OWL-Wirtschaft

Infos zum Arbeitsmarkt und zur wirtschaftlichen Entwicklung in OWL

IHK lädt zum Unternehmertag mit Frank-Walter Steinmeier

(Bielefeld – OWL) Dr. Frank-Walter Steinmeier spricht beim diesjährigen Unternehmertag OWL zum Thema „Welt aus den Fugen – die internationale Verantwortung Deutschlands“.

Die traditionelle Wirtschaftsveranstaltung mit dem Bundesaußenminister beginnt am Montag, 2. November 2015, um 18 Uhr, in der Stadthalle Bielefeld, teilt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) stellvertretend für die 14 Veranstalter-Organisationen aus der Wirtschaft mit. Einladungen zum Unternehmertag sind ab sofort erhältlich bei: IHK, Jessica Scheele und können per E-Mail bestellt werden: j.scheele@ostwestfalen.ihk.de.

Frank-Walter Steinmeier wurde 1956 in Detmold geboren und absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. 1999 wurde er Chef des Bundeskanzleramts. Bereits von 2005 bis 2009 war er Bundesminister des Auswärtigen und ab November 2007 Vizekanzler. Danach (2009 – 2013) war er Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und seit dem 17. Dezember 2013 ist Steinmeier erneut Bundesaußenminister.

Steinmeier setzt die Reihe prominenter Redner des seit 1981 veranstalteten Unternehmertages OWL fort. Die Vorgänger waren: Otto Graf Lambsdorff, Dr. Gerhard Stoltenberg, Otto Esser, Dr. Martin Bangemann, Dr. h.c. Johannes Rau, Dr. Lothar Späth, Dr. Wolfgang Schäuble, Dr. Norbert Blüm, Dr. Helmut Haussmann, Dr. Klaus Murmann, Dr. Manfred Stolpe, Dr. Tyll Necker, Dr. Günter Rexrodt, Dr. Hans Tietmeyer, Dr. Bernhard Vogel, Erwin Teufel, Dr. Dieter Hundt, Bernhard Jagoda, Dr. Edmund Stoiber, Dr. Angela Merkel, Hans Eichel, Ernst Welteke, Gerhard Schröder, Roland Koch, Günter Verheugen, Michael Glos, Peer Steinbrück, Dr. Guido Westerwelle, Prof. Dr. Hans-Peter Keitel, Dr. Norbert Röttgen, Günther H. Oettinger, Jean-Claude Juncker, Ulrich Grillo sowie Jens Weidmann im vergangenen Jahr. (Kristina Fuchs, IHK Ostwestfalen zu Bielefeld)

Ausbildungspakt: Mehr Azubis in zwei Branchen

Der Ausbildungspakt der Bundesregierung zahlt sich auch in OWL aus: Etwa jede fünfte Ausbildungsstelle in Ostwestfalen fällt in die Gruppe der Industriekaufleute, Einzelhandels- sowie Groß- und Außenhandelskaufleute. Doch auch die Ausbildung bei Versicherungen, in der Elektroindustrie und in der Verkehr- und Logistik-Branche scheint für Jugendliche immer attraktiver zu werden.

Dies zeigt eine Auswertung der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) zur Ausbildungsentwicklung in den einzelnen Berufen und Berufsgruppen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 22,3 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Jahr 2003 – dem letzten Jahr vor der Unterzeichnung des Ausbildungspakts auf Bundesebene.

„Die Bundesregierung und die Spitzenorganisation der Wirtschaft haben im Juni 2004 den ersten Ausbildungspakt unterzeichnet, in dem sich alle Seiten zu mehr Anstrengungen und Leistungen zur Verbesserung der Ausbildungssituation verpflichtet haben“, erläutert IHK-Geschäftsführer Swen Binner die Grundlagen der Analyse. Zu den Bestandteilen des Paktes auf IHK-Seite zählten unter anderem die Einstellung zusätzlicher Ausbildungs-Akquisiteure, eine engere Zusammenarbeit mit den Unternehmen und zusätzliche Veranstaltungen wie beispielsweise das Azubi-Speed-Dating. „Die Maßnahmen griffen erstmalig im Jahr 2004, sodass der Vergleich der Neueintragungen aus 2014 und 2003 den gesamten Paktzeitraum umfasst“, erklärt Binner.

