Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser: Viel Spielraum für Hanning & Kahl-Mitarbeiter

//Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser: Viel Spielraum für Hanning & Kahl-Mitarbeiter
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Eelco Hoedemaker, Wolfgang Helas, Silke Ritter.

Oerlinghausen. „Für uns zählt die Erledigung einer Aufgabe und nicht die Stunden, die ein Mitarbeiter am Arbeitsplatz verbringt.“ so Silke Ritter, Personalleiterin bei Hanning & Kahl. Die Vertrauensarbeitszeit ist eine von vielen Maßnahmen, die die Firma als besonderen Arbeitgeber auszeichnen.

In Oerlinghausen sind rund 360 Mitarbeiter beschäftigt, davon viele Spezialkräfte. Auch international ist das Unternehmen aktiv. Die Selbstverantwortung des Einzelnen wird bei dem Hersteller von Brems-, Weichen- und Signalsystemen für Bahnen und Bremsen für Windenergieanlagen groß geschrieben. „Es wird abgesprochen, wann ein bestimmtes Projekt oder eine Arbeit abgeschlossen sein muss. Ist derjenige fertig, kann er nach Hause gehen oder später kommen. Andererseits erwarten wir auch, dass die Leute im Bedarfsfall so lange bleiben, bis sie ihr Soll erfüllt haben.“ fügt Ritter hinzu. Auf Schichtarbeiter kann dieses Modell aus steuerrechtlichen Gründen nicht angewendet werden, doch nach Auskunft der Personalchefin „ insgesamt auf sechzig Prozent der Belegschaftsmitglieder.“

Bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde das Vorschlags- und Innovationswesen bei Hanning & Kahl, das nach Auskunft von Geschäftsführer Wolfgang Helas zu „fünf Vorschlägen pro Mitarbeiter pro Jahr“ führe. Scherzhaft habe er diese Einrichtung schon als „Lizenz zum Spinnen“ bezeichnet, sagt er lächelnd. Habe jemand eine Idee, könne er diese online an einen dafür „Berechtigten“ seiner Wahl schicken. Halte dieser den Vorschlag für interessant, würden im Unternehmen Ressourcen zur Umsetzung bereitgestellt. Sei die Idee verwirklicht, müsse der „Erfinder“ seinen Vorschlag selbst bewerten in Hinsicht auf Kreativität, Anwendbarkeit und Wirtschaftlichkeit. „Er bekommt Punkte dafür – und ab einer gewissen Höhe eine Prämie.“ berichtet der stellvertretende Geschäftsführer Eelco Hoedemaker, der bis vor kurzem leitender Innovationsmanager war.

Andreas Müller hat eine gute Idee eingebracht, die in Form einer neuen Apparatur umgesetzt wurde.
Andreas Müller hat eine gute Idee eingebracht, die in Form einer neuen Apparatur umgesetzt wurde.

Andreas Müller gehört zu den findigen Köpfen, die durch einen eigenen Vorschlag für nachhaltige Verbesserungen im Unternehmen gesorgt haben. Der Qualitätssicherheitsbeauftragte erzählt: „Wir mussten von zwei Seiten Buchsen mit dem Hammer in ein Metallteil schlagen. Die Prozedur war störanfällig, barg ein Verletzungsrisiko und nahm bei gutem Verlauf vier Minuten in Anspruch.“

Mit Hilfe einer Technologie, die eigentlich beim Bremssystem für Windkraftanlagen eingesetzt wurde, habe er eine Lösung gefunden. „Ich entwarf mit Zeichnungen einen Apparat, der die Buchsen automatisch in die Öffnungen hineingepresst.“ Diese Idee wurde verwirklicht und rentierte sich sofort, wie Müller betont: „Es dauert nur noch eine Minute und 43 Sekunden, bis die Buchsen an ihrem Platz sind.“ Ihm gefällt dieser Teil des betrieblichen Vorschlagswesens. „Ich bin sehr motiviert, mir noch mehr einfallen zu lassen.“ Er fügt hinzu, abgesehen von Ruhm und Ehre seien auch die Prämien ein Ansporn für alle Belegschaftsmitglieder, ihre Ideen einzubringen.

Zu den Besonderheiten bei Hanning & Kahl gehört auch ein „Mann für fast alle Fälle“, sicher einer der beliebtesten Mitarbeiter. Rudolf Koch: „Ich erledige lästige und zeitaufwendige Tätigkeiten für jeden im Hause, der Bedarf hat.“ Dazu gehöre das Ordern von Blumensträußen und Pralinen für vergessene Hochzeitstage ebenso wie Gänge zum Amt und das Abholen von Kindern, wenn die Eltern noch länger arbeiten müssten. „Ich habe auch mal für jemand riesige Kleiderschrank-Pakete von IKEA bis zu ihm nach Hause transportiert.“ erinnert er sich an eine körperlich besonders anspruchsvolle Aufgabe.

Rudolf Koch (links) ist der Mann für (fast) alle Fälle bei Hanning & Kahl. Auch Firmenchef Wolfgang Helas lässt sich von ihm unterstützen.
Rudolf Koch (links) ist der Mann für (fast) alle Fälle bei Hanning & Kahl. Selbst Firmenchef Wolfgang Helas lässt sich von ihm unterstützen.

Geschäftsführer Wolfgang Helas erläutert: „Der Mitarbeiter-Service hat sich für uns schon vielfach ausgezahlt. Bei uns kommt niemand mehr zu spät, weil er noch zum Amt oder zur Apotheke gehen musste.“ Auch rein rechnerisch lasse sich die Investition in diesen Sonder-Arbeitsplatz als lohnend nachweisen: „Ich muss einfach nur die Zeit, in denen er für andere aktiv ist, als deren Fehlstunden umrechnen.“ Auch er selbst greift schon mal auf die Dienste von Rudolf Koch zurück. „Er hat mir gerade erst neue Nummernschilder für ein Auto besorgt.“ verrät der Firmenchef. Ob er die Zeit, die er für den Besuch beim Straßenverkehrsamt gespart hat, nun für eine kleine Ausflugsfahrt nutzen wird, verrät er nicht. (Birgit Lutzer)