Monthly Archives: Oktober 2014

Vom „bösen Buben“ zum netten Zeit(arbeits)genossen?

(NRW/Lippstadt) In den letzten zwei Jahren haben Zeitarbeitsfirmen immer mehr Zulauf bekommen. Handelt es sich nur um Imagepolitur durch geschickte PR oder hat ein Wandel in der Branche stattgefunden? Zumindest die Zahlen untermauern einen veränderten Trend.

Arbeitnehmerüberlassungen sind für immer mehr Menschen zum interessanten Arbeitgeber geworden sind. So ist im Bericht der Bundesagentur für Arbeit aus dem Juli 2014 zu lesen: „Die Beschäftigung in der Zeitarbeit ist in den letzten Jahren in der Tendenz mit hoher Dynamik gewachsen. Im zweiten Halbjahr 2013 wurden 498.000 Zeitarbeitsverhältnisse neu abgeschlossen.“ Auch schlechte Arbeitsbedingungen scheinen größtenteils passé zu sein. „Eine Kontrolle des Arbeitsschutzes in 59 Leiharbeitsfirmen und 157 Entleih-Firmen in NRW ergab, dass die Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter in der Regel genauso gut sind wie für Stammkräfte.“ heißt es in der WAZ vom 30.04.2014.

Die Besetzung einer neuen Stelle ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, drum prüfe, wer sich ewig bindet. Zeitarbeit kann in dieser Hinsicht ein Sprungbrett sein, wie die kaufmännische Angestellte Diana Kamp bestätigt. Sie war über fünf Jahre bei avitea beschäftigt, bevor sie von einem Kunden des Unternehmens übernommen wurde. Kamp: „avitea war mein Weg aus der Arbeitslosigkeit. Durch meine Einsätze konnte ich drei renommierte Unternehmen näher kennen lernen und Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen sammeln.“

Lena Ballon und Christoph Busch von avitea

Lena Ballon und Christoph Busch

avitea-Marketingleiterin Lena Ballon unterstreicht: „Wir sind ein ganz normaler Arbeitgeber, der denselben Gesetzen unterliegt, wie andere Firmen auch.“ Geschäftsführer Christoph Busch ergänzt, durch die Tarifverträge und Branchenzuschlagstarife sei auch „der Mindestlohn kein Thema mehr.“

Was sagt Volkes Stimme dazu? Im Online-Forum „Gute-Frage-net“ wird in mehreren Beiträgen über die Bezahlung der Zeitarbeit diskutiert. „Enemy74“ schreibt: „Produktionshelfer in der Metall- oder Elektrobranche u. A. können teilweise richtig gutes Geld mit Zeitarbeit verdienen (11€ sind dann schon mal drinnen), ohne überhaupt eine Ausbildung zu haben!“

Der anonyme Verfasser vermutet zudem: „Weiterhin würden viele dieser Leute, die in der Zeitarbeit beschäftigt sind, wohl oft keinen Job finden. Geht mal zu einer `Festfirma ganz ohne berufliche Qualifikation, ohne Abschluss, teilweise ohne Sprachkenntnisse! Ich bezweifle, dass diese Leute bei einer Festanstellung besser dran wären.“ Selbst wenn die Herkunft der Antwort nicht ermittelt werden kann, wird sie für viele Stelleninteressenten glaubwürdig sein. (Birgit Lutzer)

Neue Zähne nach Stellenantritt: Womit Firmen bei Fachkräften punkten

(OWL/Bielefeld) „Was haben Sie als Arbeitgeber zu bieten?“ fragt der Bewerber kess beim Vorstellungsgespräch. Dieser Fall ist heute Realität. Bei einer Konferenz der OstWestfalenLippe GmbH in der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld gaben Referenten Antworten auf die Frage nach mehr Arbeitgeberattraktivität.

„In den 80er Jahren taten Yuppies alles für ihre Karriere. Heute gibt es mehrere gleichberechtigte Wünsche und Ziele neben der Arbeit“, so Klaus-Peter Jansen von der OstWestfalenLippe GmbH. Um wichtige Aspekte des Schlagwortes „Arbeitgeberattraktivität“ zu beleuchten, hatte er fünf weitere Experten eingeladen, die vor den rund 50 Teilnehmern zu Wort kamen.

