„Ich will kein Mitleid!“ Silvia Pahlsmeier verlor ihren Sohn bei einem Disko-Unfall

Foto: Sivia Pahlsmeier

Foto: Sivia Pahlsmeier

Im Vorbeifahren sind sie kaum zu sehen: Kreuze am Straßenrand, oft mit Blumen oder Kerzen geschmückt. Sie stehen für Menschen, die auf tragische Weise zu Tode gekommen sind. Genau so, wie der der Sohn von Silvia Pahlsmeier, der vor fünf Jahren im Alter von 17 bei einem schrecklichen Autounfall starb.

„Zusammen mit Marius  sind seine Freundin Gwan und Viktor als Fahrer des Wagens umgekommen. Deshalb haben wir Hinterbliebenen drei Kreuze an der B 61 aufgestellt.“ erläutert die 53-jährige Mutter von zwei Kindern. Im Wechsel mit Hinterbliebenen der anderen Todesopfer fahre sie alle drei Tage zur Unfallstelle nach Gütersloh, um die Kerzen am Brennen zu halten. „Sein Licht soll niemals ausgehen.“ sagt sie entschlossen. Ebenso entschlossen ist sie, andere Jugendliche von riskanten Todesfahrten abzuhalten, indem Sie über das Unfassbare berichtet: „Nach der Disko saßen sie zu sechst im Auto. Alle, auch der Fahrer, waren alkoholisiert – und niemand angeschnallt. Der Wagen kam in überhöhter Geschwindigkeit von der Straße ab und prallte gegen zwei Bäume. Die anderen drei Freunde haben schwer verletzt überlebt.“

Um den Tod ihres Sohns zu verarbeiten und andere vor dem gleichen Schicksal zu bewahren, engagiert sich die Steinhagenerin bei „Cash Kurs“, einer Initiative der Polizei NRW. Zusammen mit anderen Betroffenen und Beteiligten geht sie in Schulen, um ihre Erfahrungen zu schildern. „Ich lese auf der Bühne von einem Zettel ab und vermeide Blicke ins Publikum. Viele Jugendliche fangen bei meinem Bericht an zu weinen. Ich möchte jedoch kein Mitleid, sondern ein Umdenken bewirken.“

Auch nach mehr als fünf Jahren ist noch keine Normalität in Silvia Pahlsmeiers Leben eingekehrt, denn „der Schmerz ist immer da.“ Über eine Internetseite, die sie für den Verstorbenen eingerichtet hat, kommuniziert sie mit ihm. Auch Freunde und Familienmitglieder hinterlassen in diesem Online-Gästebuch Nachrichten und Grüße an den Jungen, der viel zu früh gehen musste. Um den Unfall nachzuvollziehen, hat Silvia Pahlsmeier versucht, die Strecke selbst mit 140 Stundenkilometern im Auto abzufahren. Sie erinnert sich: „Die Versuchung war groß, aus Trauer selbst gegen einen Baum zu steuern. Aber mein älterer Sohn Maik hat mich am Leben gehalten.“ Und der hat inzwischen mit seiner Frau selbst einen kleinen Sohn, den die beiden nach seinem Bruder benannt haben. Wenn Oma Silvia den fünf Monate alten Wonneproppen im Arm hält, kann sie wieder lachen. „Der kleine Marius bringt Licht in mein Leben. Und das ist gut so.“ sagt sie lächelnd.

Was Eltern gegen jugendlichen Leichtsinn am Steuer tun können: Tipps der Kreispolizei Gütersloh

  • Seien Sie selbst ein gutes Vorbild: Kein Alkohol am Steuer.
  • Suchen Sie auch mit widerspenstigen Jugendlichen immer wieder das Gespräch über das Thema „Verkehrssicherheit“.
  • Das begleitende Fahren (Führerschein mit 17) ist eine gute Möglichkeit, die Jugendlichen zu sensibilisieren.
  • Fährt ihr Kind mit Freunden in die Disko, treffen Sie vorher klare Absprachen und überprüfen Sie deren Einhaltung. Wie kommen die Jugendlichen zurück? Wer fährt? Für den Fahrer gilt: kein Alkohol.
  • Halten Sie Ihr Kind davon ab, sich in Fahrzeuge zu setzen, die von alkoholisierten Personen gesteuert werden.
  • Holen Sie Ihr Kind im „Fall der Fälle“ selbst ab oder deponieren Sie an einer festen Stelle im Haus Taxigeld, auf das der Jugendliche zurückgreifen kann.

