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Mobiles Arbeiten – 4.0 vom Pool aus

Mobiles Arbeiten

Mobiles Arbeiten bedeutet Freiheit. Mitarbeiter können zeitunabhängig von jedem Ort der Welt aus für ihren Job aktiv sein. Sogar vom Swimming-Pool aus. Und Firmen sparen zum Beispiel Büromiete. Doch warum nutzen erst 50 Prozent der Unternehmen diese Möglichkeit? (Bild: © Annatamila / Fotolia)

Antworten gibt Unternehmensberater Eckhard Eyer. Der Inhaber der Ockenfelser Unternehmensberatung „Perspektive Eyer Consulting“, ist u. a. Experte für die Entwicklung und Umsetzung von Führungs- und Entgeltsystemen. Einen wichtigen Kompetenz-Schwerpunkt des Fachbuchautors bilden die arbeitsorganisatorischen und rechtlichen Folgen von 4.0.

Kommt mobiles Arbeiten nur für wenige Firmen in Frage?

Der Grund für die Zurückhaltung könnte an der Art der Berufe liegen. Klassiker des mobilen Arbeitens sind einer wissenschaftlichen Studie* zufolge Jobs in Marketing, Vertrieb und Beratung. Doch 4.0 bietet weitaus mehr Einsatzmöglichkeiten, die bereits genutzt werden: In Krankenhäusern und bei Hausbesuchen führen Ärzte Tablet-gestützte Patientengespräche durch. Piloten tragen einen „elektronischen Koffer“ mit Handbüchern, Wetterkarten und Navigationshilfen bei sich. Auch Maschinen lassen sich zum Beispiel cloudgestützt aus der Ferne mit dem Smartphone steuern und warten.

Auch wenn die Katze im Büro ist, tanzen die Mäuse auf dem Schreibtisch

Der Diplom-Ingenieur und Diplomkaufmann hat einen Erklärungsansatz für die Zurückhaltung vieler Firmenchefs und Mitarbeiter in Bezug auf mobile Arbeitsplätze: „Die Führungskräfte haben Angst vor Kontrollverlust. Sie befürchten, ein Mitarbeiter im Homeoffice könnte wegen der verlockenden Freiheit nicht die gleiche Leistung erbringen wie im Büro.“ Eyer weist darauf hin, eine Person, die dem Vorgesetzten auf der Nase herumtanzen wolle, könne dies auch vom firmeneigenen Arbeitsplatz aus. „Es finden sich durch die technischen Möglichkeiten immer Wege, unentdeckt privat zu surfen, zu kommunizieren oder sogar parallel für andere Auftraggeber tätig zu sein.“

Mobiles Arbeiten – zwei Wege können aus dem Dilemma führen

Der Unternehmensberater sieht zwei wesentliche Ansatzpunkte, um mit dieser Situation umzugehen: die Festsetzung von festen Leistungspaketen bzw. Zielen und die emotionale Bindung der Mitarbeiter an die Firma. Von juristischer Bedeutung sei beim Weg mit den „Leistungspaketen“ die Art des Arbeitsvertrags. Während ein Werkvertrag auf die Erbringung einer bestimmten Leistung abgestellt wäre, räume ein Dienstvertrag dem Unternehmer Anspruch auf die Arbeitszeit der Beschäftigten ein. „Es ist auch bei einem Dienstvertrag notwendig, wenigstens Teile daraus in Form von Leistungen festzuschreiben – oder diese in einer  Zielvereinbarung zu fixieren“, betont Eyer.