Stellenausschreibungen oft „Wischi-Waschi“

Jansen zufolge haben viele Unternehmen noch nicht erkannt, dass sie sich um Arbeitskräfte bemühen müssen. Als Beleg präsentierte er Stellenausschreibungen. „Mit interessanten Herausforderungen und einer der Position angemessenen Bezahlung allein können Sie heute niemand mehr locken.. Es geht darum, den Bewerbern die Vorteile in Ihrem Unternehmen zu präsentieren.“ unterstrich er. Und genau an diesem Punkt seien Phantasie und Pioniergeist gefragt. „Wenn Sie das bieten, was alle machen, sehen Stelleninteressenten keinen Vorteil.“ Der Leiter des Projekts „Fachkräfte sichern – Branchen stärken in OWL“ betonte, die gesamte Veranstaltung diene dazu, den anwesenden Personalverantwortlichen aus ostwestfälischen Unternehmen dafür Anregungen zu geben.

Sport an jedem Ort

Einer davon, Mario Stitz von der Karl Brand KG, beleuchtete das Gesundheitsmanagement-System des Großhandels-Unternehmens für Haustechnik. Stitz: „Wir suchten eine einfache Lösung, der sich ohne großen Verwaltungsaufwand auf alle unsere 16 Standorte übertragen ließ.“ Gefragt gewesen sei ein Anbieter mit einem Paket an Gesundheits-, Wellness- und Fitnessdienstleistungen, der gleichzeitig an vielen Orten präsent sei. „Mit Sportnavi haben wir den richtigen Partner gefunden.“ verriet der Vertriebsexperte.  Verschiedenste Angebote – vom Bogenschießen über Paddeln und Radfahren bis hin zu Fitness- und Reha-Maßnahmen seien im Vertrag enthalten. „Wir zahlen den Beitrag und unsere Mitarbeiter können an jedem Ort, wo sich Sportnavi-Partner befinden, individuell deren Leistungen nutzen.“

Familienfreundlichkeit ist gefragt

Auf die bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf als Anreiz ging Ria Lissina von der REGE Bielefeld ein. „Immer mehr Menschen müssen Angehörige pflegen. Wir haben eine Reihe von Angeboten für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern in dieser Hinsicht einen besonderen Vorteil bieten möchten.“ sagte sie und fügte hinzu, bei der Umsetzung sei auch das Verhalten der Führungskräfte ein wichtiger Punkt. „Wenn der Vorgesetzte ab und zu früher nach Hause geht, um Kinder abzuholen oder sich um seine kranke Mutter zu kümmern, hat dies eine stärkere Überzeugungskraft als wohlklingende Leitlinien allein“, so die Referentin.

Geförderte Weiterentwicklung

Andreas Lühmann von der Regionalagentur Ostwestfalen-Lippe ging in seinem Vortrag auf die vom Land NRW geförderte Firmen-Potenzialberatung und auf Bildungsschecks ein. „Um beispielsweise die Stärken des Unternehmens zu ermitteln und die Gewinnung von Fachkräften zu erleichtern, kann eine bezuschusste Beratung in Anspruch genommen werden.“ Auch die Bildungsschecks seien eine preisgünstige Möglichkeit, Mitarbeitern attraktive berufliche Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten. Hier stehe die Regionalagentur interessierten Firmen zur Seite.

