Was macht Finanzkompetenz so wichtig?

//Was macht Finanzkompetenz so wichtig?

Businessman adding golden coins with a young plant in the final row of a coin stack - Money and financial assets growth concept

Um die Finanzkompetenz weiter Teile der Bevölkerung steht es schlecht. Leider bilden auch viele Existenzgründer keine Ausnahme. Wie gehe ich mit meinem verfügbaren Einkommen um, wie sichere ich mich für Notfälle ab und welche Maßnahmen treffe ich für meine Altersvorsorge? Das sind die Kernthemen, über die bei jedem verantwortungsbewussten Erwachsenen Klarheit herrschen sollte.

Noch immer stellen viele Existenzgründer ihren eigenen Finanzbedarf in die zu vernachlässigende letzte Reihe der Prioritäten. Daraus spricht ebenso wenig Kompetenz, wie im Bereich der Finanzierung ihres Unternehmens zu verzeichnen ist. Bei der Finanzierung der Gründung hapert es oft bereits nach wenigen Monaten. Einer der häufigsten Gründe für ein Scheitern besteht in Finanzierungsmängeln. Oft wird der Umsatz unrealistisch hoch prognostiziert, die Preise werden schlecht kalkuliert und ganze Posten von laufenden Kosten in der Planung schlicht vergessen. Beim eigenen Bedarf werden fest die Augen zugekniffen: „Altersvorsorge und Absicherung für die Berufsunfähigkeit? Das mache ich, wenn der Laden läuft.“ Mit dieser Haltung kann man sich und seine Familie in die finanzielle Katastrophe steuern.

Warum mangelt es an Finanzkompetenz?

Die Tabuisierung finanzieller Angelegenheiten ist in unserer Gesellschaft stark verankert. Sie hat historische Gründe, die unter anderem in den erlebten Weltwirtschaftskrisen und den Auswirkungen der beiden Weltkriege liegen. Wenn niemand weiß, wie viel ich besitze, gibt es keinen Neid. Außerdem kann mir niemand etwas wegnehmen. „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ Dadurch entstand die fest verankerte Haltung: “Über Geld spricht man nicht“.

Auch unser Bildungssystem geht nicht im notwendigen Maße auf diese neuen Herausforderungen ein. Ich war schon positiv überrascht, von der 16jährigen Tochter eines Freundes zu hören, sie habe eine Projektarbeit anfertigen müssen, die sich mit der Kalkulation ihrer Lebenshaltungskosten beschäftigt hat. Diese Idee fand ich großartig. Jungen Menschen ein solch fundamentales Thema näher zu bringen, ist ein guter Weg. Doch die Vermittlung von Finanzkompetenz müsste auch darin bestehen, einen weitreichenden Einblick in die Finanzwelt zu bekommen. Da reicht es nicht aus, den Zinseszins berechnen zu können. Jugendlich müssen, z.B. Einblicke in verschiedene Finanzinstrumente bekommen, damit sie vom Eintritt in ihr Berufsleben an Vermögen sinnvoll bilden können. In den Familien wird ebenfalls keine Finanzkompetenz aufgebaut. Nicht einmal alle Ehepartner sprechen offen miteinander über ihre Einkünfte und Finanzplanungen. Wie sollen Kinder unter diesen Voraussetzungen das notwendige Wissen erwerben?

Gefährliche Bildungslücken

Heute ist dieser Mangel in der Bildung als gefährlich nachlässig, geradezu fahrlässig einzuordnen. Im Gefolge des demografischen und gesellschaftlichen Wandels führt die Reform der Sozialversicherungssysteme zu Handlungsdruck und Entscheidungszwang bei allen Versicherten. Hinzu kommen Veränderungen in den Lebensverhältnissen. Jobs werden häufiger gewechselt, es gibt mehr Teilzeitarbeit und Arbeitslosigkeit. Durch Scheidungen und Trennungen steigt die Anzahl der wirtschaftlich häufig instabilen Einelternhaushalte und der Unterhaltspflichtigen.

