Krankheitsrate mit Äpfeln senken?

//Krankheitsrate mit Äpfeln senken?
Krankheitsrate

Die Krankheitsrate in Firmen kann gesenkt werden. Nicht allein mit Äpfeln, sondern mit dem Salutogenese-Modell. Es geht dabei um Maßnahmen auf drei Ebenen. Ein Beitrag von Johanna S. Lutzer. (Bild:  © DDRockstar / Fotolia)

Laut einer wissenschaftlichen Studie liegen die Kosten für Unternehmen bei Ausfall der Arbeitnehmer durch Krankheit im Durchschnitt bei 129 Milliarden Euro im Jahr.

Betriebliche Krankheitsrate – die häufigsten Ausfall-Gründe

Muskel-Skelett-Krankheiten mit 21,7% und psychische Erkrankungen mit 16,2% gehören zu den häufigsten Gründen für Arbeitsausfälle. Dabei gibt es Unterschieden zwischen Männern und Frauen: Rund 66,5% der Fehltage von Arbeitnehmerinnen entstehen durch psychische Erkrankungen, bei Männer sind es 65,4% durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Betriebliche Krankheitsrate – die Risikofaktoren

Herzkreislauf- und Bewegungsmangelkrankheiten lassen sich auf bestimmte „Risikofaktoren“ zurückführen. Dazu zählen zum Beispiel chronischer Bewegungsmangel, Bluthochdruck, erhöhte Blutfett-Werte, Übergewicht, Diabetes und Disstress – also negativer, belastender Stress. Bewegungsmangel gilt als der prozentual am häufigsten auftretende Risikofaktor. Aus ihm resultieren zahlreiche Krankheiten. An erster Stelle finden sich Beeinträchtigungen des Herz-Kreislaufsystems zum Beispiel durch Arteriosklerose. Diese wird umgangssprachlich „Gefäßverkalkung“ genannt. Sie ist die Bezeichnung für die zunehmende Ablagerung von Blutfetten in den Gefäßen. Deren Verengung und Verstopfung wird beschleunigt. Dies kann im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führen.

Bewegung ist der Schlüssel für Gesundheit

Der Schlüssel liegt in der Bewegung, denn Ausdauersport erhöht den Anteil an so genanntem HDL(high density lipoprotein). Darunter versteht man einen Cholesterintyp, der an den Blutgefäßen abgelagerte Fette zur Weiterverarbeitung in die Leber transportiert. Somit wirkt er gegen den negativen Einfluss des LDLs (low density lipoprotein). Dies ist ein „schlechtes“ Cholesterin, das überhaupt erst die Ablagerungen verursacht.

Diese Risikofaktoren ließen sich durch Präventionsmaßnahmen eindämmen, zum Beispiel mit betrieblichen Sportangeboten. Doch noch besser ist es, die Gesundheit der Mitarbeiter auf drei Ebenen zu fördern körperlich, sozial und seelisch. So sieht es auch die Weltgesundheitsorganisation vor: Ihr zufolge ist Gesundheit „ein Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen“.

Auch die Salutogenese wirkt in drei Dimensionen

Diese Erweiterung des Gesundheitsbegriffs entspricht den Grundsätzen des Salutogenesemodells, das nicht nur den bloßen Abbau von Risikofaktoren, sondern auch eine Stärkung der psychischen und sozialen Kapazitäten vorsieht. Im Zentrum des Modells, das auf den Medizinsoziologen Aaron Antonovksy zurückgeht, steht die Frage: „Warum bewegen Menschen sich auf den positiven Pol des Gesundheits-Krankheits-Kontinuums zu, unabhängig von ihrer aktuellen Position?“ Er betrachtet also den Zustand zwischen Gesundheit und Krankheit als Kontinuum. Das Ziel von Gesundheitsförderung besteht darin, Menschen dafür zu gewinnen, sich dem „guten“ Zustand zu nähern. Um diesen zu erreichen, gibt es Empfehlungen, doch Antonovksy zufolge muss jeder Mensch seinen eigenen Weg finden. Sein Ansatz bildet viele Raum und Möglichkeiten für die betriebliche Gesundheitsförderung, in die nach salutogenetischer Sicht immer auch psychosoziale Ressouren integriert werden sollten. (Johanna S. Lutzer)

Literatur:

Antonovsky, A. (1997): Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit (Forum für Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis). Tübingen