Monthly Archives: April 2015

Heimlicher Handy-Flirt bei der Arbeit beliebt

LoveFi-01-miniDie 36-jährige Sabine C. ist auf dem Weg zur Arbeit. Plötzlich schallt es aus Ihrem Handy „Love is in the air“. Der gleiche Song ertönt aus dem iPhone eines Mannes, der ihr gerade entgegen gekommen ist. Liebes-Alarm! Beide haben die App „Love Finder“ installiert.

Die Sozialarbeiterin kann die Anwendung mit einem Klick deaktivieren. Das ist auch wichtig, denn die private Handynutzung am Arbeitsplatz ist offiziell verboten. Trotzdem geben in einer Studie der Singlebörse Neu.de aus dem Jahr 2014 immerhin 12 % der 2.017 Befragten an, am Arbeitsplatz „nebenbei“ mit dem Smartphone online zu flirten und sich zu verabreden.

Britische Forscher fanden einem Beitrag des Verfassers Nicolas Zeitler zufolge heraus, dass Flirtverhalten am Arbeitsplatz – in der Untersuchung bezogen auf Direktkontakt – zumindest bei Männern auf Unzufriedenheit mit ihrem Job schließen lässt. Zeitler: „ Männer … flirten womöglich, um sich … etwas Unterhaltung und Amüsement zu verschaffen.“ Bei Frauen bestehe das Flirtmotiv eher im Wunsch nach Kontakt oder auch darin, den eigenen Marktwert zu testen. 

Arbeitgeber geraden dadurch in eine Zwickmühle. Einerseits haben die privaten Nachrichten und das „mobile Dating“ nichts mit der beruflichen Tätigkeit ihrer Mitarbeiter zu tun. Andererseits wünschen sich viele Führungskräfte, dass Belegschaftsmitglieder auch unterwegs oder zu Hause erreichbar sind. Arbeit und Privatleben gehen ohne klare Grenzen ineinander über. Die größere Freiheit auf der einen Seite führt auf der anderen zu mehr Stress. Wer immer beruflich erreichbar ist, kann niemals richtig abschalten. Außerdem können kleine Belohnungen zwischendurch vom Arbeitsstress ablenken – wie etwa die Aussicht auf ein Date nach Feierabend.

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht, Ulf Weigelt, rät in einer Kolumne der ZEIT online davon ab, die private Kommunikation für Mitarbeiter stark zu reglementieren. „In dringenden Fällen (z.B. Kind krank, Unfall des Partners, Wasserrohrbruch zu Hause usw.) sollten Mitarbeiter erreichbar sein.“ Er vermutet Negativkonsequenzen durch den Versuch Vorgesetzter, den Austausch privater Nachrichten zu unterbinden: „Mit diesem Verhalten werden Sie … viel Unmut ernten.“

Sabine C. jedenfalls holt sich ganz brav auf dem Arbeitsweg und im Privatleben positive Impulse durch den Love-Finder. Dieser schlägt an, wenn sie einem männlichen Single begegnet, der die App ebenfalls installiert hat. Im Beruf hat die Sozialarbeiterin ohnehin überwiegend Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. „Zusammen mit einer Kollegin leite ich die Übermittags-Betreuung an einem Gymnasium. Der Flirt muss bis zum Feierabend warten!“ (Birgit Lutzer)

Die Vielfalt der schillernden Modebranche: „Karriere maßgeschneidert“ bei Gerry Weber

(Halle/Westf.) Der Karrieretag der Gerry Weber International AG am 18. April bot den 500 Besuchern Fachinformationen, Tipps rund um die Bewerbung und jede Menge Emotionen bei einer musikunterlegten Modenschau. „Wir wollen den jungen Leuten zeigen, welche vielseitigen Aspekte und Berufsbilder sich in der Modebranche verbergen“, erläuterte Human-Ressources-Vorstand Dr. David Frink.

Zunächst informierte er die Jugendlichen, die oft auch in Begleitung ihrer Eltern kamen, über den Aufbau und die strategische Ausrichtung des Modekonzerns.

"Karriere maßgeschneidert" bei der Gerry Weber International AG

Dr. David Frink

Im Showroom waren Teile der neuesten Kollektionen ausgestellt. Fachbereichsleiter und bereits eingestellte Azubis standen für persönliche Gespräche mit Stelleninteressenten bereit. „Gerade Ausbildungsinteressenten sind oft unsicher, wenn sie mit Führungskräften sprechen sollen. Der Altersabstand zu unseren vorhandenen Azubis ist geringer, was die Situation entspannt“, erläuterte Personalreferentin Jutta Imkemeier.

Eine, die es geschafft hat, einen Ausbildungsplatz zu ergattern, ist die Industriekauffrau Marina Forsch aus Gütersloh.

Karriere maßgeschneidert bei der Gerry Weber International AG

Marina Forsch

Sie berichtete: „Als Schülerin des Berufskollegs Halle kannte ich Gerry Weber natürlich. An der Ausbildung gefällt mir besonders gut, dass wir in viele Unternehmensbereiche hinein schnuppern dürfen.“ Auch die Teilnahme an der Jahreshauptversammlung beeindruckte die 21-Jährige. „Ich lerne hier das internationale Business kennen. Das ist sehr spannend!“ Viele Bewerber nutzen die Möglichkeit, sich von einer Profi-Fotografin ins rechte Licht setzen zu lassen.

