Bei Gräber werden Spaghetti mit REFA sortiert

//Bei Gräber werden Spaghetti mit REFA sortiert
Spaghetti

Spaghetti sollen durcheinander auf dem Teller liegen. Sind jedoch Maschinen in einer Produktionshalle so angeordnet, wird dadurch viel Zeit verschwendet. Die Firma Gräber Feinwerktechnik aus Trappenkamp in Schleswig-Holstein setzte dem Spaghetti Arbeitsfluss ein Ende – mit Hilfe der REFA-Lehre. ( Bild: © Roman Stetsyk / Fotolia ) (Werbung)

Auf einen Blick:
  • Mit Hilfe der REFA-Lehre lassen sich die Abläufe in Unternehmen nachhaltig verbessern
  • Die Firma Gräber Feinwerktechnik machte davon Gebrauch und merzte Verschwendung aus
  • Die Maschinen in der Fertigungshalle wurden nach Materialfluss aufgestellt
  • Statt aufwändiger Zettelwirtschaft ist nun fast alles digitalisiert
  • Auch ergonomische Gesichtspunkte standen im Fokus

Die Gräber Feinwerktechnik GmbH & Co KG hat ihre Betriebsprozesse mit Hilfe der REFA-Lehre optimiert und digitalisiert. Produktionsleiter Thomas Stangl (rechts) zeigt, was vorher ungünstig lief und welche REFA-Instrumente eingesetzt wurden. Martin Lott, Geschäftsführer des REFA Nordwest Regionalverbands Nord (Mitte), hat weitere Tipps für Entscheidungsträger in Industrieunternehmen.Die Entwicklung, Konstruktion, Produktion und der Vertrieb von feinmechanischen und elektrischen Baugruppen und Komponenten sind die Kernkompetenzen der Fa. Gräber Feinwerktechnik GmbH & Co KG aus dem norddeutschen Trappenkamp. Thomas Stangl: „Die Produktion der Teile lief bis Juli 2016 in Eigenproduktion nach Grundsätzen von Anno Tobak. Das konnte so nicht mehr weitergehen. “Wirtschaftlichkeit, Ressourcen-Verbrauch und Materialeffizienz seien weit von aktuellen Standards entfernt gewesen.

Mit der REFA-Brille sahen die Verantwortlichen bei Gräber den Verbesserungsbedarf

Stangl, selbst REFA-Arbeitsorganisator, entwickelte das Verbesserungskonzept und bekam die Freigabe zur Umsetzung von Geschäftsführer Michael Gräber (auf dem Bild links). Der Firmenchef sagt: „Unter Einsatz interner und externer Ressourcen sollen die Prozesse vollkommen neugestaltet und in ein modernes ERP-System implementiert werden.“ Er setzte sich also die REFA-Brille auf und nahm die Aufbau- und Ablauforganisation sowie die Schnittstellen unter die Lupe. Besonderes Augenmerk richtete er dabei auf mögliche Verschwendung. Martin Lott: „Bei REFA unterscheiden wir sieben verschiedene Arten. Dazu gehören Arbeiten ohne Wertschöpfung, Überproduktion, Wartezeiten oder auch eine ungünstig organisierte Logistik.“ Hinzu kämen überflüssige Bewegungen, Fehler und Zeitaufwand durch Kommunikationsprobleme.

So entsteht Spaghetti Fluss: Wo gerade Platz war, wurden neue Maschinen aufgestellt

Stangl beschreibt die Ausgangssituation in der Fertigung. „Die Produktionsstätte hat vier Ausbaustufen. „Im Laufe der Jahre wurden die Anlagen und Maschinen so angeordnet, wie es gerade passte.“ Das Ergebnis sei eine Art „Spagetti-Fluss“ gewesen, da die Teile im Herstellungsverlauf kreuz und quer durch die Halle wanderten. „Das hatte eine hohe Durchlaufzeit zur Folge mit überflüssigen Wegen und vielen Verzögerungen.“ Ein weiterer unerwünschter Nebeneffekt habe sich in den Zahlen gezeigt: „Wir hatten zu viel gebundenes Kapital von angearbeiteten Aufträgen in der Warteschleife.

Eine Transporttabelle brachte die vielen überflüssigen Wege ans Licht

Stangl erstellte Eine Transporttabelle nach Sankey, die auch Bestandteil der REFA-Lehre ist. Darin erfasste er alle für eine für die interne Logistik notwendigen Transporte. Lott: „Es geht dabei um die Anordnung der Produktion nach dem Haupt-Materialfluss in das Korsett der bestehenden Gebäude-Struktur“, erläutert Lott. Stangl ergänzt: „Das hatte bei uns eine enorme Wirkung mit viel höherer Wertschöpfung und Zeitersparnis.“

Auch ergonomische Anforderungen mussten erfüllt werden

Stangl weist auf eine wichtige Zusatz-Anforderung hin: „Der richtige körperliche Einsatz unserer Mitarbeiter bei der Arbeit unter ergonomischen Gesichtspunkten war ebenfalls ein Kriterium für Verbesserungen.“ Lott: „Auch hier bietet die REFA-Lehre einen Fundus an Ideen und Ansätzen. Denn jeder Mensch ist individuell. Und das sollte bei der Arbeitsplatzgestaltung berücksichtigt werden.“ Ansatzpunkte bei REFA seien deshalb das Arbeitsmaterial in Form eingesetzter Technik, Werkzeuge und Hilfsmittel, der Arbeitsplatz und die weitere Umgebung. „Auch die Arbeitsorganisation wirkt sich auf die Gesundheit aus. Es muss einen Ausgleich geben durch Aufgaben-Vielfalt und Belastungswechsel.“

Gleichmäßige Auslastung statt Spaghetti Durcheinander

Und so sieht das bei Gräber aus: „Wir wollen eine gleichmäßige Auslastung von Mensch und Maschine gewährleisten. Deshalb nivellieren wir die Produktion mit Aufträgen, die zu einem späteren Zeitpunkt an der Reihe sind“, schildert Stangl. Gräber nennt einen weiteren Vorteil: „So können wir den Kunden bestellte Teile oft schon viel früher zur Verfügung stellen.“

Ein neues ERP-System ersetzte die unpraktische Zettelwirtschaft

Weitere Ziele bestanden darin, die „Zettelwirtschaft“ zu Gunsten einer weitgehend papierlosen, digitalisierten Auftragsabwicklung abzuschaffen. Stangl: „Dazu führen wir ein neues ERP-System ein. Dieses enthält ein integriertes Daten-Management System.“ Daten werden über das Einscannen von Barcodes erfasst. Auch die Produktentwicklung verläuft digitalisiert. Gräber: „Wir arbeiten mit einem modernen CAD CAM-System.“ Die Programmierung für die Dreh- und Fräsmaschinen sowie Stanzmaschinen sorge für durchgängige Prozesse, minimiere Durchlaufzeiten und erhöhe die Zuverlässigkeit. „So erreichen wir ein Höchstmaß an Qualität, Prozesssicherheit und Kosteneffizienz“, erläutert der Firmenchef. (Thomas Stangl/Birgit Lutzer)