Birgit Lutzer, erschienen im Westfalen-Blatt am 18.01.2014

Wissen, was auf dem Teller ist: Slow Food sichert den Erhalt biologischer Vielfalt

Hektik bei der Arbeit, privater Stress und schon wieder keine Zeit für eine Mahlzeit. So leben viele Menschen, und zwar immer. „Wir möchten ein Gegengewicht schaffen und setzen beim Essen an.“ erläuterte Martina Hasewinkel  den 20 Teilnehmern ihres Vortrags über Slow Food in Werther. 

„Speisen sollen schmecken und im Sinne der Umwelt mit ihren Lebewesen hergestellt sein. Und Produzenten, die in diesem Sinne handeln, müssen fair bezahlt werden.“ Mit diesen drei Kernaussagen brachte die Wertheranerin Martina Hasewinkel die Forderungen der gemeinnützigen Organisation „Slow Food“ auf den Punkt, die im Jahr 1989 in Italien gegründet wurde. „Ein Anstoß dazu war die Eröffnung einer Mac Donalds-Filiale im historischen Zentrum von Rom. Sie führte zu Protesten von Bürgern und dort ansässigen Gastronomen gegen Fast-Food.“

Aus einer kleinen Interessengemeinschaft ist ein internationaler Zusammenschluss geworden. Slow-Food-Aktivisten setzen sich mit Bildungsangeboten für alle Altersstufen, Messen und zahlreichen Aktivitäten für den Erhalt biologischer Vielfalt und traditioneller Herstellungsverfahren ein. „Es sterben nicht nur Tiere und Pflanzen aus, sondern auch das Wissen um das, was auf den Teller kommt und wie es hergestellt wird.“ Aus diesem Grund, so die Regionalleiterin des Conviviums (Lat. „Tafelrunde“) Bielefeld/OWL, sei es besser, auf regionale gentechnikfreie und möglichst natürlich hergestellte Erzeugnisse zurückzugreifen. „Speisen und Getränke auf Basis solcher Lebensmittel schmecken viel besser und sind gesünder.“ Davon konnten sich die Teilnehmer im Anschluss an den Vortrag selbst überzeugen.

An einer lagen „Tafel des guten Geschmacks“ servierte Martina Hasewinkel mit Unterstützung von Simone Marquard aus dem Büro des Wertheraner Umweltbeauftragten Pellkartoffeln mit zwei verschiedenen Sorten Rote-Beete-Pesto. Aber es waren nicht irgendwelche Erdäpfel, sondern die länglich geformte Kartoffel des Jahres 2013 „Rosa Tannenzapfen“ vom Biolandhof Maaß in Werther. Diese wird wegen ihrer keilartigen Form von Hand geerntet. „Auch die rote Beete habe ich von Maaß“, erklärte Hasewinkel. Das einfach hergestellte Gericht mit Zutaten aus der Region weckte Begeisterung bei den Gästen. Beim Genuss der Speise entwickelte sich eine lebhafte Diskussion um Lebensmittel, Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Slow Food-Rezept für 4 Personen

  • 1 kg Rosa Tannenzapfen
  • 500g Rote Beete
  • 50g Sonnenblumenkerne
  • 50-70g Leinöl
  • Saft von einer Zitrone
  • Salz

Rote Beete je nach Knollendicke 45-60 Minuten gar kochen. Sonnenblumenkerne in der Pfanne bei mittlerer Hitze anrösten, bis ein nussiger Geruch aufsteigt. Weiche Rote Beete schälen,  in Stücke schneiden und mit den Sonnenblumenkernen, Leinöl sowie Zitronensaft vermischen. Mit dem Pürierstab oder Mixer fein pürieren und mit Salz abschmecken. Wer Quark mag, nimmt etwas weniger Öl und ergänzt mit Quark. Kartoffeln waschen und in leicht gesalzenem Wasser zum Kochen bringen. Kochzeit dieser Sorte beträgt ca. 15-20 Minuten.

Birgit Lutzer, erschienen am 20.12.2013 im

„Tritt forsch auf, mach’s Maul auf, hör bald auf!“ Redetipps von Martin Luther

„Lassen Sie mich noch ein Stück ausholen, um Ihnen die gesamte Tragweite der Fragestellung zu vermitteln. Später komme ich dann zu …“ Die ersten Leute im Publikum sind schon eingeschlafen, doch der Redner schwallt ungerührt weiter. Dabei wusste schon Martin Luther, wie es besser geht.

Als der Theologieprofessor und Reformator die Empfehlung „Tritt forsch auf, mach’s Maul auf, hör bald auf!“ aussprach, dachte er wohl an Predigten, unter denen er selbst als Zuhörer gelitten hatte. Sein Zitat lässt sich auf fast alle Arten von Reden, Vorträgen und Präsentationen anwenden.

