Neue Zähne nach Stellenantritt: Womit Firmen bei Fachkräften punkten

//Neue Zähne nach Stellenantritt: Womit Firmen bei Fachkräften punkten

(OWL/Bielefeld) „Was haben Sie als Arbeitgeber zu bieten?“ fragt der Bewerber kess beim Vorstellungsgespräch. Dieser Fall ist heute Realität. Bei einer Konferenz der OstWestfalenLippe GmbH in der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld gaben Referenten Antworten auf die Frage nach mehr Arbeitgeberattraktivität.

„In den 80er Jahren taten Yuppies alles für ihre Karriere. Heute gibt es mehrere gleichberechtigte Wünsche und Ziele neben der Arbeit“, so Klaus-Peter Jansen von der OstWestfalenLippe GmbH. Um wichtige Aspekte des Schlagwortes „Arbeitgeberattraktivität“ zu beleuchten, hatte er fünf weitere Experten eingeladen, die vor den rund 50 Teilnehmern zu Wort kamen.

Stellenausschreibungen oft „Wischi-Waschi“

Jansen zufolge haben viele Unternehmen noch nicht erkannt, dass sie sich um Arbeitskräfte bemühen müssen. Als Beleg präsentierte er Stellenausschreibungen. „Mit interessanten Herausforderungen und einer der Position angemessenen Bezahlung allein können Sie heute niemand mehr locken.. Es geht darum, den Bewerbern die Vorteile in Ihrem Unternehmen zu präsentieren.“ unterstrich er. Und genau an diesem Punkt seien Phantasie und Pioniergeist gefragt. „Wenn Sie das bieten, was alle machen, sehen Stelleninteressenten keinen Vorteil.“ Der Leiter des Projekts „Fachkräfte sichern – Branchen stärken in OWL“ betonte, die gesamte Veranstaltung diene dazu, den anwesenden Personalverantwortlichen aus ostwestfälischen Unternehmen dafür Anregungen zu geben.

Sport an jedem Ort

Einer davon, Mario Stitz von der Karl Brand KG, beleuchtete das Gesundheitsmanagement-System des Großhandels-Unternehmens für Haustechnik. Stitz: „Wir suchten eine einfache Lösung, der sich ohne großen Verwaltungsaufwand auf alle unsere 16 Standorte übertragen ließ.“ Gefragt gewesen sei ein Anbieter mit einem Paket an Gesundheits-, Wellness- und Fitnessdienstleistungen, der gleichzeitig an vielen Orten präsent sei. „Mit Sportnavi haben wir den richtigen Partner gefunden.“ verriet der Vertriebsexperte.  Verschiedenste Angebote – vom Bogenschießen über Paddeln und Radfahren bis hin zu Fitness- und Reha-Maßnahmen seien im Vertrag enthalten. „Wir zahlen den Beitrag und unsere Mitarbeiter können an jedem Ort, wo sich Sportnavi-Partner befinden, individuell deren Leistungen nutzen.“

Familienfreundlichkeit ist gefragt

Auf die bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf als Anreiz ging Ria Lissina von der REGE Bielefeld ein. „Immer mehr Menschen müssen Angehörige pflegen. Wir haben eine Reihe von Angeboten für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern in dieser Hinsicht einen besonderen Vorteil bieten möchten.“ sagte sie und fügte hinzu, bei der Umsetzung sei auch das Verhalten der Führungskräfte ein wichtiger Punkt. „Wenn der Vorgesetzte ab und zu früher nach Hause geht, um Kinder abzuholen oder sich um seine kranke Mutter zu kümmern, hat dies eine stärkere Überzeugungskraft als wohlklingende Leitlinien allein“, so die Referentin.

Geförderte Weiterentwicklung

Andreas Lühmann von der Regionalagentur Ostwestfalen-Lippe ging in seinem Vortrag auf die vom Land NRW geförderte Firmen-Potenzialberatung und auf Bildungsschecks ein. „Um beispielsweise die Stärken des Unternehmens zu ermitteln und die Gewinnung von Fachkräften zu erleichtern, kann eine bezuschusste Beratung in Anspruch genommen werden.“ Auch die Bildungsschecks seien eine preisgünstige Möglichkeit, Mitarbeitern attraktive berufliche Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten. Hier stehe die Regionalagentur interessierten Firmen zur Seite.

Mehr Geld in der Kasse auf beiden Seiten

Speziell um Finanzen und die Möglichkeit, Steuern zu sparen, ging es im Beitrag von Rainer Lechtenfeld. Er führt das Beratungs- und Coachingunternehmen „K3“ in Dissen, das Firmen unter dem Motto „Mehr Netto vom Brutto“ unterstützt. „Wenn Sie als Arbeitgeber einem Mitarbeiter das Gehalt um 100 Euro erhöhen, kostet Sie das 130 €. Der Arbeitnehmer selbst hat aber nur 50 Euro mehr Netto in der Tasche.“ Der Finanzwirt empfahl, stattdessen über finanzielle Anreize in Form von Warengutscheinen und anderen Vergünstigungen wie die Finanzierung der Kindergartenbeiträge für den Nachwuchs der Mitarbeiter nachzudenken: „Sie zahlen unterm Strich weniger und der Mitarbeiter hat mehr davon.“

Gebiss-Sanierung und neue Brille als Argumente

Neben der betrieblichen Altersvorsorge zum günstigen Tarif ging Philip Spies vom Industrie-Pensions-Verein Düsseldorf auf die betriebliche Krankenversicherung als Alternative für die oft lückenhafte Eigenvorsorge der Mitarbeiter ein. „Sie können Ihren Belegschaftsmitgliedern eine kostengünstige Krankenversicherung mit zahlreichen Extras z. B. in Bezug auf die medizinische Vorsorge, Zahnersatz und Brillen zu einem unschlagbaren Tarif anbieten.“ schlug er vor. Dieses Produkt sei seit etwa zwei Jahren auf dem Markt und würde von verschiedenen Versicherungsgesellschaften angeboten. (Birgit Lutzer)