Andere ließen sich von Personalfachleuten beraten, was Bewerbungsunterlagen und Vorstellungsgespräch anbetrifft.

Karriere maßgeschneidert bei der Gerry Weber International AG

Joalina Fenske, Frank Ungerechts und Mona Fenske

Dazu gehörte die 15-jährige Joalina Fenske, die bereits zwei Praktika bei Gerry Weber absolviert hat. Sie sprach mit Personalmanager Frank Ungerechts. „Er hat mir gesagt, welche Fragen im Vorstellungsgespräch gestellt werden und dass ich möglichst natürlich auftreten soll“, verriet die Dissener Realschülerin.

Über einen Mangel an Bewerbern kann sich die Gerry Weber International AG momentan nicht beklagen. Dirk Wefing, Director Human Ressources: „Wir ziehen viele Bewerber aus ganz Deutschland und oft auch darüber hinaus an.“ Dies gelte auch für den Mode-Einzelhandel, der in anderen Branchen oft unter geringer Nachfrage zu leiden habe. Veit Bier, Personalleiter Retail: „Zu 99,9 Prozent bewerben sich bei uns junge Frauen für eine Karriere im Einzelhandel.“ Das große Interesse führt er auf den Anspruch der Tätigkeit zurück. „Einen wichtigen Schwerpunkt im Berufsalltag bilde die individuelle Beratung der Kundinnen.“ Personalreferentin Jutta Imkemeier hob die gute Zusammenarbeit des Unternehmens mit Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen hervor. „Die Qualität der Bewerbungen ist insgesamt hoch.“ (Birgit Lutzer)

IHK: Ausbildungsangebot steigt, Interesse bei Jugendlichen sinkt

Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) hat Anfang April insgesamt acht Prozent mehr Ausbildungsverträge eingetragen als zum Vorjahreszeitpunkt (absolut 2.961; 2014 = 2.741). Dabei fällt der Anstieg in den gewerblich-technischen Berufen mit 15,1 Prozent noch deutlich stärker aus als in den kaufmännischen (+ 3,7 Prozent).

„Wir verstehen das Ergebnis als Zwischenstand, da die Mehrzahl der Ausbildungsverträge erst in den nächsten Wochen und Monaten eingetragen wird. Es ist aber umso erfreulicher, da uns die Unternehmen vermehrt ein zu geringes Interesse an dualer Ausbildung melden. Alle Verantwortlichen sind hier aufgefordert, die Perspektiven beruflicher Bildung den Schülerinnen und Schülern noch stärker zu verdeutlichen, da Bewerberzahlen in den nächsten Jahren weiter sinken werden“, appelliert IHK-Geschäftsführer Berufliche Bildung Swen Binner.

Aus seiner Sicht korrespondieren die Zahlen mit den Statistiken der Agenturen für Arbeit. Für Ostwestfalen melden sie offiziell 5.241 unbesetzte Berufsausbildungsstellen für 6.134 unvermittelte Bewerber. Damit liegt die Zahl der Bewerber auf dem Vorjahresstand, während die Zahl der offenen Ausbildungsstellen um 8,5 Prozent ansteigt. „Auch die Zahlen der Agenturen für Arbeit sind ein Indiz dafür, dass offene Ausbildungsstellen nicht hinreichend besetzt werden können. Erfahrungsgemäß nimmt der Trend zur Akademisierung weiter zu“, so Binner.

Nach seinen Worten ist bemerkenswert, dass mittlerweile für Ostwestfalen eine Relation der gemeldeten offenen Ausbildungsstellen zu den unvermittelten Bewerbern von 0,85 erreicht worden ist. „Wenn wir bedenken, dass nur rund 60 Prozent der Unternehmen ihre offenen Ausbildungsstellen komplett den Agenturen für Arbeit melden, sieht die Relation de facto noch besser aus“, so der IHK-Geschäftsführer. Zum Vorjahreszeitpunkt lag diese Relation bei 0,79. Vergleiche man den 10-Jahres-Zeitraum, so lag sie im März 2005 lediglich bei 0,43.

Regional geht die Schere allerdings deutlich auseinander. Aktuell verzeichnet die IHK Ostwestfalen das höchste Plus im Kreis Herford (19,2 Prozent), gefolgt vom Kreis Paderborn (+ 14,7 Prozent), dem Kreis Minden-Lübbecke (+ 13,1 Prozent) und dem Kreis Höxter (+ 11,8 Prozent). Der Kreis Gütersloh liegt leicht über Vorjahresniveau, während die Situation in Bielefeld mit – 7,2 Prozent derzeit angespannt ist.
Für die IHK kündigt Binner an, die Akquisition offener Ausbildungsstellen zu intensivieren. In einer Sonderaktion werden die Führungskräfte der Abteilung bis Anfang Juni insgesamt 300 nicht ausbildende Betriebe persönlich kontaktieren, um sie für die Ausbildung zu gewinnen.

Auch die Ausbildungsstellenakquisiteure werden ihre Bemühungen verstärken. „Noch wichtiger ist es, mit den Schulen zusammenzuarbeiten und den Schülerinnen und Schülern die vielfältigen Möglichkeiten der beruflichen Bildung zu erklären. In dieser Hinsicht leistet auch das in allen Kreisen und in der Stadt Bielefeld erfolgreich begonnene Übergangsmanagement KAoA („Kein Abschluss ohne Anschluss“) wertvolle Unterstützung“, so Binner. (Kristina Fuchs, IHK Bielefeld)

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