Monthly Archives: Mai 2015

Baxter: Bindung durch Transparenz und Teilhabe

Halle-Künsebeck. Bei der Baxter Oncology GmbH ist Transparenz angesagt. Die gläsernen Wände in der neuen Produktionsstätte ermöglichen den freien Blick auf Kollegen, Gerätschaften und Abläufe. Beim Mitarbeitertag Mitte Mai durften die Belegschaftsmitglieder als erste das Technologiezentrum auf geführten Rundgängen besichtigen.

Personalleiter Jürgen Fleischer erläuterte: „Die Teilhabe an Informationen ist ein wichtiger Part unseres Mitarbeiterbindungs-Konzepts.“ Das Angebot, sich vor Ort ein Bild von der „Raumstation“ zu machen, wurde gut angenommen: Trauben an Menschen mit Schutzanzügen, Schuh-Überziehern und Haarhauben schoben sich durch die Sicherheitsbereiche. Fleischer verriet: „Offizieller Beginn der Produktion ist am Ende des Jahres. Dann kommt hier keiner mehr einfach so herein.“ Umrahmt wurde der Mitarbeiter-Tag von einem Begleitprogramm mit Kinder-Unterhaltung, Improvisationskünstlern sowie Speisen und Getränken in einem Festzelt.

Familie Hasler nutze die Gelegenheit, an einem geführten Rundgang durch die neue Baxter-Produktionsstätte teilzunehmen. Von links Nicole Hasler mit Jannik (1) und Kai Hasler mit Annika (4).

Familie Hasler nutze die Gelegenheit, an einem geführten Rundgang durch die neue Baxter-Produktionsstätte teilzunehmen. Von links Nicole Hasler mit Jannik (1) und Kai Hasler mit Annika (4).

Kai Hasler, Betriebsleiter bei dem auf Anti-Krebsmedikamente spezialisierten Pharmaunternehmen, brachte Frau und Kinder mit zur Veranstaltung. „Sie sollen mal sehen, wo der Papa arbeitet“, berichtete er. Schon das Hineinklettern in die Schutzanzüge mit tatkräftiger Eltern-Hilfe war ein Abenteuer für die Kleinen. Auch wenn sie von den Ausführungen der Rundgangs-Leiter nichts verstanden haben dürften, entsteht ein bleibender bildhafter Eindruck.

Durch die neue Produktionsstätte, in die Baxter 56 Millionen Euro gesteckt hat, entstehen in Halle 50 neue Arbeitsplätze für Ingenieure, Apotheker, Pharmakanten, Chemikanten und Chemielaboranten. Die Firmenleitung ist optimistisch, dass sich die Investition lohnt. Fleischer fasste die Gründe dafür zusammen: „Die Weltbevölkerung wächst und die Menschen werden im Schnitt viel älter als früher. Deshalb steigt die Zahl der Krebserkrankungen und wir bewegen uns in einem Wachstumsmarkt.“ Er fügte hinzu, das sei eigentlich makaber. „Wir wünschen niemandem, dass er unsere Produkte braucht.“

Der Technische Leiter des neuen Zentrums, Frank Generotzky, drückte denselben Sachverhalt positiv aus: „Wir freuen uns, dass wir in Halle bald die Möglichkeit haben, noch mehr Menschenleben durch unsere Medikamente zu retten.“ Und diese Aussage entspricht nach Auskunft von Fleischer auch der Einstellung der meisten Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber gegenüber: „Sie sind stolz darauf, dass Sie an etwas Sinnvollem und für die Menschheit Nützlichem mitwirken dürfen.“ (Birgit Lutzer)

Neu: FHM bildet psychologische Experten für Wirtschaft, Gesundheit und Soziales aus

Bielefeld. Der Studiengang „Psychologie“ ist gefragt, doch Numerus Clausus und Wartesemester bilden eine große Hürde. Die Fachhochschule des Mittelstands bietet ab Oktober in Bielefeld und Schwerin einen neuen Bachelor-Studiengang des Fachs an. Dessen Hintergründe beleuchtet Fakultätsdekan Prof. Dr. Walter Niemeier.

