Hauptsache, gesund: Staat und Kassen fördern Gesundheitsmanagement

//Hauptsache, gesund: Staat und Kassen fördern Gesundheitsmanagement

Steinhagen/Westf.: Hohe Krankenstände, niedrige Produktivität – plötzlich ist Gesundheitsmanagement im Betrieb gefragt. Die Wirkung von Einzelmaßnahmen verpufft jedoch meist, so dass ein abgestimmtes Konzept die bessere Variante ist. Und es gibt es Zuschüsse von Staat und Krankenkassen.

Worauf es beim betrieblichen Gesundheitsmanagement ankommt und was dabei die beste Vorgehensweise ist, verrieten vier Experten vom Steinhagener Institut Schramm: die Inhaber Gaby und Dirk Schramm, Trainer und Berater Dr. Michael Schnell und Netzwerkpartner Christian Kache, Geschäftsführer des Gütersloher Gesundheitszentrums „soma.fit“.

Welche Aktivitäten gehören überhaupt zum betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Gaby Schramm: Dazu gehören drei Ansätze, die miteinander verzahnt werden müssen: Zum einen umfasst es alle Aktivitäten in Firmen, um Arbeitsbedingungen und Abläufe gesundheitsförderlich zu gestalten. Zum anderen geht es um die Einbeziehung der Mitarbeiter und drittens um die Stärkung ihrer persönlichen Kompetenzen. Bei Letzterem besteht oft Handlungsbedarf, wenn es um die Übernahme einer neuen Rolle, von neuen Funktionen und von Verantwortung als Führungskraft geht. In Konzernen ist dies bekannt, doch in vielen kleinen und mittelständischen Firmen noch nicht.

Was sind typische „Alarmsignale“, die darauf hinweisen, dass ein gesundheitsförderliches Eingreifen erforderlich ist?

Dirk Schramm: Wir müssen hier unterscheiden, um welche Perspektive es geht. Vom Mitarbeiter aus betrachtet, sind die Symptome unserer Klienten sehr verschieden. Manche haben Angstzustände, andere klagen über Schlafstörungen und dritte haben Bluthochdruck. Die Ursache sind belastende Lebensumstände, die sich insbesondere in höherem Lebensalter verstärkt körperlich auswirken.

Dr. Michael Schnell: Von Seiten der Unternehmen gibt es mehrere Faktoren. Zum einen spielt der demografische Wandel eine zunehmende Rolle. In vielen Firmen herrscht deswegen und auch aus anderen Gründen Fachkräftemangel. Hinzu kommt häufig, dass immer mehr Aufgaben von immer weniger Personen ausgeführt werden müssen. Es handelt sich also um strukturelle Probleme, die eben nicht nur durch Einzelmaßnahmen wie ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze gelöst werden können.

Woran merken Sie, dass Entscheidungsträger in kleinen und mittelständischen Unternehmen oft eher an solche Einzelmaßnahmen denken?

Gaby Schramm: Eine typische Ausgangssituation besteht darin, dass Führungskräfte uns nach einem Teamtraining fragen, um alle Mitarbeiter wieder auf Linie zu bringen. Dabei liegt die Ursache für eine schlappe, müde und wenig motivierte Belegschaft oft in den Arbeitsbedingungen. Die Leute sind überlastet und frustriert – oder sie haben andere psychische Probleme. Körper und Seele bilden eine Einheit, so dass wir dann „integrativ“, also übergreifend vorgehen. Es geht darum, die Gesamtsituation in der Firma zu analysieren und ein Konzept zu entwickeln, dass alle Problembereiche sowie deren Ursachen erfasst.

Inwieweit ist es Firmen selbst überlassen, ob Sie ein Gesundheitsmanagement einführen oder nicht?

Christian Kache: Eine ganz freiwillige Angelegenheit ist das betriebliche Gesundheitsmanagement nicht mehr. Auch die Europäische Gemeinschaft setzt sich mit der „Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz“ dafür ein. Hintergrund ist das wirtschaftlich motivierte Interesse an leistungsstarken, engagierten und produktiven Mitarbeitern in der Europäischen Union. Jeder Mitgliedsstaat ist angehalten, die eigenen Unternehmen dabei zu fördern. In Deutschland erhalten Firmen vom Staat steuerliche Vorteile. Maßnahmen für die Gesundheitsförderung in Firmen kann der Unternehmer bis zu einer umgerechneten Höhe von 500 Euro pro Mitarbeiter steuerlich als Betriebsausgaben geltend machen.

Und was tun die Krankenkassen?

Dirk Schramm: Sie haben vom Gesetzgeber die Vorgabe, dass sie Angebote für Betriebe bereithalten und die Implementierung des Gesundheitsmanagement fördern. Wie genau sie das umsetzen, entscheiden die Krankenkassen individuell „Da es sich beim Gesundheitsmanagement um einen länger dauernden Prozess handelt, erstattet beispielweise eine Krankenkasse den Aufwand für einen Berater, der dem Unternehmen dabei zur Seite steht und die Umsetzung begleitet. Die genauen Angebote müssen durch ein Gespräch geklärt werden. Oft besteht dabei ein gewisser Verhandlungsspielraum.

Birgit Lutzer