Tritt forsch auf! Beim Überzeugungsvorgang spielt der übermittelte Inhalt eine wesentlich geringere Rolle als die Art und Weise der Darbietung. Als erstes nehmen die Anwesenden das äußere Erscheinungsbild des Redners oder Präsentierenden wahr. Weicht er oder sie darin sehr stark vom Publikum ab, besteht die Gefahr, dass auf diese Weise Sympathiepunkte verloren gehen. Beispiel: Er oder sie ist entweder weitaus legerer („Was will der Vogel mit der Gammeljeans uns hier erzählen?“) oder eleganter („Aalglatter Managertyp!“) als das Publikum gekleidet. Die Kleidung muss dem Anlass und der Position des Vortragenden angemessen sein. Von einem Ausbilder, der vor Jugendlichen spricht, erwartet niemand, dass er sich wie seine jungen Zuhörer kleidet. Im Gegenteil: Der krampfhafte und nicht zur Person passende Versuch, sich an vermeintliche Erwartungen anzupassen, wirkt oft lächerlich. Viel wichtiger ist es, Souveränität durch Auftreten und Körpersprache zu signalisieren. Dazu gehört auch, langsam nach vorne zu gehen und die Unterlagen ruhig auf das Pult zu legen. Hektische Betriebsamkeit vermittelt den Eindruck von Nervosität. Sehr gut sind eine gerade Körperhaltung und Blickkontakt zum Publikum.

Mach’s Maul auf! Wer unsicher ist, was die Wirkung seiner Stimme anbetrifft, sollte seine Rede oder Präsentation unbedingt vorher einer vertrauten Person halten und sich ein ehrliches Feedback geben lassen. Noch lehrreicher kann es sein, sich selbst aufzunehmen – entweder mit einem Diktiergerät oder besser noch mit einer Videokamera. So ist es möglich, die eigene Wirkung wie durch die Augen eines anderen wahrzunehmen. Ein paar Tipps: Der Mund sollte weit geöffnet sein, damit der Ton klar heraus kommt. Tiefe Bauchatmung sorgt für einen entspannten Puls und eine tragende Stimme. Damit das Publikum den Vortrag nachvollziehen kann, ist nach jedem Satz eine kurze und nach jedem abgeschlossenen Thema eine längere Denkpause sinnvoll. Freies Sprechen wirkt wesentlich lebendiger als ein abgelesener Vortrag, der die Zuhörer auf jeden Fall einschläfert. Wer eine Gedächtnisstütze benötigt, kann  Karteikarten als Gedächtnisstütze benutzen. Muss jemand oft vor anderen sprechen, lohnt sich für ihn die Investition in ein Redetraining.

Hör bald auf! Fast jeder Redner wünscht sich, dass die Zuhörer begierig an seinen Lippen hängen und jedem einzelnen Wort andächtig lauschen. Die Realität ist oft anders: Es tritt nach kurzer Zeit Langeweile auf und die Menschen blicken vorsichtig auf die Uhr. Es ist besser, mit wenigen Worten viel zu sagen, statt weit auszuholen. Mehr als zehn Minuten am Stück kann kein Mensch mit voller Konzentration zuhören. Nach Ablauf dieser Zeit lockert eine Frage ans Publikum, das Zeigen eines Bildes oder das Herumgeben eines zum Thema passenden Gegenstands die Darbietung auf. Je mehr das Publikum einbezogen wird, desto besser bleiben die vermittelten Inhalte haften. Mancher Sprecher täte gut daran, seinen Blick öfter einmal vom Redemanuskript zu lösen und die Zuhörer wahrzunehmen. Bei Zeichen großer Langeweile sollte der Vortrag abgekürzt werden, auch wenn die eigene Eitelkeit dadurch einen empfindlichen Dämpfer bekommt. (Birgit Lutzer)

Falsche Schlange oder ehrliche Haut? Glaubwürdigkeit im Beruf

„Das Wohl älterer Mitarbeiter liegt uns am Herzen.“ verkündet Abteilungsleiter Andreas F. auf der Betriebsversammlung. Einige Belegschaftsmitglieder runzeln die Stirn, während andere sich kopfschüttelnd mit verschränkten Armen zurücklehnen. Denn der Manager hat gerade einen langjährigen Mitarbeiter vor die Tür gesetzt.

Im Beruf gibt es immer wieder Situationen, in denen es um persönliche Glaub- und Vertrauenswürdigkeit geht. Wer seinen Kollegen oder Mitarbeitern eine „bittere Pille“ verabreichen muss, sollte, sofern er Bedauern zeigt, überzeugend wirken. Auch dann, wenn es darum geht, den Vorgesetzten für eine saftige Gehaltserhöhung zu gewinnen, ist Überzeugungskraft gefragt. Mehr Geld gibt es nur dann, wenn die Darstellung der eigenen Kompetenzen glaubwürdig für das Gegenüber ist. Doch warum wirken manche Menschen wie „falsche Schlangen“ oder windige Gesellen, während andere eine vertrauenerweckende Ausstrahlung haben?

