunächst eine schriftliche Presseinformation erforderlich, die am besten per Mail geschickt wird. Ein einzelner Anruf geht schnell unter, denn der Zeitungs-Alltag ist von Hektik geprägt. Erhält nun der zuständige Redakteur den Pressetext, sollte dieser bestimmten Anforderungen entsprechen. Es kommt darauf an, den Journalisten neugierig zu machen, einen Bericht über das angebotene Thema zu erstellen. Redaktionen schreiben am liebsten über Ereignisse, die einen sogenannten „Nachrichtenwert“ haben, also:

  • Aktualität
  • Neuigkeitswert
  • Wichtigkeit/Prominenz der Beteiligten
  • Emotionalität
  • Skandalträchtigkeit
  • Bezug zu den Lesern
  • Nutzen des Inhalts für die Leser

Statt also einfach nur vorzuschlagen, die Redaktion solle über das Unternehmen berichten, ist Fantasie bei der Themenfindung gefragt. Am besten ist es, wenn Menschen darin vorkommen, die etwas im Unternehmen tun oder die eine spannende Geschichte von öffentlichem Interesse zu erzählen haben. Beispiele:

  • Kooperationsmaßnahmen mit Schulen, um qualifizierte Azubis zu gewinnen
  • Ein Praktikant aus dem Ausland führt ein besonderes Projekt durch
  • Best Practice: arbeitnehmerfreundliche Arbeitsbedingungen (z. B. Gesundheits- oder Demografiemanagement anhand konkreter Beispiele)

Statt eines trockenen Berichts auf Basis eines Interviews mit dem Geschäftsführer ist es oft spannender und zudem glaubwürdiger, Mitarbeiter zu Wort kommen zu lassen. Von enormer Bedeutung sind dabei medientaugliche Fotos. Abbildungen von Menschen bei der Arbeit (z. B. breit grinsend im Blaumann an einer Maschine) sind spannender, als Fotos am Schreibtisch vor dem PC oder mit einem Telefonhörer am Ohr. Wer Medienvertretern eine Vorlage für eine spannende Geschichte liefert, hat gute Chancen, auf offene Ohren zu treffen.

Was die sprachliche Aufbereitung des Themas anbetrifft, darf der Text auf keinen Fall direktes Eigenlob enthalten. Doch was unterscheidet eigentlich einen werblichen von einem sachlichen Text? Die folgende Tabelle soll den Unterschied verdeutlichen:

Platter Werbetext (aus Journalistensicht): Unser Ingenieurbüro ist so großartig, weil wir den Umsatz im letzten Jahr verdoppeln konnten. Dieser positive Trend wird sich mit Sicherheit fortsetzen. Ein Grund dafür sind unsere hoch qualifizierten Ingenieure, die zu den Spitzenkräften ihres Faches zählen! Der gleiche Inhalt, sachlicher ausgedrückt: Die wirtschaftliche Entwicklung des Ingenieurbüros wird an den Zahlen deutlich: Im letzten Jahr wurde der Umsatz verdoppelt. Geschäftsführer Heribert Schön vermutet: „Bei unseren Ingenieuren legen wir großen Wert auf die Qualifikation. Das spüren auch unsere Kunden!“

Der platte Werbetext enthält Eigenlob in Form von wertenden Ausdrücken wie „großartig“, „positiv“ und „Spitzenkräfte“. Der neutrale Text konzentriert sich auf die Übermittlung von Fakten, die jedoch beim Leser den gewünschten Gedanken wecken: „Das Ingenieurbüro ist erfolgreich!“ Die Kunst beim Erstellen von Pressetexten besteht darin, die Fakten so zu präsentieren, dass der Redakteur und später seine Leser selbst die positiven Schlussfolgerungen ziehen. Deshalb sollte bei der Formulierung von Presseinformationen auf folgende Details geachtet werden:

  • Beschreibungen statt Bewertungen (Was sieht, hört, fühlt oder stellt man fest?)
  • Sparsame Verwendung von Adjektiven (Wie-Wörtern)
  • Keine dick aufgetragenen, nicht nachprüfbaren Übertreibungen (z. B. „einer der weltweit erfolgreichsten, schönsten, besten …“)

Kommt ein Journalist ins Unternehmen, wird er sich eigene Notizen machen. Und er entscheidet letztendlich, was genau er schreibt. Nur in begründeten Ausnahmefällen, wenn es etwa um brisante Informationen oder Fachtexte geht, schicken Journalisten Ihre Artikel den darin Beschriebenen vor der Veröffentlichung noch einmal zu. Die Frage danach sollte in jedem Fall möglichst diplomatisch und mit dem Zusatz gestellt werden „Ich weiß ja, dass es nicht üblich ist …“. (Birgit Lutzer)

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