Dumme Blondinen und potente Glatzenträger: Haben schöne Menschen es leichter?

//Dumme Blondinen und potente Glatzenträger: Haben schöne Menschen es leichter?

Barbie ist in diesem Jahr 55 Jahre alt geworden. Andere werden dick – sie hat eine Top-Figur  mit langen, cellulitefreien Beinen. Ihr voluminöses Haar ist durchgestylt und auch ihr Lächeln makellos. Wäre sie ein Mensch, würde die Welt ihr zu Füßen liegen. Oder etwa nicht? Ein Sprichwort sagt: „Perfektion erzeugt Aggression.“ Und das stimmt.

Begegnen zwei Menschen einander zum ersten Mal, taxieren sie sich gegenseitig. Innerhalb eines Augenblicks bildet sich jeder eine vorläufige Meinung über den anderen. Welche Wirkung die körperliche Attraktivität dabei hat und wie sie die Sympathiebildung beeinflusst, untersuchten verschiedene Wissenschaftler. Dabei kam wenig überraschend heraus, dass junges, frisches Aussehen mit glatter Haut und vollem Haar anziehend wirkt und Sympathiepunkte bringt.

Menschen, die die Forderung nach ewiger Jugend erfüllen, gelten als Vorbilder.Hierbei spielen Haut und Haare eine besondere Rolle. Denn sie liefern Informationen über das vermutliche Alter und den Gesundheitszustand einer Person. Die Literatur- und Kulturhistorikerin Nina Bolt erläutert: „Hängt das Haar fettig und trocken herab oder strähnig wie welkes Gras“, werde dies als Zeichen dafür gedeutet, dass es jemand nicht gut gehe – „weder physisch noch psychisch“. Stumpfes, kaputtes und struppiges Haar sorgt für einen so schlechten Eindruck, dass dieser nicht durch ein sonst gepflegtes Äußeres ausgeglichen werden kann.

Wird das eigene Haar licht, lohnt zumindest bei Männern der Griff zur Rasiermaschine. Denn glatzköpfige Männer gelten als dominanter, sportlicher und führungsstärker als ihre Kollegen mit ausgedünntem, längerem Haar. Das besagt zumindest eine Studie von der Universität Pennsylvania.

Unbestritten ist, dass attraktiven Menschen zunächst positive Eigenschaften unterstellt werden. In beruflichen Kontexten gehören Intelligenz, Fachkompetenz und ein guter Charakter dazu. Hier kommt die „selbsterfüllende Prophezeiung“ zum Tragen – das Phänomen, die Erwartung an eine andere Person durch das eigene Verhalten hervorzurufen.

Einige amerikanische Forscher ließen jeweils anonym einen Mann und eine Frau ein zehnminütiges Telefongespräch führen. Den männlichen Versuchspersonen wurde vor dem Telefonat ein Foto ihrer angeblichen Gesprächspartnerin gezeigt. Je nachdem, ob die abgebildete Person attraktiv war oder nicht, variierte das Verhalten der Männer. Nahmen sie an, mit einer gut aussehenden Frau zu sprechen, waren sie besonders freundlich, locker und persönlich. Darauf reagierten ihre Gesprächspartnerinnen wiederum mit Entgegenkommen und Humor. Sympathie und daraus resultierende Freundlichkeit haben demnach eine Wechselwirkung. Durch die unterstellten positiven Eigenschaften reagiert der Gesprächspartner so, wie erwartet. Schöne Menschen gelten als interessant – und werden genau dadurch anziehend.

Doch manchmal kann Attraktivität auch hinderlich sein. Ein schöner Mensch erzeugt den Neid derer, die im Vergleich schlechter wegkommen. Vielleicht auch deshalb ist Hilfsbereitschaft gegenüber sehr gut aussehenden Personen gering ausgeprägt. Erfüllt eine Frau das Klischee der Blondine, wird sie für dumm und naiv gehalten. Auch bei Bewerbungen um Führungspositionen schlägt attraktiven Anwärterinnen oft Misstrauen entgegen, wie die Soziologin Anke von Rennkampff in ihrer Doktorarbeit betont: „Besonders weiblich und attraktiv wirkenden Frauen wurden häufiger ins Kreuzverhör genommen als ihre weniger hübschen Geschlechtsgenossinnen.“

Trotzdem investieren immer mehr Menschen – und zunehmend auch Männer – viel Geld, um ihr wahres Alter zu verbergen. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie führt regelmäßig Patienten-Befragungen zur Inanspruchnahme von Schönheitsoperationen durch. Im DGÄPC-Verbandsmagazin 2013/2014 heißte es: „Einen deutlichen Zuwachs verzeichnet die Gruppe der 51- bis 60-Jährigen. Hier bestätigt sich der Trend der letzten Jahre, wonach sich ästhetische Behandlungen bei den sogenannten Best Agern wachsender Beliebtheit erfreuen.“ Doch das langfristige Bemühen, auch als Lebenserfahrene Person den ewigen Jugendlichen darzustellen, macht genau so krank und kaputt wie eine missglückte Schönheitsoperation.
Birgit Lutzer

Zum Weiterlesen:

  • Bolt, N.: Haare. Bergisch-Gladbach 2001.
  • Ekman, P./Kuhlmann-Krieg, S./Reiss, K.: Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Heidelberg 2010.
  • Herbst, D.: Charisma ist keine Lampe – Wie Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzte auf uns wirken und warum. Wiesbaden 2008.
  • Renz, U.: Schönheit. Eine Wissenschaft für sich. Berlin 2014.
  • Storch, M./Cantieni, B./Hüther, G./Tschacher, W.: Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Bern 2010