Schneller lesen – mehr behalten

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Schneller lesen hilft in technischen Berufen. Wer in der Lage ist, den Lernstoff schnell zu erfassen und das Wesentliche aufzunehmen, spart Zeit. Wie das funktioniert, verrät der Schnelllese- und Informationsverarbeitungs-Experte Christian Peirick. (Bild: © iordani / Fotolia)

Auf einen Blick:
  • Strukturieren Sie Ihre Lektüre durch Leitfragen
  • Suchen Sie nach Inhalten, zu denen Sie persönlich einen Bezug haben
  • Punktuelles, gezieltes Lesen ist besser als sich durch den Gesamtstoff zu kauen
  • Mit einem Raster können Sie Ihre Augen unterstützen

Sich selbst neue Wissensgebiete zu erschließen, ist in gewisser Hinsicht mit einem Gang durch ein Labyrinth vergleichbar. Wer einfach „drauflos“ marschiert, riskiert die Gefahr zeitaufwendiger Irrwege. Wie die Textlektüre gezielt erfolgen kann und welche Rolle Leitfragen dabei spielen, verrät der Schnelllese- und Informationsverarbeitungs-Experte Christian Peirick. „Bevor Sie einen Text lesen, sollten Sie sich immer die Frage stellen, was daran interessant ist bzw. welche Antworten Sie aus der Lektüre ziehen möchten.“ so Peirick.

Schneller lesen mit Leitfragen

Für die gezielte und effektive Informationsverarbeitung sei es unbedingt erforderlich, sich schon vorher Leitfragen zurecht zu legen und die eigene Aufmerksamkeit auf bestimmte Punkte zu fokussieren. „Sie sollten sich darüber im Klaren sein, warum Sie den Text lesen bzw. welche Ziele Sie damit verfolgen.“ Wer eine Präsentation vorbereitet und noch ein paar zusätzliche Inhalte sucht, lese anders, als ein IT-Spezialist, der sich durch ein Fachbuch mit einer neuen Software-Anwendung vertraut mache. Peirick: „Es sollte vorher klar sein, inwieweit Sie die vermutlichen Textinhalte bei Ihrem Projekt nach vorne bringen.“ Wenn der Nutzen des Textes sehr vage sei, könne bei Zeitknappheit darüber nachgedacht werden, stattdessen einen besser geeigneten zu lesen. Beispiele für Leitfragen:

  • Von welchen Annahmen geht der Autor aus?
  • Welche Ausnahmen benennt er ggf.?
  • Wie könnte diese Position entstanden sein?
  • Inwieweit argumentiert der Autor nachvollziehbar?
  • Welche Schlussfolgerungen leiten sich daraus ab?
Suchen Sie etwas im Text, das Sie persönlich betrifft

Gesteigert werden können Textverständnis und Erinnerungsvermögen Peirick zufolge durch Fragen, die eine Einordnung des Textinhaltes in das vorhandene, persönliche geistige Wissens-Archiv ermöglichen. Passende Leitfragen:

  • Wie decken sich die Schilderungen mit meiner Erfahrung?
  • An welchen Stellen bin ich anderer Auffassung?
  • Was wusste ich zuvor bereits und was ist neu für mich?
  • Mit welchen meiner bisherigen Erkenntnisse ist das Geschilderte vergleichbar?
  • Wie könnte ich das Neue zusammenfassen, anderen erklären oder begründen?

Die Vorgehensweise Peiricks deckt sich mit aktuellen Forschungsergebnissen aus der Kognitionspsychologie. Wissenschaftler gehen davon aus, dass neue Informationen in bereits gebildete geistige Strukturen und Bewertungsschemata integriert werden. Das Behalten und Verarbeiten neuer Informationen sei dann besonders schwer, wenn es keine Anknüpfungspunkte an vorhandene Wissensbestände gäbe. Als Beleg mag das Erlernen einer Sprache dienen, mit denen es keinerlei Gemeinsamkeiten zu Muttersprache oder anderen, dem Lernenden bekannten Sprachen gibt.

Schneller lesen durch punktuelle Informationsaufnahme

Zu vielen Berufen gehört das besonders schnelle Aufnehmen und Verarbeiten von Informationen. Doch was ist, wenn am Ende der Lesezeit immer noch seitenweise Text zu bewältigen ist? „Ungeübte Leser gehen die Zeilen eines Textes mit den Augen Wort für Wort durch. Manche murmeln dabei leise vor sich hin, was sie gerade lesen. Das kostet Zeit.“ so Peirick. Auch die so genannte „Regression“ – das Zurückwandern zu bereits gelesenen Stellen – sei eine weit verbreitete Ursache für Langsamkeit. Peirick zufolge entstehen durch diese Verzögerung bereits nach kurzer Zeit Überdruss und Ermüdung. „Derjenige, der den Text schneller und punktuell liest, ist konzentrierter und arbeitet effektiver.“

Um seinen Seminarteilnehmern eine verbesserte Informationsaufnahme und -verarbeitung zu ermöglichen, setzt Peirick an mehreren Stellen an. Er unterstützt sie bei der Reduzierung von Lesehemmnissen, vermittelt ihnen neue Techniken des Überfliegens und des Lesens von Texten und zeigt ihnen Wege zur Verbesserung ihrer Informationsverarbeitung (z. B. durch Verwendung von Leseschemata statt klassischer Notizen). Die Vielfalt der Einzeltechniken sei notwendig, so Peirick, da es Texte mit unterschiedlichen Anforderungen gebe. „Bei einem Gesetzestext etwa kommt es genau darauf an, an welcher Stelle z. B. ein Komma steht.“ Er müsse also gründlicher gelesen werden als ein Fachartikel, bei dem nur die Hauptideen erfasst werden sollten.

Arbeiten Sie mit Strichen, um den Lesestoff aufzusplitten

Um die Anzahl der für das Lesen unabdingbar erforderlichen Augenhalte zu reduzieren, empfiehlt er, über den Text eine Folie mit senkrechten Strichen zu legen. Die Augenhalte erfolgten dann jeweils zwischen diesen Strichen und seien umso häufiger, je enger die Striche beieinander lägen. „Ziel jedes Blickstopps besteht darin, den gesamten Text zwischen den Strichen zu erfassen.“

Beispiel:

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Peirick betont, Techniken zum schnelleren Lesen eigneten sich sowohl für das Überfliegen von schriftlichem Material als auch für das „normale“, kontrollierende Lesen. Er ist überzeugt: „ Schon das Besinnen auf die Fixationspunkte, die Verweildauer und die Reduzierung beider Faktoren führt zu einer starken Beschleunigung der Lesegeschwindigkeit.“ Mehr Info unter www.rationell-lesen.de.

Schneller lesen

Zum Weiterlesen: Peirick, Christian (2013): Rationelle Lesetechniken: Schneller Lesen – Mehr behalten. Bad Honnef, 4. Aufl.