Heimlicher Handy-Flirt bei der Arbeit beliebt

//Heimlicher Handy-Flirt bei der Arbeit beliebt

LoveFi-01-miniDie 36-jährige Sabine C. ist auf dem Weg zur Arbeit. Plötzlich schallt es aus Ihrem Handy „Love is in the air“. Der gleiche Song ertönt aus dem iPhone eines Mannes, der ihr gerade entgegen gekommen ist. Liebes-Alarm! Beide haben die App „Love Finder“ installiert.

Die Sozialarbeiterin kann die Anwendung mit einem Klick deaktivieren. Das ist auch wichtig, denn die private Handynutzung am Arbeitsplatz ist offiziell verboten. Trotzdem geben in einer Studie der Singlebörse Neu.de aus dem Jahr 2014 immerhin 12 % der 2.017 Befragten an, am Arbeitsplatz „nebenbei“ mit dem Smartphone online zu flirten und sich zu verabreden.

Britische Forscher fanden einem Beitrag des Verfassers Nicolas Zeitler zufolge heraus, dass Flirtverhalten am Arbeitsplatz – in der Untersuchung bezogen auf Direktkontakt – zumindest bei Männern auf Unzufriedenheit mit ihrem Job schließen lässt. Zeitler: „ Männer … flirten womöglich, um sich … etwas Unterhaltung und Amüsement zu verschaffen.“ Bei Frauen bestehe das Flirtmotiv eher im Wunsch nach Kontakt oder auch darin, den eigenen Marktwert zu testen. 

Arbeitgeber geraden dadurch in eine Zwickmühle. Einerseits haben die privaten Nachrichten und das „mobile Dating“ nichts mit der beruflichen Tätigkeit ihrer Mitarbeiter zu tun. Andererseits wünschen sich viele Führungskräfte, dass Belegschaftsmitglieder auch unterwegs oder zu Hause erreichbar sind. Arbeit und Privatleben gehen ohne klare Grenzen ineinander über. Die größere Freiheit auf der einen Seite führt auf der anderen zu mehr Stress. Wer immer beruflich erreichbar ist, kann niemals richtig abschalten. Außerdem können kleine Belohnungen zwischendurch vom Arbeitsstress ablenken – wie etwa die Aussicht auf ein Date nach Feierabend.

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht, Ulf Weigelt, rät in einer Kolumne der ZEIT online davon ab, die private Kommunikation für Mitarbeiter stark zu reglementieren. „In dringenden Fällen (z.B. Kind krank, Unfall des Partners, Wasserrohrbruch zu Hause usw.) sollten Mitarbeiter erreichbar sein.“ Er vermutet Negativkonsequenzen durch den Versuch Vorgesetzter, den Austausch privater Nachrichten zu unterbinden: „Mit diesem Verhalten werden Sie … viel Unmut ernten.“

Sabine C. jedenfalls holt sich ganz brav auf dem Arbeitsweg und im Privatleben positive Impulse durch den Love-Finder. Dieser schlägt an, wenn sie einem männlichen Single begegnet, der die App ebenfalls installiert hat. Im Beruf hat die Sozialarbeiterin ohnehin überwiegend Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. „Zusammen mit einer Kollegin leite ich die Übermittags-Betreuung an einem Gymnasium. Der Flirt muss bis zum Feierabend warten!“ (Birgit Lutzer)