Danach verzeichnen in den Berufsgruppen die Bereiche Verkehr, Transport, Logistik mit + 46,5 Prozent (331 neue Ausbildungsverträge in 2014) sowie die Versicherungen (+ 55,1 Prozent / absolut 121 Verträge) die stärksten Zuwächse. „Interessant ist auch, dass allein auf die Handelsberufe, also Einzelhandel und Großhandel, gut 22 Prozent aller bei der IHK eingetragenen Ausbildungsverträge entfallen, nämlich 1.677 von 7.580“, erklärt Binner. „Auch die Berufe der Metallverarbeitung stellen mit 15,6 Prozent einen überproportional starken Ausbildungsbereich dar.“ Die absolut stärksten Einzelberufe waren im letzten Jahr die Industriekaufleute (826 neue Ausbildungsverträge), die Kaufleute im Einzelhandel (700) sowie die Kaufleute im Groß- und Außenhandel (457).

„An den Zuwächsen in der Logistik wird die Bedeutung der Tätigkeitsfelder in diesem Bereich deutlich. Die Fachkräfte für Lagerlogistik als dreijähriger Ausbildungsberuf haben sich mit 249 Ausbildungsverträgen verdreifacht, die zweijährigen Fachlageristen mit 92 eingetragenen Verträgen mehr als verdoppelt“, sagt Binner. Hohe Zuwächse erzielten auch die Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung (+ 80,4 Prozent / absolut 175), die Verkäufer (+ 68,5 Prozent / absolut 418) sowie die Fachinformatiker Systemintegration (+ 51,6 Prozent / absolut 188).

In einzelnen Berufen wurden im vergangenen Jahr jedoch deutlich weniger Verträge als 2003 eingetragen, z. B. bei den IT-Systemelektronikern (- 30,3 Prozent / absolut 46 Verträge), den Restaurantfachleuten (-26 Prozent / absolut 54) und den Köchen (- 25,3 Prozent / absolut 139).

Insgesamt überwiegen die männlichen Auszubildenden mit 62,7 Prozent (4.755), deren Anteil sich seit dem Jahr 2003 um fast 30 Prozent erhöht hat. Die Zahl der Ausbildungsverträge mit weiblichen Auszubildenden ist in diesem Zeitraum um zehn Prozent auf 2.787 angestiegen.

Binner rechnet für das laufende Ausbildungsjahr mit einem weiteren deutlichen Zuwachs der Ausbildungsverträge, wenn die Unternehmen ihre offenen Ausbildungsstellen adäquat besetzen können. (Kristina Fuchs, IHK Ostwestfalen zu Bielefeld)

IHK: Ausbildungsangebot steigt, Interesse bei Jugendlichen sinkt

Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) hat Anfang April insgesamt acht Prozent mehr Ausbildungsverträge eingetragen als zum Vorjahreszeitpunkt (absolut 2.961; 2014 = 2.741). Dabei fällt der Anstieg in den gewerblich-technischen Berufen mit 15,1 Prozent noch deutlich stärker aus als in den kaufmännischen (+ 3,7 Prozent).

„Wir verstehen das Ergebnis als Zwischenstand, da die Mehrzahl der Ausbildungsverträge erst in den nächsten Wochen und Monaten eingetragen wird. Es ist aber umso erfreulicher, da uns die Unternehmen vermehrt ein zu geringes Interesse an dualer Ausbildung melden. Alle Verantwortlichen sind hier aufgefordert, die Perspektiven beruflicher Bildung den Schülerinnen und Schülern noch stärker zu verdeutlichen, da Bewerberzahlen in den nächsten Jahren weiter sinken werden“, appelliert IHK-Geschäftsführer Berufliche Bildung Swen Binner.

