An das implizite Wissen zwischen den Ohren herankommen

//An das implizite Wissen zwischen den Ohren herankommen

Wenn Mitarbeiter ihre Firma verlassen, nehmen Sie mehr mit als ihre Fachkenntnisse. „Es geht um das implizite Wissen z. B. darüber, wie ihre Kunden `ticken´ oder um ihre Netzwerke.“ sagt Wissensmanagement-Spezialist Christian Keller aus Bielefeld. Doch was können Führungskräfte dagegen tun?

Ganz klar ist, dass die Weitergabe von Wissen nur auf freiwilliger Basis geschehen kann. „Nicht jeder Stellenwechsel geschieht in harmonischer Übereinkunft. Lassen Sie als Führungskraft verärgerte Mitarbeiter ziehen, sofern Versuche scheitern, sich friedlich miteinander zu arrangieren.“ empfiehlt der Inhaber der Unternehmensberatung CK2. Bleibt also der Blick auf die Kräfte, die ihrem Arbeitgeber gegenüber positiv eingestellt sind.

Keller: „Oft ist den Mitarbeitern selbst nicht bewusst, über welches wertvolle Wissen für die Firma sie verfügen. Diese Schätze können mit einem strukturierten Gespräch oder einer moderierten Sitzung ans Tageslicht befördert werden.“ Der Wissensmanager empfiehlt eine Dreierkonstellation von Mitarbeiter, Führungskraft und einem neutralen Berater/Moderator. Diese Rolle übernimmt er als Externer selbst oft in Firmen. Er schildert den Ablauf des Beisammenseins: „Zunächst ist herauszuarbeiten, welches Wissen relevant für den Transfer ist. Sehr sinnvoll ist ein Mindmap unter Nutzung von sechs Kategorien (Fachwissen, Projektwissen, Arbeitsorganisation, Führungswissen, Persönliches Netzwerk, Unternehmenskultur), das der ausscheidende Mitarbeiter ergänzen und ausbauen kann“, so Keller.

Zusammen mit der Führungskraft werde dann entschieden, welche Inhalte in welcher Form an wen genau weitergegeben werden sollen. „Wenn jemand eine Power Point-Präsentation erstellen kann, muss dies nicht gesondert vermittelt werden. Es kommt auf die Inhalte an, die eine Rolle für die Unternehmensstrategie spielen.“ betont der Wissens-Experte.  Sehr viel schwieriger sei es, etwa an das wertvolle Wissen über den geschickten Umgang mit Menschen heranzukommen. „Ein alter Hase im Vertrieb kann aufgrund seiner Erfahrung Kunden und Interessenten oft besser einschätzen als ein Frischling von der Uni – selbst wenn dieser sein Examen mit einer brillanten Note abgeschlossen hat.“ Doch wie lässt sich Menschenkenntnis vermitteln?

Keller weiß: „Hier ist kein Vortrag gefragt, sondern eine andere Lösung. Der Vertriebsexperte sollte den jungen Kollegen zu Terminen mitnehmen und anschließend mit ihm im Detail darüber sprechen, was und warum er so kommuniziert und argumentiert hat.“ Er betont, eine Standardlösung gebe es nicht. „Der Einzelfall muss betrachtet werden. Wichtig ist, dass die Führungskräfte schon eine Zeit vorher auf das Problem aufmerksam werden und handeln.“ Es könne in Ruhe zusammen mit dem Mitarbeiter überlegt werden. „Hau-Ruck-Lösungen und überstürztes Agieren bringen nichts.“ (Birgit Lutzer)

 

Über Christian Keller:

Christian-Keller

Er studierte Technisches Gesundheitswesen, bevor er nach 10 Jahren in verantwortungsvollen Funktionen (u. a. bei der Treuhand Berlin, einer Innovationsgesellschaft und einem Softwareanbieter) seine eigene Firma gründete. Heute unterstützt er Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Einrichtungen in ihrer strategischen, organisatorischen und personellen Entwicklung. Eine Herzensangelegenheit erfüllte er sich 2009, als er mit Partnern die Initiative „Exzellente Wissensorganisation“ ins Leben rief. Deren Ziel besteht darin, regelmäßig Leuchttürme guter Wissensorganisation zu lokalisieren, um andere Unternehmen davon lernen zu lassen.