Glaub- und Vertrauenswürdigkeit sind keine feststehenden Eigenschaften, sondern sie werden einer Person von anderen zugeschrieben. Sozialpsychologen stellten fest, dass die Überzeugungskraft einer Aussage vom Sprecher, seinen Eigenschaften und seinen Verhaltensweisen abhängt. Je nachdem, welche Hintergrundinformationen Versuchspersonen vorher über einen Kommunikator erhielten, glaubten sie seinen Worten oder nicht. Aus den Ergebnissen der Experimente lassen sich Faktoren ableiten, die die Glaubwürdigkeit von Menschen beeinflussen.

Zunächst müssen Worte und Taten übereinstimmen. Wer etwas anderes predigt als das, was er selbst lebt, wirkt heuchlerisch und unglaubwürdig. Außerdem ist es wichtig, seiner eigenen Linie mit schlüssigen, stimmigen Äußerungen treu zu bleiben. Eine Meinungsänderung in einem wichtigen Punkt sollte begründet werden. Sonst droht der Verdacht, kein Rückgrat zu haben und ein Mensch zu sein, der sein Fähnchen nach dem Winde hängt.

In ähnliche Richtung geht die Empfehlung, auf die Übereinstimmung der nonverbalen Signale mit den verbalen Äußerungen zu achten. Drücken Gestik, Mimik und Körperhaltung etwas anderes aus als das, was der Sprecher inhaltlich übermittelt, tritt bei den Zuhörern ein Störgefühl auf. Ein Negativbeispiel ist die Firmenchefin, die mit Pokerface große Anteilnahme an einer ernsthaften Erkrankung ihres Assistenten bekundet. Sie wirkt verlogen. Überdies führt Ehrlichkeit oft weiter als der Versuch, Fehler zu vertuschen. Ein offensiver Umgang mit eigenen Patzern und das Bemühen um Wiedergutmachung wirken sympathischer und Vertrauen erweckender als Herumdruckse und faule Ausreden.

Zur Glaubwürdigkeit gehört auch die Authentizität: Das, was eine Person ausmacht, sollte in ihre Auftritte, Gespräche oder Präsentationen einfließen. Der beste Rhetorikkurs nützt nichts, wenn jemand krampfhaft versucht, etwas anderes darzustellen als das, was er ist. Kleine Ecken und Kanten wecken mehr Vertrauen als eine aalglatte Selbstdarstellung, die darum bemüht ist, es allen recht zu machen. Die wichtigste Grundlage ist aber, dass der Wunsch nach Glaubwürdigkeit von einer passenden, werteorientierten inneren Einstellung getragen wird.

Verplappert – was nun???

Ist Ihnen auch schon mal bei der Arbeit im Gespräch etwas „herausgerutscht“? Da Sie Ihre Worte nicht zurücknehmen können, müssen Sie sich etwas anderes einfallen lassen. Welche Reaktion die beste ist, hängt von Ihnen selbst und von Ihrem Gegenüber ab. Einige Varianten:

 

Sie beteuern, das Gesagte nicht so gemeint zu haben.  Wenn Sie dem anderen erläutern, was Sie nicht gemeint haben, wird Ihre Aussage trotzdem genau so ankommen. Beispiel: Ein Mann hat seine Kollegin mit einem spontanen Kommentar zu ihrem neuen Outfit verletzt. „Ich wollte damit nicht sagen, dass dein Kleid hässlich ist!“ ruft er. Das „nicht“ wird von der Kollegin kaum wahrgenommen. Was bei ihr ankommt: „Er findet mein Kleid (oder mich) hässlich!“ Um Missverständnisse zu vermeiden, drücken Sie besser positiv nur das aus, was Sie sagen wollen – wie etwa „Die Farbe deines Kleides ist ungewohnt – mal was ganz anderes!“ Ob diese Umformulierung glaubwürdig ist und ob Sie sie ehrlich meinen, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Sie stehen zu Ihrer Äußerung. Das, was wir spontan sagen, entspricht meistens der Wahrheit und ist authentisch. Auch wenn ihr Kommentar vielleicht unangenehm für den anderen ist, kann er die Kraft eines reinigenden Gewitters haben. Zu einer unbedachten Äußerung ehrlich zu stehen, erfordert Souveränität und die Bereitschaft, negative Konsequenzen zu tragen.

