Reich und berühmt durch’s eigene Buch??!

//Reich und berühmt durch’s eigene Buch??!

Ein eigenes Buch bringt Publicity, sichert den Expertenstatus und bringt vielleicht sogar neue Kunden. Sich einen Verlag zu suchen, ist nur eine von mehreren Varianten. Zunächst lautet die etwas überspitzte Frage, ob der Autor mit dem Projekt reich oder berühmt werden möchte.

Dr. Thorsten Bosch führt unter seinem Namen ein Beratungs- und Traininingsunternehmen, das sich an Entscheidungsträger in Unternehmen richtet. Er hat gerade ein hochwertiges Buch unter dem Titel „Führung made in Germany“ beim Gabal-Verlag veröffentlicht.

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Schon das Querformat ist auffällig. Die Titelgestaltung passt zum Erscheinungsbild des Unternehmens. Auch das Innenleben des Werks lässt ahnen, dass hier ein Gestaltungsprofi am Werk war. Bei vielen Verlagen ist es so, das sie über den Titel und die Aufmachung neuer Bücher entscheiden, insbesondere dann, wenn diese Teil einer Reihe sind. Bosch hat auf eigene Kosten eine Grafikerin und weitere redaktionelle Unterstützung engagiert. „Der Titel des Buchs muss ansprechend sein und Aufmerksamkeit wecken. Dasselbe gilt für die Inhaltsseiten.“ Deshalb habe er dem Verlag ein entsprechenden Geschäftsmodell vorgeschlagen. Bosch: „Die Verkaufszahlen und die Nachfrage bei unseren Veranstaltungen zeigen, dass dies die richtige Entscheidung war.“ Außerdem investiert Bosch in ein professionelles Marketing und hat eine Extra-Internetseite für sein Buch eingerichtet, die regelmäßig mit neuen Informationen versorgt wird. Hinzu kommen Aktivitäten seines Pressesprechers Achim Berlitz, der sich unter anderem um eine persönliche Kontaktpflege zu Medienvertretern kümmert. Berlitz: „Auch die Amazon-Rezensionen sind wichtig, wobei wir die natürlich nicht direkt beeinflussen können. Es ist erfreulich, dass aktuell 24 Leser die volle Punktzahl gegeben haben.“

Buchprojekte machen viel Arbeit, doch sie gehorchen oft einem Schneeballeffekt: Hat jemand schon eins veröffentlicht, ist es in der Regel leichter, mit einem neuen Verlag ins Geschäft zu kommen. Deshalb kann es sinnvoll sein, zunächst bei einem kleineren Verlag zu veröffentlichen und ggf. in Leistungen wie Lektorat und Gestaltung zu investieren.Zentral für das Finden eines Verlags ist eine zündende Buchidee, die dann in Zusammenwirken mit dem Lektorat verwirklicht wird. Da die Margen bei diesem Modell mit vier bis acht Prozent vom Nettoverkaufspreis sehr niedrig sind, lohnt es sich, über den Weg von Amazon und anderen Anbietern nachzudenken. Autoren können ihr Buch selbst gestalten, als PDF hochladen und entscheiden, in welchen Formaten sie es anbieten. Wählen sie ein als eine von mehreren Optionen die Print-on-Demand-Variante, wird das Exemplar bei Bestellungseingang gedruckt. Der Verdienst ist höher. Die Entscheidung dafür kann sich lohnen, wenn der Autor über ein gutes eigenes Vertriebsnetz verfügt. Denn für einen Verlag ist ein Buch eines unter vielen und die Vermarktungsbemühungen in der Regel entsprechend eingeschränkt. Doch Achtung: Ab einer gewissen Zahl verkaufter Exemplare droht die Pflicht, ein Gewerbe anzumelden.

Wie Verlagsmitarbeiter „ticken“

Wer dennoch eine Verlagsveröffentlichung anstrebt, sollte verschiedene Gesichtspunkte in die Planung des Projekts einbeziehen. Fertige Manuskript weichen vielleicht von den Vorstellungen der Verlagsmitarbeiter ab. Deshalb ist es oft geschickter, einem Verlag zunächst eine Idee zu verkaufen und die Texterstellung in Zusammenarbeit mit dem Lektorat vorzunehmen. Am besten ist natürlich eine völlig neue Buchidee, die zum Expertenstatus des Verfassers passt. Für den Fall, dass das Thema schon bekannt und weitreichend in der Literatur ausgewalzt ist: Wichtig ist ein Neuigkeitswert. Beispiele: ein Ratgeber für eine spezielle Zielgruppe, Einschränkung der Buchausrichtung auf einen bisher wenig behandelten Teilbereich oder die einzigartige Kombination mit einem anderen Aspekt …

Wichtig ist ein knackiges Thema

In Zusammenhang mit der Themenfindung erfolgt die Verlagssuche. Auswahlkriterien sind z. B.:

  • Themenspektrum des vorhandenen Angebots à passt Buchprojekt dazu?
  • Vorhandene Publikationen zu ähnlichen Themen à Vermarktung des Buchs ist einfacher und Verfasser profitiert ggf. vom Bekanntheitsgrad anderer Autoren dieser Reihe
  • Autorenbetreuung/Lektorat à Sichtung von Büchern, die bereits dort erschienen sind. Ein holpriger Schreibstil, viele Rechtschreibefehler, lieblose Aufmachung sind Ausschlusskriterien
  • Vermarktung der vorhandenen Bücher à Verlagswebsite, Amazon

Die meisten Verlage haben Autorenrichtlinen, in denen sie die Kontaktaufnahme regeln. Standard, um eine Buchidee anzubieten, ist ein Exposé, eine Zusammenfassung der wichtigsten Elemente. Es ist mit einem Bewerbungsschreiben vergleichbar und enthält folgende Informationen:

  • Anschreiben an den Verlag: Idee, deren Neuigkeitsaspekt, Nutzen des Buchprojekts für den Verlag
  • Gliederung bzw. ein vorläufiges Inhaltsverzeichnis mit stichpunktartigen Erläuterungen zu den einzelnen Abschnitten.
  • Textauszug von drei bis vier Seiten, der in einem Kapitel des Buchs vorkommen könnte (Der Verlag möchte sich ein Bild vom Schreibstil machen und abschätzen, wie viel Arbeit das Lektorat möglicherweise in die Autorenbetreuung stecken muss
  • Liste mit vorhandenen Publikationen zu ähnlichen Themen und die Abgrenzung der Idee davon

Unabhängig davon, ob der gewählte Weg die Eigenveröffentlichung über entsprechende Anbieter oder über einen Verlag ist: Hat jemand keine Zeit zum Schreiben oder liegen seine Kompetenzen auf anderem Gebiet, ist es sinnvoll, sich einen „guten Geist“ zur Hilfe zu holen. Ein professioneller Ghostwriter versteht sein Handwerk. Meist bieten diese Dienstleister gestaffelte Pakete – begonnen vom Lektorat und „Glattschreiben“ über das Verfassen nach Stichworten bis hin zur kompletten Manuskripterstellung auf Basis einer Idee. (Birgit Lutzer)