Aus seiner Sicht korrespondieren die Zahlen mit den Statistiken der Agenturen für Arbeit. Für Ostwestfalen melden sie offiziell 5.241 unbesetzte Berufsausbildungsstellen für 6.134 unvermittelte Bewerber. Damit liegt die Zahl der Bewerber auf dem Vorjahresstand, während die Zahl der offenen Ausbildungsstellen um 8,5 Prozent ansteigt. „Auch die Zahlen der Agenturen für Arbeit sind ein Indiz dafür, dass offene Ausbildungsstellen nicht hinreichend besetzt werden können. Erfahrungsgemäß nimmt der Trend zur Akademisierung weiter zu“, so Binner.

Nach seinen Worten ist bemerkenswert, dass mittlerweile für Ostwestfalen eine Relation der gemeldeten offenen Ausbildungsstellen zu den unvermittelten Bewerbern von 0,85 erreicht worden ist. „Wenn wir bedenken, dass nur rund 60 Prozent der Unternehmen ihre offenen Ausbildungsstellen komplett den Agenturen für Arbeit melden, sieht die Relation de facto noch besser aus“, so der IHK-Geschäftsführer. Zum Vorjahreszeitpunkt lag diese Relation bei 0,79. Vergleiche man den 10-Jahres-Zeitraum, so lag sie im März 2005 lediglich bei 0,43.

Regional geht die Schere allerdings deutlich auseinander. Aktuell verzeichnet die IHK Ostwestfalen das höchste Plus im Kreis Herford (19,2 Prozent), gefolgt vom Kreis Paderborn (+ 14,7 Prozent), dem Kreis Minden-Lübbecke (+ 13,1 Prozent) und dem Kreis Höxter (+ 11,8 Prozent). Der Kreis Gütersloh liegt leicht über Vorjahresniveau, während die Situation in Bielefeld mit – 7,2 Prozent derzeit angespannt ist.
Für die IHK kündigt Binner an, die Akquisition offener Ausbildungsstellen zu intensivieren. In einer Sonderaktion werden die Führungskräfte der Abteilung bis Anfang Juni insgesamt 300 nicht ausbildende Betriebe persönlich kontaktieren, um sie für die Ausbildung zu gewinnen.

Auch die Ausbildungsstellenakquisiteure werden ihre Bemühungen verstärken. „Noch wichtiger ist es, mit den Schulen zusammenzuarbeiten und den Schülerinnen und Schülern die vielfältigen Möglichkeiten der beruflichen Bildung zu erklären. In dieser Hinsicht leistet auch das in allen Kreisen und in der Stadt Bielefeld erfolgreich begonnene Übergangsmanagement KAoA („Kein Abschluss ohne Anschluss“) wertvolle Unterstützung“, so Binner. (Kristina Fuchs, IHK Bielefeld)

Welche Fachkräfte gerade besonders gesucht sind: Aktuelle Zahlen

Zum Fachkräftemangel in Deutschland sagt Andrea Nahles, Bundesministerin für Wirtschaft und Soziales im aktuellen Fortschrittsbericht ihres Ministeriums: „Schon jetzt gibt es in einigen Berufen und Regionen Engpässe. Dieser Trend wird sich zukünftig noch verstärken.“ Doch was bedeutet das in Zahlen und Fakten?

Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel könne keineswegs die Rede sein, beruhigt die Ministerin. Die Arbeitskräftenachfrage bliebe jedoch auf einem relativ hohen Niveau: „Im dritten Quartal 2014 gab es 1,01 Millionen offene Stellen, rund 17 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.“ Außerdem geht aus der im Januar veröffentlichten Erhebung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Soziales hervor, dass momentan hauptsächlich Gesundheits- und Pflegeberufe betroffen sind. Gleiches gelte für Professionen, die als Qualifikation eine Hochschulausbildung erforderten. Als Beispiele werden Maschinenbauer und Humanmediziner genannt.

