Beitragsreihe „Wissen weitergeben“ Zweiter Teil: Bildhafte Sprache

//Beitragsreihe „Wissen weitergeben“ Zweiter Teil: Bildhafte Sprache

Die Wahrnehmung eines Bildes – sei es real oder nur in der Vorstellung erleichtert das Verstehen schwieriger Sachverhalte. Fehlt es an einer Abbildung, ist die Sprache Ihr Mittel, um das Kopfkino Ihres Gegenübers zu aktivieren.

Die folgende Beitragsreihe geht auf das Fachbuch „Besser erklären, mehr verkaufen“ zurück. Die beiden Autoren Andreas Dolle und Birgit Lutzer widmen sich „Fachchinesen“, die Personen mit anderem Wissenshintergrund Kenntnisse vermitteln sollen. Die Kapitelauszüge wurden leicht modifiziert und an die Konstellation „Erfahrener Mitarbeiter gibt Fachkenntnisse an Neulinge weiter“ angepasst.

Das Wort „Metapher“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Übertragung“. Zwischen der eigentlichen Bedeutung und der neuen Anwendung besteht eine Ähnlichkeit. Verwandt mit der Metapher ist der Vergleich. Er hat eine ähnliche Wirkung auf das Gegenüber. Der Vergleich enthält ein „wie“. Nehmen wir das Beispiel einer Mutter, die ihre Tochter gegen angreifende Jugendliche verteidigt:

  • Vergleich: Sie kämpfte wie eine Löwin für ihr Junges.
  • Metapher: Die Frau wurde zur Löwin, die ihr Junges verteidigte.

Das Prinzip der Metapher und auch das des Vergleichs besteht in der Verknüpfung einer neuen Information mit einem dem Gegenüber bekannten Bild. Denn die bereits vorhandenen Konzepte, Schemata und Annahmen in unseren Köpfen formen die Art und Weise, wie wir die Wirklichkeit wahrnehmen bzw. konstruieren. Laien verstehen z. B. naturwissenschaftliche Phänomene leichter, wenn sie durch die Erläuterung des Spezialisten zunächst eine bildhafte Vorstellung davon entwickeln, wie eine Sache funktioniert. Deshalb ist es besser, zunächst ein Modell zu zeigen und die damit verbundenen Formeln erst später zu benennen. Ein Beispiel: Sie möchten dem neuen Azubi das Ohm’sche Gesetz von Stromfluss und Widerstand erklären und greifen zu folgender Metapher.

„Stellen Sie sich bitte zwei Rohre mit verschiedenem Durchmesser vor. Durch diese Rohre pumpen Sie nun mit gleichem Druck dieselbe Menge Wasser. Durch das engere Rohr fließt weniger Wasser. Genau so funktioniert der Stromfluss bei hohem und bei niedrigem Widerstand. Das Rohr mit größerem Durchmesser bietet weniger Widerstand, deshalb fließt mehr Wasser hindurch. Je geringer der Widerstand in einem Stromkreis, desto höher ist der Stromfluss.“

Jetzt lautet die spannende Frage: Wie und wo finden Sie passende Metaphern? Zunächst ist Ihre Fähigkeit gefragt, die Details Ihres Produktes und das dahinter stehende System zu erkennen. Diese Denkleistung, die Ihnen aus Ihrem Beruf sicherlich vertraut sein wird, erfordert Spürsinn, genaues Hinschauen und analytisches Geschick. Konzentrieren Sie sich darauf, alle Einzelheiten und Themenfelder zu erfassen, die mit Ihrem Produkt oder Ihrer Tätigkeit zusammenhängen. Denn diese Aspekte sind das Grundmaterial, aus dem Sie Metaphern ableiten und generieren können. Um Ihr Anliegen in die Realität Ihres Kollegen zu übertragen, müssen Sie ein Bild finden, das Parallelen zu dem Ihrem Sachverhalt aufweist – z. B. in der Struktur oder Funktion. Ein paar Beispiele:

Schnittstelle: Wenn Sie ins Ausland reisen und Ihren Rasierer an die Steckdose im Hotel anschließen möchten, benötigen Sie einen Adapter. So funktioniert auch eine Schnittstelle: Sie verbindet unterschiedliche Systeme miteinander.

Prozessoptimierung: Stellen Sie sich vor, Sie wollen einkaufen gehen und benötigen verschiedene Lebensmittel. Sie gehen in den Supermarkt, kaufen Eier und bringen sie nach Hause. Anschließend fahren Sie wieder zum Einkaufszentrum und besorgen Butter. Auf dem dritten Weg holen Sie Milchtüten und so weiter. Unsere Arbeit zielt darauf, überflüssige Wege im IT-System auszumerzen und Informationen zu bündeln. Genau so, wie Sie auf einem Weg alle benötigten Lebensmittel in den Einkaufskorb legen, sie bezahlen und mit nach Hause nehmen.

User: Der „User“ – also die Nutzungserlaubnis – ist Ihre Eintrittskarte in das System. Entweder haben Sie ein Dauerabo oder Sie bekommen von uns eine Karte, die nur für einen bestimmten Zeitraum – z. B. drei Wochen lang – gültig ist.

Template: Ein Template funktioniert wie eine Schablone: Sie können damit eine bestimmte Form zeichnen, doch wie Sie diesen Umriss ausmalen, entscheiden Sie. Als Ergebnis haben Sie dann beispielsweise rote, grüne, gelbe und gepunktete Dreiecke. Übertragen auf Ihre Internetseite bedeutet das: Sie haben eine Musterseite, die immer wieder gleich aufgebaut ist – z. B. Ihr Logo links, eine Bildleiste rechts und der Bereich für die Texte in der Mitte. Jede daraus generierte Einzelseite füllen Sie nun je nach Bedarf mit unterschiedlichen Inhalten.

Diese Beispiele sollen eine Anregung sein und zeigen nur einen winzigen Ausschnitt fachspezifischer Ausdrücke. Es geht darum, Ihnen das Prinzip der Metaphern- und Vergleichsbildung zu verdeutlichen, damit Sie daraus Einfälle für eigene Metaphern ableiten können.

Bibliografische Informationen:

Dolle, Andreas/Lutzer, Birgit: Besser erklären, mehr verkaufen. Ein Ratgeber für Techniker, Ingenieure und andere „Fachchinesen“. Gabler Verlag 2009, 208 Seiten, 47,99 €