OWL-Vermischtes

Sonstige Meldungen aus OWL

Nicht träumen, machen! Joachim Lembke baute Hausboot mit eigenen Händen

Bootsmann„In meinen Vorstellungen bin ich sehr speziell. Deshalb habe ich mein eigenes Boot gebaut.“ sagt der 64-jährige Ingenieur Joachim Lembke aus Werther/Westf. und blickt stolz auf die Ankebajo. Die stattliche Dame bringt 9,5 Tonnen auf die Waage und ist 14 Meter lang.

 

Nach vier Jahren harter Arbeit wurde sie nun zu Wasser gelassen. Bis dahin war es ein langer Weg, denn am Anfang gab es nur eine Idee. Zunächst konstruierte der selbstständige Statiker das Hausboot mit einem CAD-Programm. Behindertengerecht sollte es sein und genug überdachte Wohnfläche für mindestens vier Personen bieten. Dieses Meisterwerk ist ihm gelungen. Das Innere der Ankebajo ist auf den Millimeter abgestimmt und besser ausgestattet, als manches Studentendomizil. Ein Schlafzimmer, ein Gästezimmer, ein Bad mit ebenerdiger Dusche und eine geräumige Wohnküche mit Cockpit werden ergänzt durch das Deck. Auch von dort aus lässt sich das Boot steuern. Ebenso wie das Wasserfahrzeug selbst, ist auch dessen Name originell: „Ankebajo“ setzt sich aus den Vornamen der vier Familienmitglieder Antje, Kerstin, Barbara und Joachim zusammen.

Keine Nuckelpinne, sondern eine "Kawenzfrau" ist die Ankebajo.

Keine Nuckelpinne, sondern eine „Kawenzfrau“.

Die Mühsal hat einen Preis gekostet, der weit über dem materiellen Wert von hunderttausend Euro liegt. Das Schrauben, Sägen und Zusammenbauen der vielen Einzelteile hat sich negativ auf die Beweglichkeit seiner Hände ausgewirkt. Doch Lembke ist optimistisch: „Die Finger erholen sich wieder.“

Auch Zeit ist ein wichtiger Faktor gewesen. Über vier Jahre lang hat der Wertheraner fast jedes Wochenende auf dem Boot verbracht. „Ich konnte diese Idee nur verwirklichen, weil meine Frau Barbara und unsere Töchter mich unterstützt haben.“ Er weiß, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Nicht alle Familien können so lange regelmäßig auf den Vater verzichten.

Auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis lächelt er. „Schon mein Vater, ein Architekt, liebte das Herumtüfteln und das Lösen kniffeliger Aufgaben. Von ihm habe ich den Spaß an Herausforderungen geerbt.“ Ein wichtiger Faktor, so Lembke, sei sein Durchhaltevermögen – insbesondere dann, wenn plötzlich unerwartete Hindernisse auftauchten. „Auch wenn es noch so schwierig erscheint – du findest irgendwann einen Weg.“ Seinen inneren Schweinehund habe er fest im Griff. „Der hat sich die ganzen vier Jahre lang nicht gemeldet.“ Trotzdem ist der Bootsmann froh, dass nun gemütlichere Zeiten anbrechen. Die normalen Urlaubszeiten will die Familie nun für Fahrten nutzen. „Im Alter, wenn ich nicht mehr arbeite, werde ich mit meiner Frau durch Europa reisen.“ Wann das sein wird, verrät er nicht.

Zu Kiss und AC/DC wieder jung sein: Rock-Oldie-Night in der Friedrichshöhe

Karin Wiefel aus Greffen und Cathy Heinicke aus Bielefeld gehören zu den Stammgästen der Rock-Oldie-Night.

Karin Wiefel und Cathy Heinicke rocken ab.

Während „Born tob e wild“ aus den Boxen dröhnt und die Diskokugel Lichtreflexe auf den geziegelten Boden der Deele zaubert, ist die Tanzfläche des Rock’n Blues Rasthouse „Friedrichshöhe“ in Steinhagen voll mit gut gelaunten älteren Semestern. DJ „Lütti“ spielt einen Hit nach dem anderen.

Cathy Heinicke ist aus Bielefeld gekommen. Sie möchte mal wieder »richtig abtanzen« zu Klängen, die sie schon früher begeistert haben. Die Leidenschaft für Oldies aus den sechziger und siebziger Jahren teilt sie mit den rund 45 anderen Gästen.“ Am liebsten mag ich Kiss, AC/DC und Motörhead.“ verrät die Rocker-Braut, deren verzierte Kutte ein Hingucker ist. Die Jeansweste mit abgeschnittenen Ärmeln ist in Motorradfahrer-Kreisen verbreitet und wird mit Clubabzeichen, Aufnähern von Bands und Ansteckern versehen. Sie drückt das Lebensgefühl der Trägerin aus: „Die Kutte ist ein Teil von mir!“, so die 54-Jährige, die regelmäßig zu der Friedrichshöhen-Party kommt. Auch Karin Wiefel (49) aus dem 25 Kilometer entfernten Greffen gehört zum Stammpublikum: „In meinem Heimatort gibt es keine interessanten Veranstaltungen mit Rockmusik. Aber ich habe ja ein Auto, um hierhin zu kommen.“

Am Tresen herrscht reges Leben. Überall stehen kleine Grüppchen, die sich angeregt unterhalten. Viele kennen sich untereinander, denn die Rock-Oldie-Night hat Tradition. Zunächst fand die Veranstaltung acht Jahre im B3 in Borgholzhausen statt. Vor zwei Jahren ergriff Gerd Tigges, Inhaber des Rock- und Blues-Rasthauses »Friedrichshöhe« die Chance, die Party in seiner Kneipe auszurichten. „Ich habe vorher regelmäßig Events gemacht, wo ich selbst am Plattenteller stand. Dazu hatte ich keine Zeit mehr. Und Lütti macht einfach gute Musik.“ Nicht nur Rockhits, sondern auch andere Dauerbrenner aus den 70er Jahren werden je nach Stimmung des Publikums gespielt. Lütti erfüllt nach Möglichkeit alle Musikwünsche, sofern die Lieder in seiner Sammlung sind und zum Motto der Rock-Oldie-Night passen. Immer wieder kommen deshalb Gäste zu dem kleinen Tresen, hinter dem der 64-Jährige auflegt. Lütti: „Die Leute kenne ich zum Teil noch aus meiner Zeit als DJ im Rave in Halle.“ Diese Rock-Disko befand sich in den 70er Jahren  in einem ehemaligen Papierkeller des Haller Kreisblatts.

Die Liebe zu klassischer Rockmusik verbindet ganze Familien. Petra Höner aus Bielefeld-Jöllenbeck hat ihren Mann, ihre zwei Töchter und ihren Schwiegersohn mitgebracht. „Wir Eltern stehen auf die Musik und die Kinder sind damit aufgewachsen.“ Als sie aufsteht und zur Tanzfläche geht, sagt sie mit einem Lächeln: „Hier kann man einmal im Monat noch mal jung sein.“

Die Rock-Oldie-Night findet jeweils am ersten Samstag im Monat in der Friedrichshöhe, Kaistraße 48, 33803 Steinhagen statt.

Von Birgit Lutzer, erschienen im

http://wordpress.p223208.webspaceconfig.de/wp-login.php?loggedout=trueksekur9/#