Die Gruppe der technischen Experten in Forschung und Entwicklung zählt nach Auskunft des Ministeriums nicht länger zu den Engpassberufen. Fazit: „Es sind weiterhin Gesundheits- und Pflegeberufe sowie technische Berufe, bei denen es an akademischen und nicht-akademischen Fachkräften mangelt.“ In die Zukunft geschaut, soll sich dieser Trend rein rechnerisch verstärken. Im Jahr 2030 werden dem Fortschrittsbericht zufolge die „größten Engpässe bei den Gesundheitsberufen, gefolgt von Managern und Ingenieuren, erwartet.“ Weiter heißt es: „Einen potenziellen Überschuss gibt es hingegen bei Hilfsarbeitern und Büroberufen. Die regionalen Unterschiede in dieser Entwicklung … werden sich auch nach der aktuellen Prognose fortsetzen.“

Was Ostwestfalen-Lippe anbetrifft, ist dem Regionalen Handlungskonzept Fachkräftesicherung in OWL folgendes zu entnehmen: Selbst wenn die Region mittelständisch geprägt sei und viele technologisch geprägte Firmen beheimate, bestünden in den Bereichen „Metall“, „Elektro“, „Mechatronik“, „IT“ und in der Gesundheitswirtschaft Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung durch hoch- und mittelqualifizierte Fachkräfte. Auch in dieser Studie wird prognostiziert: „Die Basis für den Fachkräftenachwuchs in OWL schrumpft. 2020 verlassen 12,5% junge Menschen (6.000) weniger die Schule als heute.“ Jugendliche ziehe es zudem in die städtischen Zentren der Region. Bereits jetzt fehlten Auszubildende im Gastgewerbe, im Baugewerbe, in Dienstleistung und Handel. Knapp 23% der Jugendlichen brächen ihre Ausbildung ab.

Aktuelle Zahlen liefert der IHK-Fachkräftemonitor, über den regionale Wirtschaftsdaten nach Regionen und anderen Suchkriterien abgerufen werden können. Demzufolge sind die am meisten betroffenen Branchen der Region Ostwestfalen-Lippe:

  • Hotellerie
  • Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik
  • Maschinenbau- und Betriebstechnik
  • Textil- und Lederberufe
  • Technische Forschungs-, Entwicklungs-, Konstruktions- und Produktionssteuerungsberufe

Das Gegenrezept von Bundesministerin Nahles lautet: „Gute Bildung und Ausbildung für junge Menschen, berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderungen, eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, verbesserte Erwerbschancen von Menschen mit Migrationshintergrund sowie nicht zuletzt neue Perspektiven für Menschen mit langer Arbeitslosigkeit. (Birgit Lutzer)

Beschäftigungskurve im Kreis Gütersloh steigt weiter

(Gütersloh) Die neuen Zahlen der Pro Wirtschaft GT zur Beschäftigung im Kreis Gütersloh sind auf dem Tisch und zeigen Erfreuliches: Die Kurve geht weiter nach oben. Auch 2014 gab es wieder mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftige als im Jahr zuvor.

153.949 Menschen gingen im Jahr 2014 in den 13 Städten und Gemeinden einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Damit stieg die Anzahl um 3,6 Prozent (oder 5.324 Beschäftigte) im Vergleich zum Jahr 2013. Spitzenreiter im Kreis Gütersloh ist momentan Rheda-Wiedenbrück: Hier ist die Beschäftigtenzahl um 6,3 Prozent (mehr als 1.000 Mitarbeiter) gestiegen. 17.847 Menschen hatten hier zum Stichtag sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. In Gütersloh stieg die Zahl der Beschäftigten erstmals über 50.000.

„Wir können uns über diese sehr guten Zahlen zwar freuen, aber dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Es gilt alles dafür zu tun, dass der Industriestandort Kreis Gütersloh weiteres Wachstumspotenzial behält und der Dienstleistungsstandort Kreis Gütersloh weiter profiliert wird“, sagt Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der pro Wirtschaft GT.

