Ruhig schlafen mit der richtigen Absicherung gegen Berufsunfähigkeit

//Ruhig schlafen mit der richtigen Absicherung gegen Berufsunfähigkeit

Der Nachricht, dass ein Bekannter wegen eines Unfalls nicht mehr arbeiten kann, widmen die meisten Menschen wenig Aufmerksamkeit. Wer sich ständig mit Ängsten quält, versauert sich das Leben. Doch laut Statistik trifft die Erwerbsunfähigkeit jeden Vierten vor Erreichen der Altersrente, und zwar auch durch Schlaganfall, Herzinfarkt & Co.

Zunächst stellt sich die Frage, was genau denn unter „Berufsunfähigkeit“ zu verstehen ist. In den Vertragsbedingungen professioneller Versicherungsunternehmen wird der Begriff so definiert: “Wer mindestens 6 Monate ununterbrochen durch Krankheit, Unfall oder Kräfteverfall nicht in der Lage ist außerstande ist seinen zuletzt ausgeübten Beruf so wie er sich zuletzt ausgestaltet hat zu mindestens 50% nicht mehr ausüben kann und dieser Zustand voraussichtlich sechs weitere Monate andauern wird, ist berufsunfähig. Übersetzt in normale Sprache bedeutet das:

  • Es geht um einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten, der voraussichtlich noch weitere sechs Monate in der Zukunft andauern wird.
  • Der Betroffene hatte einen Unfall, ist krank oder seine Kräfte lassen nach.
  • Die Folge davon ist, dass er seinen Beruf bzw. seine Tätigkeit nicht mehr wie zuletzt erfordert ausüben kann (Einschränkung von mindestens 50 %).

2001 wurde die Berufsunfähigkeits- durch die Erwerbsminderungsrente ersetzt, und zwar für alle, die nach dem 2.1.1962 geboren sind. Sie beträgt ca. 38 % des letzten Bruttoeinkommens. Zentral ist die Frage, wie lange jemand täglich in der Lage ist, irgendeine (!) Berufstätigkeit auszuüben. Ein invalider Firmenchef etwa, der noch sechs Stunden als Pförtner arbeiten kann, erhält keine Rente. Wer mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden arbeiten kann, erhält die halbe Rente. Nur diejenigen, die unter drei Stunden täglich arbeiten können, bekommen den kompletten Zuschlag.

Das „Kleingedruckte“ oder die Frage nach Fallstricken

Also hilft nur die private Vorsorge. In Versicherungsbedingungen lauert jedoch so manche Fußangel, die ein Laie leicht übersieht. Wurde etwa ein Unfall, der zur Berufsunfähigkeit führt, durch grob fahrlässiges Verhalten des Versicherungsnehmers verursacht, kann die Zahlung der BU-Rente von der Versicherung verweigert werden. Doch was genau ist „grob fahrlässig“? Dazu gehören beispielsweise das Überholen trotz Verbots und das Überfahren einer roten Ampel. Es gibt jedoch auch hier Versicherungsanbieter, die auf solchen Klauseln in ihren Bedingungen verzichten.

Selbst wenn der Versicherer die Berufsunfähigkeit anerkannt hat, kann es Klauseln geben, die zu großer Enttäuschung auf Seiten unwissender Versicherungsnehmer führen. Eine davon ist die  „Arztanordnungsklausel“ in älteren Verträgen. Vereinfacht bedeutet dieser Abschnitt: Wenn ein Arzt einem Berufsunfähigen zu einer bestimmten Operation rät, die zur teilweisen oder vollständigen Genesung führen könnte, muss der Betroffene darin einwilligen, um seine BU-Rente weiter zu beziehen. Das gleiche gilt für schmerzhafte Behandlungen. In einigen neueren Verträgen wurde dieser Grundsatz aufgeweicht. Es ist nur noch von einer „Mitwirkungspflicht“ die Rede, die jedoch bei bestimmten Anbietern die Pflicht, Operationen und schmerzhafte Behandlungen in Anspruch zu nehmen, ausschließt. Doch es ist immer Auslegungssache, was genau die aktive Mitwirkung bedeutet – und was tatsächlich passiert, wenn sich ein Patient gegen eine bestimmte Behandlung entscheidet.

Ein weiterer Gesichtspunkt der Berufsunfähigkeitsrente wird häufig vernachlässigt. Unser Geld und damit auch eine feste Rente verlieren beständig an Wert. Das, was am Anfang vielleicht noch zur Abdeckung der Kosten genügt, ist nach längerer Zeit kaum noch ausreichend. Aus diesem Grund sollten BU-Versicherungsverträge mit einer Dynamik ausgestattet sein. Der Beitrag steigt jedes Jahr um drei bis fünf Prozent. Das Problem dabei ist, dass die Beitragszahlung im Versicherungsfall entfällt – und damit auch die Dynamik. Der Betroffene erhält einen Betrag und ggf. von der Versicherung erwirtschaftete Überschüsse, die durch steigende Leistungsfälle deutlich niedriger ausfallen, als früher. Gegen dieses Risiko hilft eine so genannte „Passiv- oder Leistungsdynamik“, die eine Reihe von Versicherungen in ihrer Angebotspalette haben. Der durchschnittliche Steigerungssatz liegt zwischen 1 bis 3 %. Einige wenige Anbieter leisten sogar 5%, andere maximal 2%. Dieser aufpreispflichtige Zusatzbaustein ist also äußerst wichtig, um einer sonst vielleicht drohenden Altersarmut entgegen zu wirken.

Thomas Rudenike