Mehr Geld in der Kasse auf beiden Seiten

Speziell um Finanzen und die Möglichkeit, Steuern zu sparen, ging es im Beitrag von Rainer Lechtenfeld. Er führt das Beratungs- und Coachingunternehmen „K3“ in Dissen, das Firmen unter dem Motto „Mehr Netto vom Brutto“ unterstützt. „Wenn Sie als Arbeitgeber einem Mitarbeiter das Gehalt um 100 Euro erhöhen, kostet Sie das 130 €. Der Arbeitnehmer selbst hat aber nur 50 Euro mehr Netto in der Tasche.“ Der Finanzwirt empfahl, stattdessen über finanzielle Anreize in Form von Warengutscheinen und anderen Vergünstigungen wie die Finanzierung der Kindergartenbeiträge für den Nachwuchs der Mitarbeiter nachzudenken: „Sie zahlen unterm Strich weniger und der Mitarbeiter hat mehr davon.“

Gebiss-Sanierung und neue Brille als Argumente

Neben der betrieblichen Altersvorsorge zum günstigen Tarif ging Philip Spies vom Industrie-Pensions-Verein Düsseldorf auf die betriebliche Krankenversicherung als Alternative für die oft lückenhafte Eigenvorsorge der Mitarbeiter ein. „Sie können Ihren Belegschaftsmitgliedern eine kostengünstige Krankenversicherung mit zahlreichen Extras z. B. in Bezug auf die medizinische Vorsorge, Zahnersatz und Brillen zu einem unschlagbaren Tarif anbieten.“ schlug er vor. Dieses Produkt sei seit etwa zwei Jahren auf dem Markt und würde von verschiedenen Versicherungsgesellschaften angeboten. (Birgit Lutzer)

An das implizite Wissen zwischen den Ohren herankommen

Wenn Mitarbeiter ihre Firma verlassen, nehmen Sie mehr mit als ihre Fachkenntnisse. „Es geht um das implizite Wissen z. B. darüber, wie ihre Kunden `ticken´ oder um ihre Netzwerke.“ sagt Wissensmanagement-Spezialist Christian Keller aus Bielefeld. Doch was können Führungskräfte dagegen tun?

Ganz klar ist, dass die Weitergabe von Wissen nur auf freiwilliger Basis geschehen kann. „Nicht jeder Stellenwechsel geschieht in harmonischer Übereinkunft. Lassen Sie als Führungskraft verärgerte Mitarbeiter ziehen, sofern Versuche scheitern, sich friedlich miteinander zu arrangieren.“ empfiehlt der Inhaber der Unternehmensberatung CK2. Bleibt also der Blick auf die Kräfte, die ihrem Arbeitgeber gegenüber positiv eingestellt sind.

Keller: „Oft ist den Mitarbeitern selbst nicht bewusst, über welches wertvolle Wissen für die Firma sie verfügen. Diese Schätze können mit einem strukturierten Gespräch oder einer moderierten Sitzung ans Tageslicht befördert werden.“ Der Wissensmanager empfiehlt eine Dreierkonstellation von Mitarbeiter, Führungskraft und einem neutralen Berater/Moderator. Diese Rolle übernimmt er als Externer selbst oft in Firmen. Er schildert den Ablauf des Beisammenseins: „Zunächst ist herauszuarbeiten, welches Wissen relevant für den Transfer ist. Sehr sinnvoll ist ein Mindmap unter Nutzung von sechs Kategorien (Fachwissen, Projektwissen, Arbeitsorganisation, Führungswissen, Persönliches Netzwerk, Unternehmenskultur), das der ausscheidende Mitarbeiter ergänzen und ausbauen kann“, so Keller.

Zusammen mit der Führungskraft werde dann entschieden, welche Inhalte in welcher Form an wen genau weitergegeben werden sollen. „Wenn jemand eine Power Point-Präsentation erstellen kann, muss dies nicht gesondert vermittelt werden. Es kommt auf die Inhalte an, die eine Rolle für die Unternehmensstrategie spielen.“ betont der Wissens-Experte.  Sehr viel schwieriger sei es, etwa an das wertvolle Wissen über den geschickten Umgang mit Menschen heranzukommen. „Ein alter Hase im Vertrieb kann aufgrund seiner Erfahrung Kunden und Interessenten oft besser einschätzen als ein Frischling von der Uni – selbst wenn dieser sein Examen mit einer brillanten Note abgeschlossen hat.“ Doch wie lässt sich Menschenkenntnis vermitteln?

