Durch Kontakte zum Job: Grundprinzipien des Networkings

//Durch Kontakte zum Job: Grundprinzipien des Networkings

„Laden Sie diese Dame zum Gespräch ein. Sie ist mir von einem Geschäftspartner empfohlen worden.“ bittet ein Personalleiter seine Sekretärin. Ihr Kontaktnetzwerk hat der Stelleninteressentin weitergeholfen. Selbstmarketing-Experte Stéphane Etrillard verrät in diesem Beitrag, wie man ein berufliches Netzwerk aufbaut.

Viele Probleme können nur deshalb effektiv gelöst werden, weil sich Menschen untereinander kennen und sich gegenseitig unbürokratisch helfen. Es geht darum, die eigenen Möglichkeiten durch Unterstützung anderer zu erweitern. Varianten der gegenseitigen Hilfe gibt es zahlreich: Es kann ganz klassisch um einen Zugriff auf den Warenbestand des anderen gehen (z. B. Ausleihen eines Autos), aber insbesondere bei der Jobsuche wäre es möglich, seine Kontakte zu nutzen (Vermittlung eines Ansprechpartners in einem Unternehmen, Weiterempfehlung …)

Denn oft sind es Kleinigkeiten, die sich zu Hindernissen aufbauen und zu lästigen Zeitfressern ausweiten. Manchmal können Stunden vergehen, bis wir eine dringend benötigte Information recherchiert haben, währenddessen ein einziger Anruf bei der richtigen Person sofortige Klärung bringen würde. Oder der übliche Dienstweg ist umständlich und langwierig. Ein Ansprechpartner an der richtigen Stelle ist dann Gold wert. Nicht nur die Jobsuche, sondern das ganze Leben wird einfacher, wenn wir in entscheidenden Momenten auf die Unterstützung der richtigen Personen zählen können. Doch gute und hilfreiche Kontakte ergeben sich nicht von selbst, sie müssen aktiviert werden. Das notwendige Netzwerkpotenzial ist in allen Fällen mehr als ausreichend vorhanden.

Mit anderen aktiv in Kontakt zu treten, kann Überwindung kosten, es ist jedoch absolut unerlässlich für den Auf- und Ausbau von Netzwerken. Ein Netzwerk entsteht keinesfalls nebenbei und von heute auf morgen. Es baut auf Vertrauen und Gegenseitigkeit – sein Aufbau kann also Monate, manchmal sogar Jahre dauern. Hierbei dürfen Sie Ihre Kontakte niemals als reines Mittel zum Zweck betrachten. Menschen lassen sich nicht nach Lust und Laune ausnutzen und dort einsetzen, wo sie gerade gebraucht werden. Alle Netzwerke müssen behutsam und zielstrebig aufgebaut, schließlich aber auch sorgfältig gepflegt werden.

Ein Netzwerk ist ein Konto mit Soll und Haben

Einem guten Netzwerk liegen zwei psychologische Eigenschaften der Menschen zugrunde: Jeder Mensch hilft gerne und gibt mit Vorliebe Ratschläge und Tipps. Sie versorgen andere mit Informationen oder stehen tatkräftig zur Seite. Andererseits brauchen alle Menschen Anerkennung; sie tun Gutes nicht nur, um anderen zu helfen, sondern eben auch, weil sie Dankbarkeit oder eine andere Gegenleistung ernten wollen. Für Ihr Netzwerk heißt das, Sie können nicht nur nehmen, sondern müssen auch geben! Und gerade in der Anfangsphase sollten Sie zuerst in Vorleistung treten, damit sich Ihre Kontaktpersonen anschließend bei Ihnen revanchieren können.

Grundsätzlich sollte ein Netzwerk wie ein Konto mit Soll und Haben geführt werden, wobei Sie weder zu große Guthaben anhäufen noch zu stark ins Saldo kommen dürfen. Ein Netzwerk bleibt nur dann nachhaltig funktionstüchtig, wenn keine dauerhaft einseitigen Belastungen stattfinden – unbedingt ist also auf Ausgewogenheit zu achten. Jede Leistung, jeder Dienst, der Ihnen erwiesen wird, muss später honoriert werden, damit das Konto wieder ausgeglichen ist. Erst durch andauernde Kontobewegungen, die aber letztendlich immer wieder zur Ausgeglichenheit führen, wird das Vertrauen gefestigt und das Netzwerk insgesamt gestärkt.

Jede Art von Einseitigkeit bringt eine Verbindung zwangsläufig zum Zerreißen. Neben dem Geben und Nehmen basiert ein gutes Netzwerk auf Verlässlichkeit und Diskretion. Wenn Sie als zuverlässiger Partner gelten, der ohne Aufhebens für einen anderen Partner einspringt, wird das die Hilfsbereitschaft anderer Ihnen gegenüber erhöhen. Zuverlässigkeit impliziert dabei immer auch Diskretion. Es muss nicht immer jeder wissen, wer Ihnen welche Informationen unter welchen Umständen besorgt hat. Wichtig ist allein, dass ein Problem gelöst wurde. (Stéphane Etrillard)

Über Stéphane Etrillard

Foto: Sylke Gall.
Foto: Sylke Gall.

Der internationale Keynote Speaker zählt zu den Top-Wirtschaftstrainern im deutschsprachigen Raum. Der mehrsprachige Vortragsredner gilt als führender europäischer Experte für persönliche Souveränität. Sein Know-how ist in den letzten 18 Jahren in der Beobachtung und Begleitung von mehreren Tausend Führungs- und Nachwuchskräften aus unterschiedlichsten Branchen entstanden. Er ist Autor von über 40 Büchern und Audio-Coaching-Programmen, die zu den Business-Topsellern zählen. Täglich lesen über 30.000 Menschen seine Coaching-Impulse in den sozialen Netzwerken. 2013 wurde sein Buch „Mit Diplomatie zum Ziel“ im WirtschaftsBlatt in die Top Ten der deutschsprachigen Wirtschaftsbücher aufgenommen.