Skepsis gegen mobiles Arbeiten besteht auch auf Seiten der Mitarbeiter

Der 4.0-Experte mit REFA-Hintergrund nennt das Beispiel von Großunternehmen, die ihren Mitarbeitern für bestimmte Tätigkeiten fest zwei bis drei Tage pro Woche im Homeoffice anbieten. „Doch dies wird oft nicht annähernd ausgeschöpft. Die Leute wollen lieber vor Ort sein.“ Diesem Verhalten liege ebenfalls eine Angst zugrunde: „Sie befürchten, abgehängt zu werden.“ Wer in der Ferne weile, verpasse den „Flurfunk“ und andere informelle Gespräche. Die persönliche Begegnung mache es darüber hinaus einfacher, nutzbringende Beziehungen zu knüpfen. Und: „Sind alle in der Firma, ist es möglich, sich spontan zu einem Meeting zusammenzusetzen.“ Selbst wenn es Skype und andere Online-Konferenzprogramme gebe: „Es ist etwas anderes als das direkte Zusammentreffen.“

Transparenz und Vertrauenskultur sind die Basis für mobiles Arbeiten

Damit die Vorbehalte beider Parteien – Führungskräfte und Mitarbeiter – beseitigt werden können, ist Eyer zufolge Transparenz und eine positive, von Vertrauen getragene Beziehung förderlich. „Dabei ist bei der mobilen Arbeit die Führung auf Distanz zu berücksichtigen.“ Dies erfordere auch eine Definition von Leistung und Arbeitszeit im Licht der neuen Arbeit und der neuen Bedingungen ihrer Ausgestaltung. „In den Prozess der Gestaltung der mobilen Arbeit ist der Betriebsrat rechtzeitig und angemessen einzubeziehen, damit er die zukunftsweisenden Entwicklungen erkennen und mitgestalten kann. Es wäre fatal, wenn er diese Entwicklungen blockiert, weil er sie – aus mangelnder Kenntnis – nicht mittragen kann. “

Um die persönlichen Bindungen innerhalb des Unternehmens zu stärken, können die Verantwortlichen die Belegschaft oder Teile davon öfter einmal zu Meetings mit Event-Charakter zusammenführen. Bei diesen sollte neben einem spannenden Programm Raum für zwischenmenschliche Begegnungen und Mitarbeiterbindung sein. Eyer: „Darüber hinaus sind regelmäßige persönliche Gespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeitern nötig.“ Eine wertschätzende Atmosphäre sei dabei ebenso wichtig wie das Anknüpfen an den Stärken des Mitarbeiters. Der Unternehmensberater ist zuversichtlich: „Gelingen das Führen auf Distanz und die Integrierung von auswärts tätigen Mitarbeitern, ist das mobile Arbeiten eine wertvolle Option für beide Seiten.“ (Birgit Lutzer)

*Befragt wurden 680 Entscheidungsträger aus Unternehmen zum mobilen Arbeiten. Auftraggeber der wissenschaftlichen Erhebung ist die spring Messe Management GmbH. Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) und das Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie (bao GmbH) führten Interviews und Auswertung durch. Quelle für die Studie „Mobiles Arbeiten“: http://www.dgfp.de/assets/news/2016/Ergebnisbericht-Studie-Mobiles-Arbeiten.pdf, Zugriff am 14.06.2017

Über Dipl.-Ing. Dipl.-Kfm. Eckhard Eyer

Mobiles ArbeitenJahrgang 1958, studierte er Maschinenbau in Kaiserslautern und Be­triebs­wirt­schafts­lehre in Mann­heim. Er ar­bei­tete zu­nächst bei den SKF Kugel­lager­fabri­ken in Schwein­furt und an­schließend bei der G. M. PFAFF AG, Kai­sers­lautern. Von Januar 1989 bis Juni 1997 war er wissen­schaft­licher Mitar­beiter des Instituts für angewandte Arbeits­wis­sen­schaft e. V., Köln, im Fachbereich Ent­gelt­ge­stal­tung. Eckhard Eyer ist Inhaber der Unternehmensberatung „Perspektive Eyer Consulting“, Ockenfels, mit den Arbeits­schwer­punk­ten: konzep­tio­nelle Bera­tung von Unter­neh­men bei der Ent­wick­lung und Um­set­zung von Füh­rungs- und Ent­gelt­syste­men sowie dem Ab­schluss von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und Haus­ta­rif­ver­trä­gen. Er berät Arbeit­geber­ver­bände und Gewerk­schaf­ten bei der Ge­stal­tung von Ent­gelt­tarif­ver­trä­gen. Neben seinen lang­jäh­ri­gen Er­fah­run­gen in der Wirt­schaft hat er sich in den letz­ten Jah­ren auch einen Na­men als Ver­gütungs­be­ra­ter in der Sozial- und Gesundheitswirt­schaft ge­macht. Zu den oben ge­nann­ten The­men führt er über­be­trieb­li­che und be­trieb­li­che Work­shops und Semi­nare durch und ist Lehr­be­auf­trag­ter an der Uni­ver­si­tät Trier.