Keller weiß: „Hier ist kein Vortrag gefragt, sondern eine andere Lösung. Der Vertriebsexperte sollte den jungen Kollegen zu Terminen mitnehmen und anschließend mit ihm im Detail darüber sprechen, was und warum er so kommuniziert und argumentiert hat.“ Er betont, eine Standardlösung gebe es nicht. „Der Einzelfall muss betrachtet werden. Wichtig ist, dass die Führungskräfte schon eine Zeit vorher auf das Problem aufmerksam werden und handeln.“ Es könne in Ruhe zusammen mit dem Mitarbeiter überlegt werden. „Hau-Ruck-Lösungen und überstürztes Agieren bringen nichts.“ (Birgit Lutzer)

 

Über Christian Keller:

Christian-Keller

Er studierte Technisches Gesundheitswesen, bevor er nach 10 Jahren in verantwortungsvollen Funktionen (u. a. bei der Treuhand Berlin, einer Innovationsgesellschaft und einem Softwareanbieter) seine eigene Firma gründete. Heute unterstützt er Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Einrichtungen in ihrer strategischen, organisatorischen und personellen Entwicklung. Eine Herzensangelegenheit erfüllte er sich 2009, als er mit Partnern die Initiative „Exzellente Wissensorganisation“ ins Leben rief. Deren Ziel besteht darin, regelmäßig Leuchttürme guter Wissensorganisation zu lokalisieren, um andere Unternehmen davon lernen zu lassen.

Von der Überholspur in die Werkstatt??? Erschöpfungszuständen vorbeugen

(OWL – Halle/Paderborn). Ein Berufsleben unter Dauer-Vollgas hat seinen Preis. „Was die meisten zunächst locker wegstecken, macht sich irgendwann durch ein rapides Absinken der Leistungsfähigkeit bemerkbar“, so Sportwissenschaftler Prof. Dr. Elmar Wienecke.

Um vorzubeugen, gibt es Ansatzmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen. Doch zunächst geht es um Ursachenforschung. Oft werden länger andauernde Erschöpfungszustände mit dem Begriff  „Burnout“ bezeichnet.  So heißt es auf der Website des Burnout-Kompetenzzentrums OWL in Paderborn: „Auch Freizeitstress ist heute für viele kein Fremdwort mehr. Das Problem: Kaum jemand achtet darauf, welche Alarmsignale der Körper aussendet, wenn der Stress schlichtweg zu viel wird.“ Das Ignorieren von Warnsymptomen könne zu einem in verschiedenen Phasen verlaufenden Burnout führen:

  1. Hyperaktivität mit Überstunden, Nachtschichten und Engagement über das Pflichtpensum hinaus.
  2. Desillusionierung. Der Betroffene distanziert sich mehr und mehr von seinem Beruf. Ihn plagen Frustration und das Gefühl der Sinnlosigkeit.
  3. Starke Emotionalität mit aggressiven Ausbrüchen, Weinen und anderen Überreaktionen.
  4. Konzentrationsprobleme und stark nachlassende Arbeitsmotivation.
  5. Rückzug, Gleichgültigkeit und depressive Verstimmungen.
  6. Körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden.
  7. Hoffnungslosigkeit, tiefe Verzweiflung und Übergang in die Depression.

Die Experten aus dem Burnout-Zentrum OWL empfehlen unter anderem: „Sollten Sie erste Anzeichen einer Erschöpfung bei sich bemerken, steuern Sie rechtzeitig dagegen. Versuchen Sie zusätzlich, dem Stress Phasen der Ruhe und Entspannung entgegen zu setzen.“ Dazu gehörten das Delegieren von Aufgaben, das richtige Erholung, gesunde Ernährung und Sport in vernünftigem Maße. So könnten Widerstandskräfte und Leistungsfähigkeit selbst bei Stress, Abgeschlagenheit und Leistungstiefs erhalten bleiben.