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FHM-Fakultätsdekan Prof. Dr. Walter Niemeier

Niemeier unterstreicht, alle FHM-Studiengänge hätten eine mehr oder weniger betriebswirtschaftlich fokussierte Ausrichtung. „Das gilt natürlich auch für den neuen Studiengang. Unsere Absolventen sollen dadurch für ein breites Spektrum von Tätigkeiten in der Wirtschaft qualifiziert werden.“ Infrage kämen beratende und unterstützende Berufe im Bildungs- und Sozialwesen, in der Marketing- und Werbebranche, im Gesundheitswesen, bei kirchlichen Trägern und anderen Einrichtungen.

Doch auch an der FHM gibt es ein Zulassungsverfahren. Niemeier: „Wenn die Bewertung der Bewerbung positiv ausfällt, stellen sich die Studieninteressenten mehreren Tests.“ Dazu gehöre ein psychologischer Kompetenz-Test – anschließend werden Mathematik- und Englisch-Kenntnisse überprüft. Dann müssten die Bewerber eine fachspezifische Aufgabe löse, sich einer Teamarbeit und einem persönlichen Gespräch stellen.“

„Wir legen Wert darauf, dass sich unsere angehenden Psychologen gedanklich mit dem Fach und ihren Berufswünschen auseinandergesetzt haben. Ein allgemeines Interesse an Menschen zu bekunden, reicht nicht aus.“ Sehr gut ankommen würden bereits absolvierte Praktika in sozialen Eirichtungen oder bei Trägern aus dem Gesundheitswesen. „Auch eine Personalabteilung oder eine Unternehmensberatung kommen in Frage“, ergänzt der Dekan.

Wichtig war den FHM-Verantwortlichen, den Bachelor breit aufzustellen. „Im Studium erfolgt dann zwar eine Spezialisierung wahlweise auf Pädagogische Psychologie oder Medien- und Werbepsychologe, doch eine richtige Festlegung erfolgt erst bei einem Master-Studium.“ Er fügt hinzu, ein solches weiterführendes Angebot werde gerade entwickelt: „Wenn die ersten Bachlor-Absolventen ihr Studium abgeschlossen haben, sind wir damit auch so weit.“

Besonders am FHM-Psychologiestudium ist die Tatsache, dass sich die Studierenden insgesamt 30 Stunden lang als Probanden für psychologische wissenschaftliche Tests zur Verfügung stellen müssen. Welche das seien, entschieden sie selbst. Es könnten Erhebungen von Kommilitonen sein oder Tests anderer wissenschaftlicher Institutionen. „Dieser Perspektivwechsel ist eine hervorragende Basis für eine weitere Aufgabe, nämlich die Konzeption und Durchführung einer eigenen Erhebung“, sagt der Wissenschaftliche Leiter des Studiengangs.

Die FHM verfügt über ein großes Netzwerk an Unternehmen und Organisationen, bei denen kleine Forschungsprojekte durchgeführt oder auch Praktika absolviert werden können. Niemeier: „Bekannte Fußballvereine gehören ebenso dazu wie Unternehmen, Bildungsanbieter und Kliniken.“

Wer sich für ein Studium an der FHM interessiert, muss auch Geld investieren. Die monatlichen Gebühren schwanken je nach Fach und Studienort zwischen 400 und 650 Euro. Hinzu kommen Prüfungsgebühren – und 150 Euro, wenn jemand sich unabhängig von dessen Ausgang dem Bewerbungsverfahren stellt. Niemeier beruhigt: „Dass wir eine Person abweisen, geschieht nur in Ausnahmefällen. Außerdem erhalten die Studieninteressierten ein ausführliches Kompetenzprofil, das ihnen bei Berufsfindung und weiterer Entwicklung helfen wird.“ Bewerben kann man sich jederzeit bei der FHM. Niemeier: „Die offizielle Einschreibung erfolgt dann, wenn das Abiturzeugnis in der Tasche ist.“ (Birgit Lutzer)