Noch mehr Zahlen, Daten und Fakten zum Kreis Gütersloh gibt es auf www.erfolgskreis-gt.de/wirtschaft in der Rubrik „Der Kreis Gütersloh in Zahlen“. (Julia Peschke, pro Wirtschaft GT)

IHK-Umsatzreport: Ostwestfalens Industrie schlägt Landesdurchschnitt

(Bielefeld/OWL) Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld veröffentlichte in dieser Woche ihre aktuellen Zahlen. Dabei zeigt sich das Verarbeitende Gewerbe in Sachen „Umsatz“ fit bei stabiler Beschäftigung. In den ersten drei Quartalen liegen die OWL-Unternehmen über dem NRW-Durchschnitt. 

Die Umsätze des Verarbeitenden Gewerbes in Ostwestfalen liegen von Januar bis September 2014 um 0,5 Prozent über dem Vorjahreswert, teilt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) mit.

Damit erwirtschafteten die Industriebetriebe der Region mit 50 und mehr Beschäftigten in den ersten drei Quartalen einen Umsatz von 29,5 Mrd. Euro. Die Zahl der Beschäftigten lag gegenüber dem Vorjahreszeitraum konstant bei rund 149.000. Während die Auslandsumsätze um 2,2 Prozent auf 10,7 Mrd. Euro stiegen, sanken die Inlandsumsätze leicht um -0,4 Prozent auf 18,8 Mrd. Euro.

Ostwestfalens Wirtschaft liegt damit weiterhin über dem Landesdurchschnitt, denn in NRW sanken die Gesamtumsätze im Vergleichszeitraum um -0,2 Prozent auf 234 Mrd. Euro. „Das Wachstum in Ostwestfalens Industrie hat sich zwar gegenüber dem ersten Quartal abgeschwächt, aber von einer Krise können wir nach wie vor nicht sprechen. Ostwestfalens Industrie behauptet sich weiterhin auf hohem Niveau“, berichtet IHK-Geschäftsführer Dr. Christoph von der Heiden. (Presseinfo der IHK)

Laut IHK-Angaben konnten im Jahresverlauf besonders die Hersteller elektrischer Erzeugnisse zulegen (+6,3 Prozent auf knapp 2,8 Mrd. Euro). Ein deutliches Umsatzplus verzeichneten auch die Kfz-Zulieferer mit 5,1 Prozent (auf 1,8 Mrd. Euro). Die Umsätze der Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren stiegen um 0,8 Prozent (auf knapp 1,6 Mrd. Euro). Mit knapp 3 Mrd. Euro la-gen die Umsätze der Möbelindustrie auf Vorjahresniveau. Unter den großen Industriebranchen der Region lagen die Hersteller von Metallerzeugnissen(-0,6 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro) und von Nahrungsmitteln (-0,4 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro) leicht im Minus. Auch der Maschinenbau in Ostwestfalen konnte die Vorjahresumsätze nach drei Quartalen nicht ganz erreichen (-0,1 Prozent auf 4,9 Mrd. Euro).

IHK-Konjunkturreport: Beschäftigung stabil in Ostwestfalen-Lippe

Wolf D. Meier-Scheuven (2. v.l.) gemeinsam mit Harald Grefe, stv. IHK-Hauptgeschäftsführer, Thomas Niehoff, IHK-Hauptgeschäftsführer,  und Dr. Christoph von der Heiden, IHK-Geschäftsführer  (v.l.)

Wolf D. Meier-Scheuven (2. v.l.) gemeinsam mit Harald Grefe, stv. IHK-Hauptgeschäftsführer, Thomas Niehoff, IHK-Hauptgeschäftsführer, und Dr. Christoph von der Heiden, IHK-Geschäftsführer (v.l.)

(OWL) Auch wenn im Augenblick noch alles im grünen Bereich ist, machen die internationalen Krisen der Ostwestfälischen Wirtschaft zu schaffen. Die Beschäftigungsquote bleibt dennoch stabil. Dies geht aus der aktuellen Umfrage zur konjunkturellen Lage hervor, die am 9. und 12. September von der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld vorgestellt wurde.