Sie übergehen Ihren Patzer. Manchmal ist es einfacher, wieder zur Tagesordnung überzugehen statt der Äußerung durch eine Diskussion noch mehr Gewicht zu geben. Möglicherweise ist sie beim anderen auch gar nicht so angekommen, wie Sie befürchten. Eine Rest-Unsicherheit bleibt allerdings, denn der andere überspielt vielleicht seine eigene Verletztheit. In diesem Fall kann ihre Äußerung zu einer Verschlechterung ihrer Beziehung führen, auch wenn Sie beide in unausgesprochener Übereinstimmung so tun, als sei alles in Ordnung.

Sie entschuldigen sich. Wie ihr Gegenüber damit umgeht, entscheidet allerdings er. Manche Menschen freuen sich über eine Entschuldigung und nehmen sie an. Danach ist der Vorfall aus der Welt geschafft. Bei anderen laufen sie vor eine Mauer. Diese Personen werden Ihnen Ihre Äußerung niemals verzeihen, und wenn Sie sich vor ihnen auf dem Boden werfen und Händeringend um Verzeihung bitten. Sei’ s drum. Sie haben Ihrerseits alles versucht, um die Sache in Ordnung zu bringen.

Sind Sie privat unterwegs, ist besonders dann Vorsicht angesagt, wenn Sie etwa in feuchtfröhlicher Stimmung auf Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiter oder Geschäftspartner treffen. Ungeschickte Äußerungen, die von nahe stehenden Personen vielleicht noch verziehen werden, nehmen Gegner gerne auf und verwandeln sie in rhetorische Geschosse. Das tun sie auch dann, wenn Sie selbst auf der Party ein paar Bierchen mehr getrunken haben.

Vertraulichkeit am Arbeitsplatz

Die Kollegen Gaby P. und Klaus F. sitzen in der Firmenkantine. Sie arbeiten in einer Abteilung und gehen oft zusammen Essen. Plötzlich schlägt der Mann einen vertraulichen Ton an. „Mit meiner Frau läuft es nicht so gut.“ sagt er bedeutungsvoll und beugt sich näher zu seiner Begleiterin. Was nun?

Erzählt Ihnen jemand, zu Sie eine geschäftliche Verbindung hat, plötzlich in langatmiger Weise private Probleme oder Details aus seiner Lebensgeschichte, ist eine diplomatische Vorgehensweise gefragt. Gerade bei prekären oder gefühlsmäßig aufwühlenden Gesprächsthemen kommt es auf eine angemessene Reaktion an. Berichtet Ihnen jemand sichtlich bewegt von einem schweren Schicksalsschlag, können Sie ihn nicht nach zwei Sätzen abwimmeln. Dies würde der andere als harsche und verletzende Zurückweisung empfinden. Ein solcher Vorfall wirkt sich oft nicht nur auf der persönlichen Ebene negativ aus, sondern auch auf Ihre Geschäftsbeziehung.

Signalisieren Sie hingegen, dass Sie zu jeder Zeit ein offenes Ohr und Herz für seine Privatangelegenheiten haben, riskieren Sie zwei unangenehme Folgen: Er/Sie könnte Ihr Zuhören als Zuwendung privater Natur interpretieren und darauf entsprechend reagieren. Außerdem besteht die Gefahr, dass es bei weiteren Gesprächen oder Telefonaten immer schwieriger wird, eine Grenze zu ziehen. Intensive Anteilnahme an privaten Dingen kann auch als weitergehendes, persönliches Interesse ausgelegt werden.

Zeigen Sie Ihren Gesprächspartner Verständnis und Wertschätzung, ohne ihn durch weitere Fragen und zustimmende Signale (z. B. „Hmm“, Ja? Ach? …) zum Weitersprechen zu animieren – wie in diesem Beispiel:

Kunde: „… Und dann hat sie ihre Koffer gepackt und mich einfach sitzen
gelassen.“

 Sie:    „Ach, sie hat einfach ihre Koffer gepackt?“

 Kunde: „Ja, stellen Sie sich vor – ich bin ganz fassungslos. Und dann hat sie …“

Möchten Sie trotz ehrlicher (!) Anteilnahme die private Ebene wieder verlassen, ist folgender Weg geschickter:

Kundin: „… Und jetzt will unsere Tochter nichts mehr mit uns zu tun
haben. Sie am Wochenende bei uns ausgezogen und hat nicht mal
eine Adresse hinterlassen.“

 Sie:    „Sie sind sehr offen zu mir, und für dieses Vertrauen danke ich Ihnen.
Ich habe auch eine Tochter in dem Alter und kann mir deshalb
vorstellen, welchen Kummer Ihnen der Schritt Ihrer Tochter macht.
Gerade weil Sie im Augenblick diese Sorgen haben, möchte ich
wenigstens Ihre Servicewünsche besonders schnell und gut erfüllen.