Kontakt:

Fachhochschule des Mittelstands (FHM)
Ravensberger Straße 10 G
33602 Bielefeld

Fon +49 (0) 5 21. 9 66 55-10

Wenn Azubis Azubis auswählen

(Halle/Westf.) Die Personalleitung der Flexicon AG hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Die Vorauswahl bei Ausbildungsplatz-Bewerbungen erfolgte in diesem Jahr durch vorhandene Azubis. Sie führten auch die ersten Vorstellungsgespräche. Das Projekt lief so gut, dass eine Fortsetzung geplant ist.

Bei Flexicon werden Mediengestalter mit zwei unterschiedlichen Schwerpunkten und Industriekaufleute ausgebildet. Ausbilderin Bianca Lammert verrät: „Berufe, die mit Medien zu tun haben, sind nach wie vor sehr gefragt.“ Momentan, so Lammert, gebe es noch keine Nachwuchs-Sorgen. Zunächst als eine Art Experiment geplant, stellten die Verantwortlichen in diesem Jahr das Bewerbungsverfahren um. „Beim letzten Bewerbungsgang haben unsere vorhandenen Azubis selbst die Vorauswahl aus den Unterlagen getroffen und die Erstgespräche geführt“, erläuterte Lammert, die selbst Medienfachwirtin ist.

Dieses Konzept zeigte positive Auswirkungen auf alle Beteiligten. Zunächst ist es für junge Bewerber einfacher, ein Gespräch mit fast Gleichalterigen zu führen. Lammert: „Ein Vorstellungsgespräch ist besonders für unerfahrene Stelleninteressenten mit Nervosität verbunden. Diese steigt natürlich, wenn das Gegenüber ein gestandener Business-Mensch in Nadelstreifen ist.“

Die bereits eingestellten Flexicon-Azubis aus dem Bewerbungs-Projektteam sind ebenfalls begeistert. Damit sie wussten, worauf sie bei der Sichtung der Unterlagen und beim Vorstellungsgespräch achten sollten, erhielten sie Unterstützung durch die Personalabteilung. Denn was der Unternehmensleitung laut Lammert am Herzen liegt, ist eine breit aufgestellte Berufs-Kompetenz der Auszubildenden: „Und die bekommen sie, wenn sie sich ungewohnten Anforderungen stellen müssen, die auch außerhalb der normalen Ausbildung liegen können.“ Und die Aufgabe, Bewerbungsunterlagen zu prüfen und Vorstellungsgespräch zu führen, stellt sich normalerweise später im Berufsleben.

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Laura Grube, Bianca Lammert und Heide Holtmann

Heide Holtmann, Industriekauffrau im ersten Lehrjahr: „Es war ein ganz neues Gefühl, auf der anderen Seite des Tisches beim Vorstellungsgespräch zu sitzen.“ Als externe Hilfe hinzu kam Laura Grube. Sie studiert Personalmanagement an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld. „Jedes Vorstellungsgespräch wurde von zwei Azubis und von mir geführt. Ich habe das Protokoll geführt und am Schluss bei Bedarf weitere Fragen gestellt“, erläutert die angehende Personal-Fachfrau.

Nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen aus der Personalabteilung wurden die A-Kandidaten bzw. Favoriten zu weiteren Gesprächen eingeladen, unter anderem mit Personalleiter Andreas Grube und Bianca Lammert. Das Ergebnis war überraschend, wie Lammert verrät: „Die Vorschläge unserer Auszubildenden deckten sich mit unserer Einschätzung.“ Außerdem seien die Personalverantwortlichen „erheblich entlastet worden.“ Also entsteht durch das Konzept „Azubis wählen Azubis aus“ eine Win-Win-Win-Situation. (Birgit Lutzer)

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