Insgesamt 1.674 Unternehmen mit 145.551 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistungen beteiligten sich an der Erhebung. In der Industrie etwa bewerteten 41 Prozent der Befragten ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Dies sei eine Steigerung von fünf Prozent im Vergleich zum Frühjahr.

Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate hingegen wären jedoch deutlich gedämpfter, so IHK-Präsident Wolf D. Meyer-Scheuven: „Nur noch 25 Prozent rechnen mit einer Besserung ihrer Geschäftslage. Im Frühjahr: waren es 37 Prozent.“ Holger Piening, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des Dienstleistungsausschusses: „Die Geschäftslage bei den Dienstleistern ist weiterhin sehr erfreulich.“

An der Beschäftigungsquote habe sich im letzten halben Jahr nicht viel geändert, erläuterte der IHK-Präsident. Die Zahl in der ostwestfälischen Industrie bliebe mit 148.646 stabil. Auch für die nächsten zwölf Monate seien die Stellenbesetzungsabsichten relativ konstant. 19 Prozent der Industriebetriebe planten einen Beschäftigungsaufbau – im Frühjahr war es ein Prozent weniger. Konstant neun Prozent der Befragungsteilnehmer fassen Meyer-Scheuven zufolge einen Stellenabbau ins Auge. Er hatte auch eine Erklärung dafür parat: „Der Ukraine-Russland-Konflikt und die dadurch verursachten Sanktionen, die Konjunkturschwäche bei einigen europäischen Nachbarn und andere Negativmeldungen dämpfen offenbar die Erwartungen.“

Auch zur Beschäftigungslage im Dienstleistungsbereich nahm Piening Stellung: „Als Risiko rückt der Fachkräftemangel weiter in den Fokus, da deutlich Personal aufgebaut werden soll. Knapp 33 Prozent aller befragten Dienstleister verfügen derzeit über eine oder mehr offene Stellen.“ Der Personalbedarf im Handel bleibt nach Auskunft des IHK-Vizepräsidenten und Vorsitzenden des Handelsausschusses Rainer Döring weiterhin stabil: 13 Prozent wollen Personal einstellen, sieben Prozent abbauen. „Während im Einzelhandel die Arbeitskosten das Risiko Nummer eins bleiben, wird im Großhandel die weltpolitische Situation bei den etwas eingetrübten Erwartungen deutlich“, fasste Döring zusammen. (Birgit Lutzer)

Arbeitgeber unter der Lupe: Regionalität als Wettbewerbsvorteil

OWL. „Nehme jede passende Stelle – egal, wo!“ Vor einigen Jahren war dieses Motto weit verbreitet unter Arbeitsuchenden. Heute zeigen Studien einen anderen Trend: Bei vielen Jobs findet die Suche um den Schornstein herum statt. Auch Arbeitgeber strecken ihre Fühler nur manchmal bundesweit oder international aus.

Viele Stelleninteressenten würden einen Arbeitsplatz in ihrer Wohnregion vorziehen. Anfang August 2014 veröffentlichte die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld die Ergebnisse einer Online-Befragung von Hochschulstudierenden Diese mussten Auskunft darüber geben, worauf sie bei der Stellensuche und ihrem zukünftigen Arbeitgeber Wert legten. Rund 40 Prozent der aus OWL stammenden Probanden gab an, in der Region bleiben zu wollen. Dies kann auch mit der geplanten oder aktuellen Lebenssituation zusammenhängen. Über die Hälfte der Probanden gab an, Wert auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu legen.

Passend dazu, besagt die Pendlerstudie der wissenschaftlichen Institution „Information und Technik Nordrhein-Westfalen, IT.NRW:, dass Personen mit Familie sich bei der Stellensuche überwiegend regional orientieren. Die Forscher ermittelten einen konkreten Wert für Frauen: „Mütter mit Kindern pendeln seltener. Auch sind die Pendelwege kürzer, je mehr Kinder im Haushalt leben.“ Dies wird erklärt mit dem Zeitaufwand für die Betreuung des Nachwuchses, der in Konflikt mit langen Dienstfahrten stehe: „Während 69,0 Prozent der Frauen mit drei und mehr Kindern Nahpendlerinnen mit einem Arbeitsweg von bis zu 10 Kilometern sind, sind es bei Frauen ohne Kinder 56,9 Prozent“ (Statistik kompakt 03/14, S. 2).