Vorsorge ist besser als Altersarmut

Auch für Gründer und Kleinunternehmer kann es eine Lösung sein, freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Sozialversicherungen zu bleiben. Wer jedoch vorausschauend Vorsorge treffen will, um z. B. die Umlagesysteme Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung zu ergänzen, muss Vermögen bilden. 2025 werden die Renten voraussichtlich nur noch 45,2 Prozent (vor Steuern) des jetzigen Lohns betragen, wenn es überhaupt so viel sein wird. Wie mag es dann noch um die Kaufkraft der monatlich verfügbaren Summe bestellt sein? Gehen Sie davon aus, dass Sie Ihren Lebensstandard ganz erheblich bis extrem einschränken müssen. Wenn Sie sich dann noch vorstellen, dass Sie im fortgeschrittenen Alter hohe Eigenanteile für Medikamente, Krankenhausaufenthalte oder Pflege aufbringen müssen, sieht die Zukunft düster aus. Es gibt besondere Strategen, die meinen „Vielleicht werde ich ja gar nicht so alt.“ oder „Positiv denken: Es wird schon…“.

Nein! „Von allein“ passiert gar nichts. Die Menschen werden älter. Es gibt inzwischen nicht mehr 3 Lebensphasen, nämlich Kind/Jugendlicher, erwachsener und alter Mensch, sondern 4. Die Phase des aktiven Alters nach dem Abschluss des Berufslebens ist eine Zeit im Leben, in der viele ihr Leben genießen wollen und lang gehegte Pläne verwirklichen. Mit Grundsicherung vom Sozialamt kann man sich höchstens spirituelle Höhenflüge erlauben. Deshalb: Vorsorgen!

Risikopotenziale erkennen

Das bisherige Modell der kapitalgedeckten Altersvorsorge ist krisenanfällig, auch im Hinblick auf persönliche Notlagen. Erfahrungsgemäß werden die meisten Verträge für Kapital-Lebensversicherungen bereits nach kurzer Laufzeit gekündigt, weil sich Veränderungen in der Lebenssituation der Versicherten ergeben haben und die Zahlungen plötzlich das Budget sprengen. Stattdessen muss Kapital aufgebaut werden, der in einer risikoärmeren Mischung verschiedener Anlagestrategien im Laufe der Jahrzehnte anwächst.

Auch im Bereich der gesetzlichen Pflege- und Gesundheitsversicherung macht individuelle Vorsorge Sinn, wenn man Wert auf gewohnte Standards legt. Es ist mit einer weiteren Einschränkung der Leistungen der Kranken/Pflegekassen zu rechnen.

Die Fragmentierung der Lebensläufe, im Gegensatz zu den eher gradlinigen Biografien im vergangenen Jahrhundert, macht das Leben krisenanfälliger. Jobverlust, Insolvenzen und Scheidungen sind die häufigsten Auslöser von Überschuldung.

Exkurs „Überschuldung“

Wenn das verfügbare Einkommen und Vermögen dauerhaft nicht mehr ausreicht, um Ratenverpflichtungen zu bedienen, spricht man von Überschuldung. Jährlich werden rund 100.000 Privatinsolvenzen von Menschen angemeldet, die keine andere Chance mehr haben, jemals ihre Schulden zu tilgen. Die Dunkelziffer derjenigen, die überschuldet sind, den Schritt der offiziellen Insolvenz aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht vollziehen, ist wahrscheinlich hoch. Jeder zehnte Bundesbürger über 18 ist überschuldet, durchschnittlich mit 34.000 Euro, bei einem Durchschnittseinkommen von rund 1.000 Euro im Monat.

Besonders junge Menschen sind betroffen. Sie betrachten Kredite als „Nachsparen“ und machen sich keine Gedanken über die Risiken, Forderungen nicht mehr bedienen zu können, geschweige denn über die durch Zinsen steigende Summe ihrer Schulden. Das Wissen um Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten sollte deshalb zur Allgemeinbildung zählen. Der Gang zur Schuldnerberatungsstelle und die Privatinsolvenz als Möglichkeit, innerhalb von 6 Jahren finanziell reinen Tisch zu machen, sind sinnhafter und sozialverträglicher, als eine weitere Existenz unter der Pfändungsgrenze mit Hartz 4.

Verpasste Chancen

Wie viel weniger Kapital wäre auf dem Immobilien- und Aktienmarkt verbrannt worden, wenn die Anleger die Angebote besser hätten beurteilen können? Unsicherheit und Zweifel beim Thema Vermögensanlage entstehen dort, wo das Wissen als Beurteilungsgrundlage fehlt. Fühlt man sich in einem Bereich unsicher, neigt man dazu, ihn zu meiden oder zu verteufeln. Wie schade, denn es lässt sich mit dem nötigen Know-how auch in Zeiten des Zinstiefs Vermögen aufbauen und sinnvolle Vorsorge betreiben. Autor: Mike Warmeling

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