Arbeit statt Arzt: Stadtwerke Bielefeld investieren in gesunde Mitarbeiter

//Arbeit statt Arzt: Stadtwerke Bielefeld investieren in gesunde Mitarbeiter

Das Gesundheitsmanagement der Stadtwerke Bielefeld basiert auf demselben Prinzip wie die Empfehlung, jeden Tag einen Apfel zu essen. Vorbeugen ist besser als Heilen. Das Konzept erfasst sowohl das körperliche Wohlbefinden als auch die seelischen Bedürfnisse der Mitarbeiter.

Stadtwerke-Geschäftsführer Friedhelm Rieke verrät: „Dazu gehören ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze, vernünftiges Essen in der Kantine und ein Gesundheitszentrum ebenso, wie die Möglichkeit, sich bei psychischen Problemen oder Suchtkrankheiten Hilfe zu holen.“

Er kann nur im Stehen lange arbeiten. Zum Glück hat Jan Adde de Groot einen maßgefertigten Schreibtisch.
Jan Adde de Groot

Der Ingenieur Jan Adde de Groot beispielsweise hat einen vom Unternehmen finanzierten Schreibtisch, der einem hohen Biertresen ähnelt. „Seit ich bei der Arbeit stehen kann, bin ich noch gar nicht krankheitsbedingt ausgefallen.“ erläutert er. Denn trotz seines Alters von 29 Jahren hat er aufgrund seiner Körpergröße von 202 cm massive Rückenprobleme. Diese haben in der Vergangenheit zu mehreren längeren Ausfällen geführt, weil er sich aufwendig behandeln lassen musste.

Der Umbau von Arbeitsplätzen gesundheitlich eingeschränkter Mitarbeiter ist nur ein kleines Element des betrieblichen Gesundheitsmanagements, wie die damit-Beauftragte Diana Adamietz betont. Am längsten gebe es schon das Angebot für Suchtkranke, „ schon seit 1990.“ Zu typischen Süchten gehören laut Adamietz „Alkohol-, Spiel- und Internetsucht.“ Häufig versuchten die Betroffenen, ihr Leid zu verheimlichen. Denn neben Ausgrenzung drohe ihnen in vielen Firmen nach kurzer Zeit der Rauswurf, weiß die Gesundheitsmanagerin zu berichten. Nicht so bei den Stadtwerken, wie Pressesprecherin Birgit Jahnke ergänzt: „Bei uns gibt es seit fast 25 Jahren eine Betriebsvereinbarung unter dem Titel `Helfen statt Kündigen´. Sie greift bei Süchten. Seit Anfang 2012 ist sie in eine umfassende Betriebsvereinbarung „Gesundheit“ integriert, nach der wir bei Beeinträchtigungen der körperlichen und psychischen Gesundheit handeln.“ Interne Suchtbeauftrage und der externer betriebspsychologische Dienst durch die Firma Pecon GmbH stehen den Mitarbeitern, ihren Vorgesetzten und in manchen Fällen auch den Familien des Arbeitnehmers zur Seite.

Werner W. Wilk, Pecon-Geschäftsführer: „Neben den Stadtwerken sind wir auch für andere Unterhemen in dieser Funktion tätig. Durchschnittlich nehmen drei bis zehn Prozent der Belegschaften aller unserer Kunden unsere Leistung in Anspruch.“ Die Aufgabe seines Teams besteht nach Auskunft des Diplom-Psychologen in einer Beratung und im Aufzeigen weiterer Hilfsangebote, wenn jemand beispielsweise in einer akuten Krise keinen Lösungsweg sehe. „Wir möchten mit unserem Angebot dazu beitragen, ernsthafte und langfristige psychische Erkrankungen zu vermeiden. Bei dem Wunsch nach einer konkreten Diagnose verweisen wir an Fachärzte.“ so Wilk.

Das Gesundheitszentrum der Stadtwerke befindet sich in einem eigenen Gebäude auf dem Firmengelände. Der Betriebsarzt hält dort seine Sprechstunde. Außerdem können sich Verspannte dort medizinisch auf Rezept oder gegen eine geringe Gebühr zu Wellness-Zwecken massieren lassen. Mitarbeiter, die Spaß an Bewegung mit Gleichgesinnten haben, absolvieren im Obergeschoss professionell geleitete Sportkurse. In zwei Geräteräumen besteht die Möglichkeit, individuell zu trainieren. „Es ist verpflichtend, sich vor der Benutzung der Geräte durch unsere Fachleute einweisen zu lassen.“ betont Gesundheitsmanagerin Adamietz. Nach der Arbeit oder schweißtreibendem Training lockt eine ebenfalls die Poren öffnende Sauna im Keller zum Entspannen.

Die Sport- und Fitness-Angebote werden von den aktuell bei den Stadtwerken tätigen Mitarbeitern und auch von vielen Pensionären in Anspruch genommen. Regelmäßig dabei ist der ehemalige Personalleiter und Prokurist Karl-Heinz Sieweke. Er war von 1948 bis 1995 bei den Stadtwerken tätig. Heute freut sich der 83-Jährige über die Möglichkeit, „die Verbindung zum Unternehmen und den ehemaligen Kollegen zu halten.“ Der regelmäßige Sport sei eine Aufmunterung für ihn.

Jan Adde de Groot (Mitte) trainiert einträchtig mit den Pensionären Hans-Georg Schmidt (links) und Karl-Heinz Sieweke (rechts).
Jan Adde de Groot (Mitte) trainiert einträchtig mit den Pensionären Hans-Georg Schmidt (links) und Karl-Heinz Sieweke (rechts).

Auch Jan Adde de Groot übt sich wegen seiner Rückenprobleme an Fitness-Geräten. Ein dauerhafter Erfolg, so der Ingenieur, könne nur durch Kontinuität erreicht werden. „Ich fühle mich hierbei von den Stadtwerken sehr unterstützt und bin hoch motiviert, mich für das Unternehmen zu engagieren.“ sagt er und drückt die Arme noch einmal fest zusammen. Denn auch die Brustmuskulatur muss gestärkt werden. (Birgit Lutzer)

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