Claudia und Dr. Wienecke mit Ananas_b1

Auch Wienecke, der das Haller Sport- und Gesundheitszentrum „Saluto“ leitet,  beschreibt ähnliche Symptome bei seinen Klienten. Zu diesen gehören seinen Angaben nach viele Hochleistungssportler und leitende Manager. Seiner Meinung nach liegt eine wichtige Ursache für Erschöpfungszustände in gestörten biochemischen Stoffwechselprozessen. „Dem Körper fehlen bestimmte Stoffe und er geht an seine eigenen Reserven. Berufstätige entwickelten vor der totalen Erschöpfung Symptome wie Schlafstörungen, nächtliches Schwitzen, Müdigkeit und Magen-Darm-Beschwerden.“

Es gehe also darum, dem Körper gezielt das zuzuführen, woran es ihm mangele. Doch einer der größten Fehler im Arbeitsalltag bestehe in unzureichender Ernährung. Wienecke zeigt dafür Verständnis: „Mal ehrlich – wer schafft es denn dauerhaft, jeden Tag zum Beispiel 800 Gramm frisches Obst und Gemüse zu essen? Das ist doch unrealistisch.“  Doch auch, wer sich gesund ernährt, kann Mangelerscheinungen haben. Folgende Symptome weisen auf einen gestörten Energiehaushalt hin:

  • Leichtes Schwitzen nachts
  • Unruhiger Schlaf
  • Innere Unruhe
  • Schlechte Stresstoleranz
  • Müdigkeit und Antriebsarmut
  • Konzentrationsschwäche
  • Muskuläre Verspannungen
  • Schwierigkeiten, von der Arbeit abzuschalten

Der Sportwissenschaftler empfiehlt eine Blutuntersuchung, um den genauen Bedarf einer Person zu ermitteln. Dabei sei es wichtig, dass die Werte an denen von Menschen mit ähnlichen Voraussetzungen gemessen werden. Dazu gehörten Alter, Geschlecht, Berufstätigkeit und sportliche Aktivität. Das Team um Wienecke hat in jahrelangen Untersuchungen eine Referenzdatenbank erschaffen, mit der genaue Auswertungen vorgenommen werden können. Anschließend erhalte der Patient „Energie auf Rezept“ – eine individuelle Zusammenstellung von Mikronährstoffen, mit denen er seinen Stoffwechsel wieder ins Lot bringen könne. „Die Leistungsfähigkeit steigt wieder, weil der Energiehaushalt stimmt“, so Wienecke. (Birgit Lutzer)

Durch Kontakte zum Job: Grundprinzipien des Networkings

„Laden Sie diese Dame zum Gespräch ein. Sie ist mir von einem Geschäftspartner empfohlen worden.“ bittet ein Personalleiter seine Sekretärin. Ihr Kontaktnetzwerk hat der Stelleninteressentin weitergeholfen. Selbstmarketing-Experte Stéphane Etrillard verrät in diesem Beitrag, wie man ein berufliches Netzwerk aufbaut.

Viele Probleme können nur deshalb effektiv gelöst werden, weil sich Menschen untereinander kennen und sich gegenseitig unbürokratisch helfen. Es geht darum, die eigenen Möglichkeiten durch Unterstützung anderer zu erweitern. Varianten der gegenseitigen Hilfe gibt es zahlreich: Es kann ganz klassisch um einen Zugriff auf den Warenbestand des anderen gehen (z. B. Ausleihen eines Autos), aber insbesondere bei der Jobsuche wäre es möglich, seine Kontakte zu nutzen (Vermittlung eines Ansprechpartners in einem Unternehmen, Weiterempfehlung …)

Denn oft sind es Kleinigkeiten, die sich zu Hindernissen aufbauen und zu lästigen Zeitfressern ausweiten. Manchmal können Stunden vergehen, bis wir eine dringend benötigte Information recherchiert haben, währenddessen ein einziger Anruf bei der richtigen Person sofortige Klärung bringen würde. Oder der übliche Dienstweg ist umständlich und langwierig. Ein Ansprechpartner an der richtigen Stelle ist dann Gold wert. Nicht nur die Jobsuche, sondern das ganze Leben wird einfacher, wenn wir in entscheidenden Momenten auf die Unterstützung der richtigen Personen zählen können. Doch gute und hilfreiche Kontakte ergeben sich nicht von selbst, sie müssen aktiviert werden. Das notwendige Netzwerkpotenzial ist in allen Fällen mehr als ausreichend vorhanden.