Sie gehen ein bisschen auf das Thema ein, indem Sie Verständnis zeigen und eine eigene Erfahrung ergänzen. Anschließend leiten Sie behutsam zum eigentlichen Anlass der Zusammenkunft oder des Telefonats über. Es geht also um den „goldenen“ Mittelweg und vor allen Dingen um Flexibilität.

Wenn Sie selbst das Bedürfnis haben, sich am Arbeitsplatz über persönliche Angelegenheiten auszutauschen, überlegen Sie: Würden Sie Ihrem Gegenüber das pikante Detail auch dann erzählen, wenn ihr Verhältnis nicht so gut wäre?

Haben Sie jemand aus einer Stimmung heraus etwas anvertraut, was Sie später bereuen, sollten Sie das Problem aktiv angehen, statt hoffnungsvoll abzuwarten. Suchen Sie noch einmal ein Vieraugengespräch mit dem/der Betreffenden und bitten Sie um vertraulichen Umgang mit der Information. Mehr können Sie nicht tun. War es ein sehr brisanter Inhalt, können Sie auch gedankliche Szenarien entwickeln, was im schlimmsten Fall passieren könnte, wenn die Nachricht die Runde in der Firma oder Ihrer Branche macht.

Ruhig schlafen mit der richtigen Absicherung gegen Berufsunfähigkeit

Der Nachricht, dass ein Bekannter wegen eines Unfalls nicht mehr arbeiten kann, widmen die meisten Menschen wenig Aufmerksamkeit. Wer sich ständig mit Ängsten quält, versauert sich das Leben. Doch laut Statistik trifft die Erwerbsunfähigkeit jeden Vierten vor Erreichen der Altersrente, und zwar auch durch Schlaganfall, Herzinfarkt & Co.

Zunächst stellt sich die Frage, was genau denn unter „Berufsunfähigkeit“ zu verstehen ist. In den Vertragsbedingungen professioneller Versicherungsunternehmen wird der Begriff so definiert: “Wer mindestens 6 Monate ununterbrochen durch Krankheit, Unfall oder Kräfteverfall nicht in der Lage ist außerstande ist seinen zuletzt ausgeübten Beruf so wie er sich zuletzt ausgestaltet hat zu mindestens 50% nicht mehr ausüben kann und dieser Zustand voraussichtlich sechs weitere Monate andauern wird, ist berufsunfähig. Übersetzt in normale Sprache bedeutet das:

  • Es geht um einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten, der voraussichtlich noch weitere sechs Monate in der Zukunft andauern wird.
  • Der Betroffene hatte einen Unfall, ist krank oder seine Kräfte lassen nach.
  • Die Folge davon ist, dass er seinen Beruf bzw. seine Tätigkeit nicht mehr wie zuletzt erfordert ausüben kann (Einschränkung von mindestens 50 %).

2001 wurde die Berufsunfähigkeits- durch die Erwerbsminderungsrente ersetzt, und zwar für alle, die nach dem 2.1.1962 geboren sind. Sie beträgt ca. 38 % des letzten Bruttoeinkommens. Zentral ist die Frage, wie lange jemand täglich in der Lage ist, irgendeine (!) Berufstätigkeit auszuüben. Ein invalider Firmenchef etwa, der noch sechs Stunden als Pförtner arbeiten kann, erhält keine Rente. Wer mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden arbeiten kann, erhält die halbe Rente. Nur diejenigen, die unter drei Stunden täglich arbeiten können, bekommen den kompletten Zuschlag.

Das „Kleingedruckte“ oder die Frage nach Fallstricken

Also hilft nur die private Vorsorge. In Versicherungsbedingungen lauert jedoch so manche Fußangel, die ein Laie leicht übersieht. Wurde etwa ein Unfall, der zur Berufsunfähigkeit führt, durch grob fahrlässiges Verhalten des Versicherungsnehmers verursacht, kann die Zahlung der BU-Rente von der Versicherung verweigert werden. Doch was genau ist „grob fahrlässig“? Dazu gehören beispielsweise das Überholen trotz Verbots und das Überfahren einer roten Ampel. Es gibt jedoch auch hier Versicherungsanbieter, die auf solchen Klauseln in ihren Bedingungen verzichten.