BertelsmannWie sieht es auf der Seite der Arbeitgeber aus? Der W. Bertelsmann Verlag beispielsweise sucht nach Auskunft von Geschäftsführer W. Arndt Bertelsmann (Foto) „immer regional und überregional.“ Die meisten Medien und Stellenbörsen böten Stellen überregional an, was gerade bei der Suche nach speziell qualifizierten Fachkräften wichtig sei. Es wäre sehr wünschenswert, so der Verlagsleiter, dass die Mitarbeitenden entweder im näheren Umfeld des Unternehmens wohnten oder dorthin zögen. „Denn ein Pendeln über längere Strecken oder einen längeren Zeitraum ist für beide Seiten belastend.“

FleischerJe anspruchsvoller oder spezieller die ausgeschriebene Stelle, desto größer ist bei den meisten Firmen der Such-Radius. Dies bestätigt auch Baxter-Personalleiter Jürgen Fleischer (Foto). „Als ein Unternehmen der Hochtechnologie sind wir bei der Gewinnung von Hochschulabsolventen grundsätzlich überregional unterwegs. Die Einrichtungen vor Ort bieten nur eingeschränkt die Abschlüsse, die wir benötigen.“ Außerdem nennt er einen Aspekt, der auch durch statistische Daten gestützt wird: „Mitarbeiter, die über den überregionalen Arbeitsmarkt gewonnen wurden, sind mobiler.“

Gleiches besagt auch die Pendlerstudie: Je höher dotiert eine Stelle, desto mehr ist ihr Inhaber bereit, längere Wege in Kauf zu nehmen. „Der Zeit- und Ressourcenaufwand, der mit den langen Arbeitswegen verbunden ist, lohnt sich nicht für alle Erwerbstätigen gleichermaßen, weil ein tägliches Pendeln über weite Strecken mit hohen Kosten verbunden ist.“ (Statistik kompakt 03/14, S. 1).

PfoertnerNeben Kostenaspekten spielt bei einigen Berufen die regionale Verwurzelung der Stelleninhaber eine Rolle. Albrecht Pförtner (links) von der Pro Wirtschaft GT GmbH: „Ein Arbeitnehmer aus der Region weiß besser als ein Fremder, wie die Menschen ticken. Er kann sich schnell in informelle Netzwerke einfinden und kennt die Strukturen.“ Als Beispiel nennt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft eine typische Mentalität der Ostwestfalen, mit der ein redseliger Rheinländer wohl zunächst Schwierigkeiten hätte: „Hier werden oft keine große Worte gemacht, sondern es wird zugepackt – ran an die Buletten!“

Ähnlich drückt sich Regine Felsmann-Kraak, Geschäftsführerin der Bielefelder Gebäudereinigung Felsmann aus. Sie suche ausschließlich Personen aus der Region, und zwar über Anzeigen in der „Neuen Westfälischen“ und durch Mund-zu-Mund-Propaganda. „Wenn wir Bedarf an neuen Mitarbeitern haben, frage ich zunächst vorhandene Belegschaftsmitglieder, ob sie jemand kennen.“ Denn, so die Firmenchefin, Gebäudereinigung und -management sei eine Tätigkeit, die auf Vertrauen basiere. „Kommen die Leute hier aus der Nähe, kann ich sie sofort persönlich kennen lernen und mir ein Bild machen. Der persönliche Eindruck zählt mehr, als eine Hochglanz-Bewerbung.“ Die regionale Ausrichtung beim Finden geeigneter Mitarbeiter habe auch noch einen weiteren, ganz einfachen Grund: „Viele unserer Leute sind beim Erreichen ihres Arbeitsplatzes auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Deshalb sind Bielefeld und seine nähere Umgebung unser Einzugsgebiet.“ (Birgit Lutzer)

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