Mit anderen aktiv in Kontakt zu treten, kann Überwindung kosten, es ist jedoch absolut unerlässlich für den Auf- und Ausbau von Netzwerken. Ein Netzwerk entsteht keinesfalls nebenbei und von heute auf morgen. Es baut auf Vertrauen und Gegenseitigkeit – sein Aufbau kann also Monate, manchmal sogar Jahre dauern. Hierbei dürfen Sie Ihre Kontakte niemals als reines Mittel zum Zweck betrachten. Menschen lassen sich nicht nach Lust und Laune ausnutzen und dort einsetzen, wo sie gerade gebraucht werden. Alle Netzwerke müssen behutsam und zielstrebig aufgebaut, schließlich aber auch sorgfältig gepflegt werden.

Ein Netzwerk ist ein Konto mit Soll und Haben

Einem guten Netzwerk liegen zwei psychologische Eigenschaften der Menschen zugrunde: Jeder Mensch hilft gerne und gibt mit Vorliebe Ratschläge und Tipps. Sie versorgen andere mit Informationen oder stehen tatkräftig zur Seite. Andererseits brauchen alle Menschen Anerkennung; sie tun Gutes nicht nur, um anderen zu helfen, sondern eben auch, weil sie Dankbarkeit oder eine andere Gegenleistung ernten wollen. Für Ihr Netzwerk heißt das, Sie können nicht nur nehmen, sondern müssen auch geben! Und gerade in der Anfangsphase sollten Sie zuerst in Vorleistung treten, damit sich Ihre Kontaktpersonen anschließend bei Ihnen revanchieren können.

Grundsätzlich sollte ein Netzwerk wie ein Konto mit Soll und Haben geführt werden, wobei Sie weder zu große Guthaben anhäufen noch zu stark ins Saldo kommen dürfen. Ein Netzwerk bleibt nur dann nachhaltig funktionstüchtig, wenn keine dauerhaft einseitigen Belastungen stattfinden – unbedingt ist also auf Ausgewogenheit zu achten. Jede Leistung, jeder Dienst, der Ihnen erwiesen wird, muss später honoriert werden, damit das Konto wieder ausgeglichen ist. Erst durch andauernde Kontobewegungen, die aber letztendlich immer wieder zur Ausgeglichenheit führen, wird das Vertrauen gefestigt und das Netzwerk insgesamt gestärkt.

Jede Art von Einseitigkeit bringt eine Verbindung zwangsläufig zum Zerreißen. Neben dem Geben und Nehmen basiert ein gutes Netzwerk auf Verlässlichkeit und Diskretion. Wenn Sie als zuverlässiger Partner gelten, der ohne Aufhebens für einen anderen Partner einspringt, wird das die Hilfsbereitschaft anderer Ihnen gegenüber erhöhen. Zuverlässigkeit impliziert dabei immer auch Diskretion. Es muss nicht immer jeder wissen, wer Ihnen welche Informationen unter welchen Umständen besorgt hat. Wichtig ist allein, dass ein Problem gelöst wurde. (Stéphane Etrillard)

Über Stéphane Etrillard

Foto: Sylke Gall.

Foto: Sylke Gall.

Der internationale Keynote Speaker zählt zu den Top-Wirtschaftstrainern im deutschsprachigen Raum. Der mehrsprachige Vortragsredner gilt als führender europäischer Experte für persönliche Souveränität. Sein Know-how ist in den letzten 18 Jahren in der Beobachtung und Begleitung von mehreren Tausend Führungs- und Nachwuchskräften aus unterschiedlichsten Branchen entstanden. Er ist Autor von über 40 Büchern und Audio-Coaching-Programmen, die zu den Business-Topsellern zählen. Täglich lesen über 30.000 Menschen seine Coaching-Impulse in den sozialen Netzwerken. 2013 wurde sein Buch „Mit Diplomatie zum Ziel“ im WirtschaftsBlatt in die Top Ten der deutschsprachigen Wirtschaftsbücher aufgenommen.

http://wordpress.p223208.webspaceconfig.de/wp-login.php?loggedout=trueksekur9/#