Selbst wenn der Versicherer die Berufsunfähigkeit anerkannt hat, kann es Klauseln geben, die zu großer Enttäuschung auf Seiten unwissender Versicherungsnehmer führen. Eine davon ist die  „Arztanordnungsklausel“ in älteren Verträgen. Vereinfacht bedeutet dieser Abschnitt: Wenn ein Arzt einem Berufsunfähigen zu einer bestimmten Operation rät, die zur teilweisen oder vollständigen Genesung führen könnte, muss der Betroffene darin einwilligen, um seine BU-Rente weiter zu beziehen. Das gleiche gilt für schmerzhafte Behandlungen. In einigen neueren Verträgen wurde dieser Grundsatz aufgeweicht. Es ist nur noch von einer „Mitwirkungspflicht“ die Rede, die jedoch bei bestimmten Anbietern die Pflicht, Operationen und schmerzhafte Behandlungen in Anspruch zu nehmen, ausschließt. Doch es ist immer Auslegungssache, was genau die aktive Mitwirkung bedeutet – und was tatsächlich passiert, wenn sich ein Patient gegen eine bestimmte Behandlung entscheidet.

Ein weiterer Gesichtspunkt der Berufsunfähigkeitsrente wird häufig vernachlässigt. Unser Geld und damit auch eine feste Rente verlieren beständig an Wert. Das, was am Anfang vielleicht noch zur Abdeckung der Kosten genügt, ist nach längerer Zeit kaum noch ausreichend. Aus diesem Grund sollten BU-Versicherungsverträge mit einer Dynamik ausgestattet sein. Der Beitrag steigt jedes Jahr um drei bis fünf Prozent. Das Problem dabei ist, dass die Beitragszahlung im Versicherungsfall entfällt – und damit auch die Dynamik. Der Betroffene erhält einen Betrag und ggf. von der Versicherung erwirtschaftete Überschüsse, die durch steigende Leistungsfälle deutlich niedriger ausfallen, als früher. Gegen dieses Risiko hilft eine so genannte „Passiv- oder Leistungsdynamik“, die eine Reihe von Versicherungen in ihrer Angebotspalette haben. Der durchschnittliche Steigerungssatz liegt zwischen 1 bis 3 %. Einige wenige Anbieter leisten sogar 5%, andere maximal 2%. Dieser aufpreispflichtige Zusatzbaustein ist also äußerst wichtig, um einer sonst vielleicht drohenden Altersarmut entgegen zu wirken.

Zu Kiss und AC/DC wieder jung sein: Rock-Oldie-Night in der Friedrichshöhe

Karin Wiefel aus Greffen und Cathy Heinicke aus Bielefeld gehören zu den Stammgästen der Rock-Oldie-Night.

Karin Wiefel und Cathy Heinicke rocken ab.

Während „Born tob e wild“ aus den Boxen dröhnt und die Diskokugel Lichtreflexe auf den geziegelten Boden der Deele zaubert, ist die Tanzfläche des Rock’n Blues Rasthouse „Friedrichshöhe“ in Steinhagen voll mit gut gelaunten älteren Semestern. DJ „Lütti“ spielt einen Hit nach dem anderen.

Cathy Heinicke ist aus Bielefeld gekommen. Sie möchte mal wieder »richtig abtanzen« zu Klängen, die sie schon früher begeistert haben. Die Leidenschaft für Oldies aus den sechziger und siebziger Jahren teilt sie mit den rund 45 anderen Gästen.“ Am liebsten mag ich Kiss, AC/DC und Motörhead.“ verrät die Rocker-Braut, deren verzierte Kutte ein Hingucker ist. Die Jeansweste mit abgeschnittenen Ärmeln ist in Motorradfahrer-Kreisen verbreitet und wird mit Clubabzeichen, Aufnähern von Bands und Ansteckern versehen. Sie drückt das Lebensgefühl der Trägerin aus: „Die Kutte ist ein Teil von mir!“, so die 54-Jährige, die regelmäßig zu der Friedrichshöhen-Party kommt. Auch Karin Wiefel (49) aus dem 25 Kilometer entfernten Greffen gehört zum Stammpublikum: „In meinem Heimatort gibt es keine interessanten Veranstaltungen mit Rockmusik. Aber ich habe ja ein Auto, um hierhin zu kommen.“

Am Tresen herrscht reges Leben. Überall stehen kleine Grüppchen, die sich angeregt unterhalten. Viele kennen sich untereinander, denn die Rock-Oldie-Night hat Tradition. Zunächst fand die Veranstaltung acht Jahre im B3 in Borgholzhausen statt. Vor zwei Jahren ergriff Gerd Tigges, Inhaber des Rock- und Blues-Rasthauses »Friedrichshöhe« die Chance, die Party in seiner Kneipe auszurichten. „Ich habe vorher regelmäßig Events gemacht, wo ich selbst am Plattenteller stand. Dazu hatte ich keine Zeit mehr. Und Lütti macht einfach gute Musik.“ Nicht nur Rockhits, sondern auch andere Dauerbrenner aus den 70er Jahren werden je nach Stimmung des Publikums gespielt. Lütti erfüllt nach Möglichkeit alle Musikwünsche, sofern die Lieder in seiner Sammlung sind und zum Motto der Rock-Oldie-Night passen. Immer wieder kommen deshalb Gäste zu dem kleinen Tresen, hinter dem der 64-Jährige auflegt. Lütti: „Die Leute kenne ich zum Teil noch aus meiner Zeit als DJ im Rave in Halle.“ Diese Rock-Disko befand sich in den 70er Jahren  in einem ehemaligen Papierkeller des Haller Kreisblatts.

