Wenn die Mappe nach Rauch riecht: Tipps für die schriftliche Bewerbung

//Wenn die Mappe nach Rauch riecht: Tipps für die schriftliche Bewerbung

dirkkremerAls Personalberater und „Recruiter“ wird Dirk Kremer von Firmen beauftragt, passende Kandidaten für Positionen zu finden. Der Steinhagener schaltet Stellenanzeigen, nimmt die schriftlichen Bewerbungen entgegen und führt Vorstellungsgespräche durch. Er berichtet von den schlimmsten Patzern, die ihm im Lauf seiner Tätigkeit begegnet sind.

„Wenn ich Bewerbungen bekomme, bilde ich in der Regel drei Stapel. `A´ bedeutet interessant, `B´ sind Reservekandidaten und `C´-Stelleninteressenten erhalten eine Absage.“ erklärt der Personalspezialist und fügt hinzu, das Ziel einer schriftlichen Bewerbung liege also darin, in den A-Stapel zu kommen. Kremer: „Sofort abstoßend wirkt ein schmuddeliger, fleckiger Umschlag mit einer zerknickten, offensichtlich schon öfter verschickten Mappe. Schon allein das reicht für eine Absage. Manche übertreffen auch das noch und schicken nach Zigarettenqualm oder Parfum riechende Unterlagen.“

Wer nun daraus ableitet, dass eine teure Designermappe und liebevoll arrangierte Schnörkel zu einer Jobgarantie führen, liegt ebenso falsch. „Alles, was unnötig überkandidelt wirkt, macht einen negativen Eindruck.“ Besonders häufig bei Frauen tauchten mit Blümchen verzierte und in Schnörkel-Schreibschrift geschriebene Texte auf. Kremer erinnert sich an ein ganz besonderes Exemplar, das die Absenderin mit drei verschiedenen Schrifttypen gestaltet hatte. „Da flimmern Ihnen bei der Lektüre die Augen. Halten Sie Ihre Bewerbung schlicht und verzichten Sie auf Unnötiges.“

Dringend rät er auch von Schnappschüssen per Selbstauslöser ab, oder von welchen, die „ein Freund, der fotografieren kann“ kostenlos geknipst hat. Gefragt sei ein ganz normales Portraitfoto, das den Interessenten von seiner „Schokoladenseite“ zeige. „Gehen Sie unbedingt zu einem Fotografen. Die Investition lohnt sich, denn der Blick fällt meist zuerst auf das Bild.“ Auch hier ist nach Auskunft von Kremer der ganz normale Standard gefragt. Wer versuche, mit seinem Bild ein besonders originelles Motiv umzusetzen oder bei einem Posten im Office-Management zu einer Ganzkörperaufnahme greife, sorge dafür, dass seine Mappe zielsicher im C-Stapel und anschließend wieder bei ihm im Briefkasten lande. „Ich warne Frauen auch vor Abbildungen, die ihre Weiblichkeit in den Vordergrund drängen. Dazu gehören eine offene Löwen-Mähne, zu viel grelle Schminke und ein tiefer Ausschnitt.“

Auf ein Stelleninserat erhält der Headhunter manchmal über hundert Bewerbungen. Um die zu sichten, ist Zeit erforderlich. Aus diesem Grund reagiert er allergisch, wenn er eine Multimedia-Bewerbung bekommt, in der er Filme anschauen oder Audiodateien anhören soll. „Eine solche Form kommt nur in Frage, wenn ich einen Regisseur suche.“

Häufig flattern Dirk Kremer Anschreiben auf den Tisch, die von Standardvorlagen aus dem Internet oder einem Bewerbungsratgeber abgeleitet sind. Nur der Firmenname wird bei diesen an anonyme Massenaussendungen erinnernden Unterlagen ausgetauscht. Kremer empfiehlt einen Aufbau nach dem Muster „Sie + ich = wir“. „Nehmen Sie beim Einstieg Bezug auf den Empfänger und sein Unternehmen Bezug . „Erst dann leiten Sie zu sich und Ihren Kompetenzen über. Legen Sie zum Schluss dar, dass es für das Unternehmen ein Vorteil ist, Sie näher kennen zu lernen.“ Wichtig sei es auch, speziell auf die von der Firma gesuchten Qualifikationen Bezug zu nehmen. Hierbei komme es auf Feinheiten in der Formulierung an. „Statt zu behaupten, Sie verfügten beispielsweise über Führungserfahrung, ist es geschickter, Fakten zu nennen, die zu genau dieser Schlussfolgerung führen.“

Nach dem Versenden der Bewerbung ist nach Auskunft des Unternehmensberaters Geduld gefragt. „Es nervt, wenn ein Bewerber dauernd anruft und nach dem Stand der Dinge fragt. Außerdem wirkt ein solches Verhalten so, als ob er den Job dringend nötig hätte. Das ist keine günstige Ausgangsbasis für den weiteren Verlauf.“

Auf einen Blick: Dirk Kremers Bewerbungstipps

  • Gepflegte, schlichte Bewerbung ohne verspiele Elemente, die nichts mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun haben
  • Inhalt schlägt Design à Qualifikation ist wichtig
  • Business-Portraitfoto vom Profi
  • Einstieg mit Bezug auf den Empfänger (z. B. Detail, das extra recherchiert wurde)
  • Aufbau Sie + ich = Wir
  • Belege statt Behauptungen
  • Im Lebenslauf das genauer beschreiben, was zur ausgeschriebenen Stelle passt und nicht jeden Aushilfsjob auswalzen
  • Warten, bis sich die Firma von selbst meldet, zumindest die ersten 4-6 Wochen

Birgit Lutzer