Baxter: Bindung durch Transparenz und Teilhabe

Halle-Künsebeck. Bei der Baxter Oncology GmbH ist Transparenz angesagt. Die gläsernen Wände in der neuen Produktionsstätte ermöglichen den freien Blick auf Kollegen, Gerätschaften und Abläufe. Beim Mitarbeitertag Mitte Mai durften die Belegschaftsmitglieder als erste das Technologiezentrum auf geführten Rundgängen besichtigen.

Personalleiter Jürgen Fleischer erläuterte: „Die Teilhabe an Informationen ist ein wichtiger Part unseres Mitarbeiterbindungs-Konzepts.“ Das Angebot, sich vor Ort ein Bild von der „Raumstation“ zu machen, wurde gut angenommen: Trauben an Menschen mit Schutzanzügen, Schuh-Überziehern und Haarhauben schoben sich durch die Sicherheitsbereiche. Fleischer verriet: „Offizieller Beginn der Produktion ist am Ende des Jahres. Dann kommt hier keiner mehr einfach so herein.“ Umrahmt wurde der Mitarbeiter-Tag von einem Begleitprogramm mit Kinder-Unterhaltung, Improvisationskünstlern sowie Speisen und Getränken in einem Festzelt.

Familie Hasler nutze die Gelegenheit, an einem geführten Rundgang durch die neue Baxter-Produktionsstätte teilzunehmen. Von links Nicole Hasler mit Jannik (1) und Kai Hasler mit Annika (4).

Familie Hasler nutze die Gelegenheit, an einem geführten Rundgang durch die neue Baxter-Produktionsstätte teilzunehmen. Von links Nicole Hasler mit Jannik (1) und Kai Hasler mit Annika (4).

Kai Hasler, Betriebsleiter bei dem auf Anti-Krebsmedikamente spezialisierten Pharmaunternehmen, brachte Frau und Kinder mit zur Veranstaltung. „Sie sollen mal sehen, wo der Papa arbeitet“, berichtete er. Schon das Hineinklettern in die Schutzanzüge mit tatkräftiger Eltern-Hilfe war ein Abenteuer für die Kleinen. Auch wenn sie von den Ausführungen der Rundgangs-Leiter nichts verstanden haben dürften, entsteht ein bleibender bildhafter Eindruck.

Durch die neue Produktionsstätte, in die Baxter 56 Millionen Euro gesteckt hat, entstehen in Halle 50 neue Arbeitsplätze für Ingenieure, Apotheker, Pharmakanten, Chemikanten und Chemielaboranten. Die Firmenleitung ist optimistisch, dass sich die Investition lohnt. Fleischer fasste die Gründe dafür zusammen: „Die Weltbevölkerung wächst und die Menschen werden im Schnitt viel älter als früher. Deshalb steigt die Zahl der Krebserkrankungen und wir bewegen uns in einem Wachstumsmarkt.“ Er fügte hinzu, das sei eigentlich makaber. „Wir wünschen niemandem, dass er unsere Produkte braucht.“

Der Technische Leiter des neuen Zentrums, Frank Generotzky, drückte denselben Sachverhalt positiv aus: „Wir freuen uns, dass wir in Halle bald die Möglichkeit haben, noch mehr Menschenleben durch unsere Medikamente zu retten.“ Und diese Aussage entspricht nach Auskunft von Fleischer auch der Einstellung der meisten Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber gegenüber: „Sie sind stolz darauf, dass Sie an etwas Sinnvollem und für die Menschheit Nützlichem mitwirken dürfen.“ (Birgit Lutzer)

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