Die Liebe zu klassischer Rockmusik verbindet ganze Familien. Petra Höner aus Bielefeld-Jöllenbeck hat ihren Mann, ihre zwei Töchter und ihren Schwiegersohn mitgebracht. „Wir Eltern stehen auf die Musik und die Kinder sind damit aufgewachsen.“ Als sie aufsteht und zur Tanzfläche geht, sagt sie mit einem Lächeln: „Hier kann man einmal im Monat noch mal jung sein.“

Die Rock-Oldie-Night findet jeweils am ersten Samstag im Monat in der Friedrichshöhe, Kaistraße 48, 33803 Steinhagen statt.

Von Birgit Lutzer, erschienen im

Auf glücklichen Füßen laufen

Die Füße gelten oft als hässlich. Schnell werden sie mit Socken überzogen und in Schuhe gesteckt. Mancher bemerkt sie erst, wenn sie wehtun. Physiotherapeutin Hilke Engel-Majer und ihr Mann Markus Majer aus Werther/Westf. machen Füße und Menschen glücklich.

„Wir haben in unserem Kulturkreis das richtige und gesunde Gehen verlernt, weil wir meist mit Schuhen herumlaufen und fast ausschließlich ebene Wege gehen. Dabei können kleinste Fehlbelastungen des Fußes weitreichende Folgen für den gesamten Bewegungsapparat haben.“ Denn die Füße tragen das gesamte Körpergewicht und oft auch ein Vielfaches davon, wenn jemand schnell läuft. Um die Bewegung und verschiedene Haltungen auszubalancieren, müssen die Konstruktionswunder gleichzeitig stabil und flexibel sein. Diese Eigenschaften hat eine Spirale.

Um geschundene Füße wieder ins Lot zu bringen und Schmerzen beim Gehen oder anderen Tätigkeiten zu beseitigen, arbeitet Engel-Majer mit der so genannten „Spiraldynamik®“. Deren Grundprinzip lässt sich mit einem nassen Handtuch vergleichen, das durch Eindrehen ausgewrungen werden soll: Als zusammengedrehte Spirale ist es stabil, in gelöster Form  nachgiebig. Der menschliche Fuß hat eine Längs- und eine Querwölbung, die in einem spiralartigen Zusammenspiel arbeiten. Bei der Spiraldynamik®, die von einem Schweizerischen Arzt und einer Französischen Physiotherapeutin entwickelt wurde, geht es darum, diese natürlichen Bewegungsabläufe  wieder zu trainieren und im Alltag z. B. beim Gehen umzusetzen. Es handelt sich um ein Bewegungskonzept von Kopf bis Fuß, vergleichbar mit einer Gebrauchsanweisung für den ganzen Körper.

„Kleine Verbesserungen bewirken oft Großes!“ verspricht die Physiotherapeutin. Wer die Spiraldynamik® für sich selbst nutzen möchte, kann dies in Form einer selbst bezahlten Individualbehandlung bei den Praxisinhabern oder eines von vielen Krankenkassen finanzierten Kurses tun. Voraussetzung für die Schulungsteilnahme  ist, dass der Teilnehmer seine Füße mit den Händen erreichen kann, denn am Anfang geht es oft nur mit deren Hilfe.  „Wir sprechen zunächst über die Anatomie des Fußes und den Bauplan des menschlichen Körpers. Anschließend filmen wir die Bewegungsabläufe der Teilnehmer oder Patienten beim Laufen. Daran sehen die Betroffenen Fehlbelastungen oft schon selbst.“ erläutert die Wertheranerin, die durch eigene Fußprobleme zur Spiraldynamik® gekommen ist.

Sie hat Tipps für den Alltag: „Laufen Sie so oft wie möglich draußen barfuß. Wenn es ungewohnt ist, steigern Sie die die Dauer langsam.“ Auch ein Golfball biete sich zur Massage des nackten Fußes an. „Er wird auf den Boden gelegt und dann bewegen Sie die Fußsohle unter leichtem Druck darüber.“ Und bei konsequenter Umsetzung der natürlichen Bewegungsabläufe im Alltag steht der Mensch bald wieder glücklich auf gesunden und gestärkten Füßen.

Von Birgit Lutzer, erschienen am 21.02.2014 im

http://wordpress.p223208.webspaceconfig.de/wp-login.php?loggedout=trueksekur9/#